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Spät nicht scheinfrei, ratlos - Abbruch?

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Spät nicht scheinfrei, ratlos - Abbruch?

Beitrag von enttäuschung erstellt am: 19. Aug 2016, 19:27 Uhr

Hallo,

ich komme zum Wintersemester in mein 12. FS und bin noch nicht scheinfrei.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich schon über weite Teile meines Studiums ziemlich faul war, kaum die Uni besucht habe usw.. Da ich oftmals wenig vorbereitet war, bin ich durch einige Klausuren gerasselt, teilweise aber auch trotz guter Vorbereitung, weil ich schlichtweg die Theorie nicht auf den Fall angewendet bekommen habe.

Ich habe quasi die Theorie schon teilweise verstanden, zumindest denke ich das, aber dann oft aufgrund mangelnder Fallpraxis und vielleicht auch Nervosität und Kopflosigkeit nicht fallkonkret zur Anwendung bringen können.

Da ich so gut wie nie an der Uni war und insofern auch dort keinen Anschluss hatte, kam ich im Laufe der Zeit dann immer mehr in einen Verdrängungsmodus, in dem ich Klausuren immer und immer wieder aufschob, und andere Leistungen aus dem Schwerpunkt (Vortrag, Hausarbeit usw.) vorzog.

Jetzt komme ich bereits in 12. FS und mir fehlen noch 5 Klausuren für den großen Schein, davon 3 im Zivilrecht und 2 im öffentlichen Recht. Ich könnte zwar alle Klausuren im nun kommenden Wintersemester schreiben, aber ich weiß a) nicht, ob ich das lerntechnisch hinbekomme, und b) zweifel ich mittlerweile ganz stark daran, ob ich das leistungstechnisch überhaupt hinbekomme und bestehe, schließlich bin ich schon oft durchgefallen in der Vergangenheit.

Die vielen Misserfolge über die Jahre und der mangelnde Anschluss haben mir viel von meinem Selbstbewusstsein geraubt. Es ist auch wahnsinnig deprimierend, wenn die wenigen Mitstudenten, mit denen ich Kontakt hatte, allesamt bereits Examen geschrieben (und bestanden haben), während ich immer noch hier rumstudiere.

Irgendwie traue ich es mir nicht mehr wirklich zu, ich habe meine Leichtigkeit verloren während des Jurastudiums. Vorher hatte ich nie auch nur im Ansatz Probleme, aber eine ungünstige Mischung aus Faulheit, mangelndem Anschluss und weiteren Faktoren hat mich in diese Lage gebracht. Die Thematik an sich, also das Fach, interessiert mich schon, zumindest vom theoretischen Standpunkt aus. Jura hat einfach diesen Allgemeinbildungscharakter. Allerdings tue ich mich auch sehr schwer mit der jeweiligen konkreten Falllösung. Meine Noten während des Studiums waren nur in den Hausarbeiten gut und auch mal zweistellig, ansonsten immer zwischen 4-7 Punkten.

Da ich große Zweifel daran habe, das Ruder noch rumreißen zu können, habe ich auch die Studienberatung aufgesucht, die mich auf die Möglichkeit eines Neustarts (Fachwechsel, B.A.) hingewiesen hat, um so eventuell diesem Negativkreislauf, dem Zeitdruck (da alle anderen schon Examen haben) und dem Leistungsdruck (Examen steht ja auch noch vor der Türe) entkommen zu können. Ich zweifel halt auch daran, ob ich am Ende wirklich die Nervenstärke und das Durchhaltevermögen fürs Examen hätte.

Abhalten tut mich von einem möglichen Fachwechsel (B.A.) neben einem vermuteten diffusen Interesse an Jura vor allem das Alter. Ich werde im Herbst 25, wenn ich nun etwas Neues studiere, dann bin ich am Ende 30 Jahre alt, wenn ich fertig bin, und habe 10-11 Jahre studiert. Und wie macht sich ein nach 5 Jahren abgebrochenes Jurastudium?!

Diese Entscheidung ist einfach so schwierig, ich zerbreche mir seit Wochen den Kopf.

War jemand von euch in einer ähnlich verfahrenen Situation gefangen und hat einen Ratschlag auf Lager?

enttäuschung

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Re: Spät nicht scheinfrei, ratlos - Abbruch?

Beitrag von Eagnai erstellt am: 20. Aug 2016, 23:46 Uhr

enttäuschung hat geschrieben:bin ich durch einige Klausuren gerasselt, teilweise aber auch trotz guter Vorbereitung, weil ich schlichtweg die Theorie nicht auf den Fall angewendet bekommen habe.

Der Satz macht einen Teil deines Problems schon recht deutlich - wenn du durch Klausuren gefallen bist, weil du wegen fehlender Falllösungspraxis die Theorie nicht auf den Fall anwenden konntest, dann war deine Vorbereitung eben nicht "gut", sondern unzureichend, weil wohl einseitig nur auf die Theorie konzentriert. Dass es frustriert, wenn man durchfällt, obwohl man (falsch) gelernt hat, ist klar.

Zu deiner eigentlichen Frage:

Was deine Bedenken über einen möglichen Zeitverlust bei einem Fachwechsel angeht, solltest du berücksichtigen, dass es zwar vielleicht fünf Jahre dauert, bis du in deinem neuen Fach einen Abschluss erlangt hättest, du aber mit Jura wahrscheinlich auch nicht viel schneller fertig werden wirst, wenn du weitermachst. Wenn dir noch fünf Klausuren fehlen, wirst du vermutlich ein halbes bis ein ganzes Jahr dafür brauchen, dann kämen die Examensvorbereitung (meist ca. ein Jahr) und das Examen selbst (zwischen Klausuren und mündlicher Prüfung liegen ja auch noch mal ein paar Monate) - also wahrscheinlich selbst dann, wenn du im ersten Versuch bestehst, locker noch zwei bis zweieinhalb Jahre, bis du das erste Examen in der Tasche hast. Mit Referendariat und zweitem Examen werden es dann auch an die fünf Jahre sein, bis du in den Beruf einsteigen kannst - und das nur, wenn du beide Examen direkt bestehst und nicht noch Wiederholungsversuche dazukommen.

Die zeitliche Komponente würde ich daher in deiner jetzigen Situation nicht für so entscheidend halten.

Primär würde ich mich an deiner Stelle fragen, wie du dir dein späteres Berufsleben vorstellst. Willst du denn überhaupt juristisch arbeiten? Wenn ja, wie - als selbständiger Anwalt? Erst dann, wenn du sicher bist, dass du wirklich juristisch arbeiten willst, würde ich im nächsten Schritt überlegen, ob du den Weg dahin realistischerweise schaffen kannst. Denn ein "diffuses Interesse an Jura" ohne wirkliche Idee, ob man überhaupt in dem Bereich arbeiten will, ist ein ziemlich dünnes Argument dafür, sich durch den Rest des Studiums und zwei (mit viel Stress und Arbeit verbundene) Examen zu kämpfen.

Es ist jedenfalls nie eine Schande, ein Studium abzubrechen, wenn man merkt, dass man in einem anderen Bereich vielleicht doch glücklicher würde. Was wäre denn dein Alternativ-Studiengang?

Eagnai

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Re: Spät nicht scheinfrei, ratlos - Abbruch?

Beitrag von Alexander erstellt am: 21. Aug 2016, 00:29 Uhr

Jura interessiert dich offensichtlich nicht wirklich, also zumindest nicht genug für ein Studium. Also such dir etwas andres, das dich mehr interessiert.

Muss ja übrigens kein (Uni-) Studium sein, es gibt doch auch interessante duale Studiengänge und Ausbildungen. Gerade wenn du faul bist, tust du dich viellicht in einem stärker verschulten System leichter. Evtl. auch etwas Produktiveres, Handfesteres als Jura oder mit mehr Kontakt mit Kunden als in der Juristenausbildung üblich.
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Alexander

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Re: Spät nicht scheinfrei, ratlos - Abbruch?

Beitrag von Austa erstellt am: 25. Aug 2016, 15:29 Uhr

Du musst dich fragen, ob du wirklich als Jurist arbeiten willst. Als Jurist mit nur einem (schlechten) Examen stehen die Chancen eher schlecht.
Ich denke, dass dir etwas Struktur helfen würde. Ich würde daher an eine Fachhochschule wechseln und dort ggf. BWL studieren. Mit guten Noten und entsprechenden Praktika solltest du auch später einen zufriedenstellenden Job finden. Die Jura-Scheine würde ich jedoch nutzen und mich an der FernUni Hagen für den Jura-Bachelor einschreiben und die Scheine anerkennen lassen. So hast du mit dann am Ende zwei Abschlüsse und das Jura-Studium war nicht umsonst.

Austa

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