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Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Für alle Topics, die nicht in die übrigen Rubriken zum Thema Jurastudium und Staatsexamen passen

Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Beitrag von Dayli erstellt am: 19. Dez 2017, 16:21 Uhr

Hallo!

Ich habe vor kurzem die Ergebnisse des schriftlichen Teils der 1. Jur. Prüfung erhalten und 4,41 Punkte erzielt.
Ein bisschen bin ich enttäuscht aber habe es so kommen sehen.

Da ein Verbesserungsversuch nicht mehr möglich ist und ich im SP auch nur 7 Punkte erzielt habe, werde ich also auf jeden Fall das 1. Examen mit einem knappen ausreichend beenden..

Leider habe ich nun sehr große Angst, dass ich nach dem 2. Staatsexamen (unterstellt ich bestehe auch das) keinen Job finden werde. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mich für die Note schäme :(

Seit Dezember habe ich nun einen Nebenjob in einer Kanzlei, die wohl auch Interesse daran hat, dass ich während dem Ref nebenher dort arbeite.
Ich weiß dass empfohlen wird, gerade bei schlechtem Examen möglichst frühzeitig Kontakte zu knüpfen um die Jobaussichten zu erleichtern.
Nun habe ich jedoch Panik, dass die Kanzlei von mir abrücken wird, wenn sie meine Note erfährt :oops: vor allem ist es mir auch sehr unangenehm, ihnen die Note mitzuteilen.

Deshalb würde ich gerne mal Meinungen anderer hören, die nach dem 1.Stex in einer ähnlichen Situation waren und was aus ihnen sozusagen geworden ist. Also vor allem wie es aktuell auf dem Arbeitsmarkt für Juristen mit nur ausreichendem Examen aussieht.

Bin über jede Nachricht dankbar!

LG

Dayli

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Re: Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Beitrag von Herr Anwalt erstellt am: 19. Dez 2017, 19:10 Uhr

Hallo Dayli,

erst einmal herzlichen Glückwunsch.
Du hast eine hohe intellektuelle Leistung erbracht, die 80% der Bundesbürger niemals schaffen würden.

Du musst dich für nichts schämen. Geh offen damit um und gib dein bestes im zweiten Examen. Wenn du jetzt schon daran denkst, dass du arbeitslos wirst oder sonst so einen Müll, dann wird auch nur genau das eintreten.
Alle aus meiner AG haben ausnahmslos einen Job bekommen, egal mit welcher Note.
Und ich kann nicht sagen, dass die mit einer wesentlich besseren Note heute zufriedener sind. Vielleicht haben sie manchmal etwas mehr im Portmonaie als andere, aber zufriedener sind sie eben auch nicht.

Mach weiter in der Praxis und acker da fleissig mit und versuch dich im zweiten zu steigern.
Das wird.
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Herr Anwalt

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Re: Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Beitrag von Knusper_Kotte erstellt am: 19. Dez 2017, 21:20 Uhr

Hallo Dayli,

Du musst dich für nichts schämen.


Genauso sehe ich das auch! Du hast bestimmt hart dafür geackert, das Examen zu kriegen (wie wir anderen ja auch) und wenn man alles gegeben hat, braucht man sich auch nicht klein machen (es gibt ja auch keinen Grund dafür).

Ich male auch sehr oft den Teufel an die Wand (jetzt nicht nur was die Uni angeht) und merke immer wieder, dass das alles gar nichts bringt, außer, dass es einen verrückt macht.

Richte den Blick nach vorne! An der Vergangenheit hängen ist so, als würdest du versuchen, ausgedrückte Zahnpasta wieder in die Tube zurück zu schaufeln. Geht nicht und ist sinnlos. :hammer:

Was deinen Job angeht: Ich glaube, dass Noten im Arbeitsleben nicht alles sind. Mit Engagement und Einsatz kann man meiner Erfahrung nach sehr viel erreichen.

Sorry, wenn mein Post jetzt irgendwie abgedroschen klingt, aber bin etwas müde :hammer:

Liebe Grüße und Kopf hoch,

Knusper

Knusper_Kotte

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Re: Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Beitrag von Bubba_daHubb erstellt am: 20. Dez 2017, 11:43 Uhr

Herr Anwalt hat geschrieben:Du hast eine hohe intellektuelle Leistung erbracht, die 80% der Bundesbürger niemals schaffen würden.

Also derart übertreiben muss man aber auch nicht.

Ich würde das ganze realistisch betrachten: du kannst wirklich stolz drauf sein, dass du das Examen geschafft hast. Dennoch ist es gut, wenn du nicht meinst die Welt hat jetzt unbedingt auf dich gewartet, denn du musst dir auch bewusst sein (und das scheinst du mir auch zu sein), dass du auf dem Arbeitsmarkt notenmäßig nunmal der "schlechteste" Bewerber bist, denn unter 4 Punkte gibt es keine Mitbewerber: die Leute haben das Examen ja nicht geschafft. Du konkurrierst also mit allen anderen Absolventen und das sind bei Jura nunmal eine Menge. Aussichtslos würde ich es aber denn noch nicht nennen. Man kann nicht absehen, wie sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren weiter entwickelt, aber momentan ist er zB so gut wie seit Jahren nicht mehr.
Gerade mit einer schwachen Note ist es darum aber wirklich wichtig, dass du dir deine Ecke/Gebiet suchst die dir Spaß machst und guckst, dass du dich spezialisierst/drauf fokussierst (auch bei den Ref-Stationen und nicht mal dies und mal jenes ohne erkennbaren Zusammenhang zusammenwürfeln). Es kann am Ende sehr viel (positiv) ausmachen, wenn du dir eine klare Linie aufbaust und diese durchziehst. Ich weiß nicht, was dein späterer Berufswunsch ist (und ob du einen solchen schon gefestigt hast?), aber wenn das die angestellte Anwaltstätigkeit sein sollte - dann auf jeden Fall versuchen in einer Kanzlei Fuß zu fassen z.B. indem man auch eine Station dort absolviert. Ich würde dann auch ruhig offen ansprechen, wie es denn mit einer Anstellung später aussieht. Dazu muss die Kanzleistruktur ja auch passen und offen für sein: wenn sie sich einfach keinen weiteren Anwalt leisten können, dann liegt das ja nichtmal an dir; da würde ich aber schon frühzeitig dann mal rumhorchen wie das denn aussieht und ob überhaupt die Möglichkeit einer anschließenden Anstellung besteht. Wenn du zudem jetzt bereits bei der Kanzlei jobbst dann geht es denen ja nicht mehr darum, ob du "trotz" deiner 4 Pkt überhaupt eingestellt wirst - sie haben dich bereits eingestellt ohne deine Examensnote zu kennen. Da würde ich jetzt drauf aufbauen und versuchen ein gutes Bild abzuliefern, denn kündigen werden sie dir ja nun wohl nicht, wenn du Ihnen deine Examensnote mitteilst (ansonsten wäre das zumindest für mich eine Kanzlei, zu der ich nichtmal freiwillig gehen würde bzw. man froh sein kann, wenn man dort wieder weg ist, wenn sie einen für einen Nebenjob erst einstellen und kurz darauf wegen der Examensnote wieder kündigen). :D

Zwei aufmunternde Beispiele für dich aus meiner damaligen Ref-AG:
Ein Kollege hat ein ausreichend im 1. Examen und ein ausreichend im 2. Examen: In der Anwaltsstation (insge. 8 Anwälte in der Kanzlei) hat es ihm super gefallen, sodass er dort auch die Wahlstation absolviert hat und sie ihn, obwohl sie an sich solide befriedigende Examina-Anforderungen an die Bewerber stellen, ihn danach eingestellt haben, nachdem er die Karten offen gelegt hat und für den Job wirklich brannte.
Ein anderer Kollege hat durch eine simple Nebentätigkeit in einem (recht bekannten) Unternehmen gute Kontakte geknüpft, dort dann auch die Wahlstation absolviert und sie waren von seiner Arbeitsweise/-einstellung sehr angetan. Er hat sich aber auch wirklich richtig reingekniet. Trotz ausreichend im 1. Examen und einem schwachen befriedigend im 2. Examen haben sie ihn danach eingestellt (und an sich verlangt das Unternehmen laut ihrer Stellenausschreibungen für Juristen 2 solide befriedigende Examina und mind. 3 Jahre Berufserfahrung). :)

Knusper_Kotte hat geschrieben:Was deinen Job angeht: Ich glaube, dass Noten im Arbeitsleben nicht alles sind. Mit Engagement und Einsatz kann man meiner Erfahrung nach sehr viel erreichen.

Noten sind im Arbeitsleben nicht alles, aber man wird halt doch auch nach Jahren im jur. Bereich noch an Ihnen gemessen (wobei das 2. Examen deutlich mehr Gewichtung hat). Dass ist bei Jura eine Besonderheit die andere Studiengänge nicht haben, weil da nach kürzester Zeit die Berufserfahrung zählt. Bei Jura spielen die Examensnoten aber deutlich länger noch mit rein. Und mit bestimmten Noten kommst du halt auch einfach in gewisse Berufsgruppen aufgrund der Notengrenzen nicht rein, da bringen dir dann auch leider 10+ Jahre Berufserfahrung nichts.

Bubba_daHubb

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Re: Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Beitrag von Knusper_Kotte erstellt am: 20. Dez 2017, 21:29 Uhr

Noten sind im Arbeitsleben nicht alles, aber man wird halt doch auch nach Jahren im jur. Bereich noch an Ihnen gemessen (wobei das 2. Examen deutlich mehr Gewichtung hat). Dass ist bei Jura eine Besonderheit die andere Studiengänge nicht haben, weil da nach kürzester Zeit die Berufserfahrung zählt. Bei Jura spielen die Examensnoten aber deutlich länger noch mit rein. Und mit bestimmten Noten kommst du halt auch einfach in gewisse Berufsgruppen aufgrund der Notengrenzen nicht rein, da bringen dir dann auch leider 10+ Jahre Berufserfahrung nichts.


Klar, es werden manche Türen für Dayli zu bleiben. Ich hatte es aber so verstanden, dass sie es gerade geschafft hat, irgendwo einen Fuß in die Tür zu kriegen. In ihrer Situation würde ich versuchen, dort viel Einsatz zu zeigen.

Liebe Grüße
Knusper

Knusper_Kotte

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Re: Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Beitrag von W.C. Canalriss erstellt am: 13. Jan 2018, 01:02 Uhr

Die Frage ist hier - wie immer- woran es liegt:

-Faulheit
- keine Begabung für die Sache


Natürlich kann man jetzt sagen, dass 4,4 total Ok ist. Ich halte das aber für grob fahrlässig, weil dann ja noch das 2. Examen ansteht, das insgesamt noch einmal komplexer ist als das 1. Examen.

Also, kurz gefasst: Ehrlich fragen, wo das Problem liegt. Gut formulieren kannst du, das ist schon mal nicht ganz unerheblich. Die Frage ist, woran genau lag es, dass du keine befriedigende Note erzielen konntest.

W.C. Canalriss

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Re: Ausreichend in der 1. Jur. Prüfung

Beitrag von Herr Anwalt erstellt am: 16. Jan 2018, 20:41 Uhr

Kollege von mir:
Ausreichend im 1. Stex.
VB im 2. Stex.
Jetzt Staatsanwalt.

Es ist noch alles drin.
Und selbst wenn es nicht gut klappt:

Du wirst einen Job finden, egal welche Note.
Vielleicht nicht in ner angelsächsischen Großkanzlei.
Aber du wirst deine Miete zahlen können.

Lass dir keine Angst machen.
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