Passwort vergessen?   
Aktuelle Zeit: 23. Apr 2018, 06:40 Uhr


Jura, Examen, Ausbildung & Co

Du bist hier:   Startseite Sonstiges Jura, Examen, Ausbildung & Co


Mit 24 ReWi beginnen

Für alle Topics, die nicht in die übrigen Rubriken zum Thema Jurastudium und Staatsexamen passen

Re: Mit 24 ReWi beginnen

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 1. Nov 2016, 12:18 Uhr

@ ロマン:

Du bist doch generell eigentlich ein sehr lernfähiger Typ. Und ich kenn' Dich auch durchaus anders als dass Du so drauf haust, nämlich den ロマン, mit dem man vernünftig reden kann, der zuhören kann und auch vernünftig und freundlich und human zurückantwortet. Du lebst - soweit ich weiß - doch relativ lange in Deutschland und bist mit der Kultur vertraut, erlebst jeden Tag Menschen hier und wie das Zusammenleben aussieht und weißt, dass dass, was Du geschrieben hast, einer wirklichen Überprüfung nicht standhalten würde.

Sei so lieb und tu' Deiner Umwelt und Dir selbst den Gefallen, dieses Gedankengut, was Du sicher mal so mitbekommen hast, in Frage zu stellen und fang' an, selbst zu denken.

Ich kann mir - auch wenn andere hier von Deinen heftigen Statements schnell abgeschreckt sind - nicht vorstellen, dass Du, nach allem, was Du selbst erlebt hast, ernsthaft willst, dass Menschen unterdrückt werden, dass ständig Gewaltbereitschaft und Runterschauen auf andere Leute den Alltag und das Zusammenleben der Menschen regeln sollen.

Auf der einen Seite hast Du mir gesagt, wie Du das damals empfunden hast und wie froh man eigentlich sein kann, wenn man in einem Land leben kann, wo es doch ein Mindestmaß an Rechtsstaatlichkeit und Freiheit gibt, wo andersdenkende Menschen nicht kaputt gemacht werden, wo Minderheiten Schutz bekommen. Und dann kommt wieder sowas von Dir, wo's einen echt schüttelt, Sprüche über Frauen, die man gleich mal verkrüppelt, weil sie nicht so spuren wie es sich Mann vorstellt.

Geh' mal in Dich und überleg' wie oft Du Dich nett mit einer Frau unterhalten hast und wie toll viele sind. Und selbst, wenn eine Frau nicht der Burner ist, hat ist sie ein Mensch und ist hier und muss mit diesem Leben klarkommen. Wo kommen wir bitte hin, wenn jeder auf jeden runterkuckt und überall nur Vorurteile herrschen, wo der Stärkere wieder gewinnt. Sollen wir das Faustrecht wieder einführen, zurück ins Mittelalter? Ist es das, was Du willst? Oder willst Du in einer zivilisierten Weise mit Menschen zusammenleben und davon profitieren, dass die Menschen alle unterschiedlich sind und dass sich jeder seine Ecke aussuchen kann, seine Freunde, seinen Job und andere es eben auch so machen, nur mit anderen Interessen und Neigungen.

Du bist ja nicht Deutscher, soweit ich weiß. Wie würdest Du es finden, wenn ich hier über Ausländer hetzen würde, wenn ich Dir alle miesen Eigenschaften andichten würde und schreiben würde, dass Du nie eine Chance haben wirst, weil Du eben x, y oder z bist, was meiner Meinung nach halt nicht "ok" ist?

Wenn Du das, was Du in diesem und anderen Einträgen geschrieben hast, weiter und in größeren Dimensionen denken würdest, würdest Du sehen, dass - wenn man dem folgen würde - man sich in einer Horrorwelt wiederfinden würde.

Ehrlich: Fang' bitte an, zu denken und nicht mehr nur irgendwelchen alten Aggressionen und Leitbildern aus der Tradition heraus nachzuhängen.

Wir hatten das alles in Deutschland. Frauen sind nix wert. Schwule und Lesben sind abartig. Nur wer Deutscher ist, ist es wert, dass er leben darf. Unsere eigene Geschichte ist voll mit diesem Vorurteils-Denken und mit Rassismus, mit Sexismus, mit Homophobie, mit einer Kirche, die damals alles unterbunden hat, was nicht standardisiert war. Zum Glück hat man Versuche unternommen, das zu ändern und auch wenn es noch viele Dinge gibt, die noch total schief laufen, der Grundkonsens ist in dieser Gesellschaft soweit das, dass mehrheitlich die Menschen in Frieden leben wollen und dass man Gewalt nicht mehr als Lösungsmittel in Konflikten sieht, weder völkerrechtlich noch zwischenmenschlich. Natürlich gibt's immer welche, die dissozial und kriminell ihren Vorteil suchen, aber niemand heißt das gut und sie werden sozial geächtet und das mit Recht.

Du gibst ja immer wieder zu verstehen, dass Du Dich für einen fähigen Juristen hälst. Gut, dann setz' das endlich um, sofern der Chef hier Deine weitere Anwesenheit dulden wird, und beweis', dass das, was Du in Jura gelernt hast, auch wirklich in Deinem Kopf angekommen ist und verstanden ist und nicht nur auswendig gelerntes eingetrichtertes Wissen ist, dass Du zwar abrufen kannst, aber nie verinnerlicht hast.

Und das hat Dir eine Frau geschrieben, die genau deshalb geschlagen wurde, weil sie eine Frau ist, weil sie körperlich unterlegen ist, von einem Mann.

Das Resultat davon war unendliches Leid auf allen Seiten. Ich war empanzipiert, ich hab' mich gewehrt und habe den Gegenangriff geführt, mein männlicher Täter hat heute Angst vor mir und das nicht ohne Grund, weil er weiß, dass ich ihn komplett kalt stellen werde, wenn er mich nicht in Ruhe lässt.

Aber wenn man den ganzen Mist unter'm Strich zusammenfasst, was kam denn dabei raus:

Ein schwachsinniges Bekriegen, verschendete Zeit und Kraft, die man für viel bessere Dinge hätte einsetzen können. Es waren alle nur unglücklich damit und warum hat das ganze Spielchen angefangen? Weil einer Minderwertigkeitskomplexe hatte, weil das Leben gemein zu ihm war und weil viele Menschen, die Unrecht erlebt haben, irgendwo Rache an jemandem nehmen, einen Stellvertreter suchen, an dem sie dann die Aggressionen, die sie aufgestaut haben, an einem anderen auslassen müssen und sich austoben müssen. Das ist der einfachste und billigste Weg, mit sowas umzugehen. Aber Größe und Verstand zeigt das nicht. Der bessere Weg, damit fertig zu werden, ist, sich davon zu distanzieren und was völlig Neues und Eigenes zu entwickeln, was weggeht von Verarchtung, von Demütigung und Herabsetzung anderer und von Gewalt und Rassismus weggeht.

Im Übrigen ist Deine Annahme, was die Deutschen wirklich denken, falsch:

Ich kenne ganz viele Leute, die mit Schwulen und Lesben beruflich zusammengekommen sind, als das alles doch noch weniger akzeptiert war als heute und mit einer Ausnahme haben alle total positiv berichtet und wollten diese Menschen nicht missen. Es geht letztlich keinen was an, was die Menschen in ihren Schlafzimmern miteinander machen. Das nennt sich Toleranz. Ich hab' mal einen sehr netten Schwulen kennengelernt, der auch sehr oft diskriminiert worden ist, der sehr drunter gelitten hat und ich hab' mit ihm geredet und er hat halt gemeint, dass er sich immer als unnormal gefühlt hätte, als pervers, weil man ihm das in seinere Schulzeit per Mobbing eingetrichtet hatte. Ich hab' ihm dann gesagt, dass ich auch auf Männer stehe und das total nachvollziehbar finde, dass er sich für Männer interessiert.

Genauso: Wie stellst Du Dir Dein Leben vor? Frauen findest Du mehrheitlich nur Katastrophe. Mit Männern eine Beziehung führen hälst Du für perversen kranken Scheiß. Mit wem willst Du denn Deine Zukunft verbringen, wenn alles nicht gut genug ist? Mit einem Transsexuellen vielleicht?

Ganz ehrlich: Ich verstehe, dass Du manchmal ganz schön heftige Sprüche klopfst, weil Du in Rage bist und weil Du viel Mist gesehen hast. Aber jetzt bist Du erwachsen und solltest endlich anfangen, auch Dich vernünftig mit der Welt und den Menschen auseinanderzusetzen. Du hast miese Startbedingungen gehabt. Aber Du hast es selbst in der Hand, ob dieser Mist Dich ewig leiten wird oder ob Du einen anderen Weg einschlagen wirst. Im Moment schadest Du anderen und Dir selbst, wenn Du so krasse und wirklich sehr diffamierende und diskriminierende Dinge sagst über andere Menschen.

Du willst doch sicher nicht, dass man über Dich so redet und so mit Dir umgeht, oder? Hast Du doch schon erlebt und fandest das sicher nicht schön? Dann geh' so auch nicht mit anderen um.

Ich denke, Du bist und kannst weitaus mehr als Hardcore-Sprüche abzulassen, die andere Menschen in die Flucht schlagen. Du wirst, wenn Du nicht differenzierter wirst, jeden Menschen, der für Dich eine Bereicherung sein könnte, davon treiben.

Geh' weg von Deinen Vorurteilen, übe Toleranz und lern' jeden Menschen erst mal kennen und bilde Dir dann ein Urteil über ihn bzw. entscheide, ob Du mit ihm gut kannst oder nicht und richte Dich danach. Damit wirst Du mit anderen und mit Dir selbst in Frieden leben können. Wenn Du Deine inneren Feindbilder weiter pflegst, wirst Du für andere und Dich nur Unheil produzieren und Dein Leben wird an sich am Ende nur Zeitverschwendung gewesen sein, nutzlose Existenz, die dann, wenn sie viele Jahrzehnte andere geschädigt hat, endlich vom Planeten verschwindet.

Das ist meine Meinung dazu und ich hab's Dir nich so einfach gemacht, wie viele andere es tun werden und Dich pauschal abgetan und einfach so nach dem Motto: Mit dem will ich nix zu tun haben!. Ich hab' Dir eine Antwort gegeben, über die Du wirklich mal nachdenken solltest. Ich hab' mir die Mühe gemacht und das alles geschrieben, obwohl ich viel zu tun habe und das der Feiertag ist. Und ich geh' nicht her und sag' einfach, Du wärst ein Idiot, der denkt wie im Mittelalter, womit dann wieder Deine Feindbilder gestärkt würden. Du hast eine differenzierte Antwort bekommen, wo sich jemand wirklich mit Dir auseinandersetzt. Und ich glaube, das ist was, was Du selten hast, was Du aber ehrlich gesagt, verdient hättest. Du hast viel geschafft und viel geleistet und ich sehe oft, dass Du anderen hier helfen willst und das sogar eigentlich ganz gut machst. Ich glaube nicht dran, dass Du wirlich so knallhart bist, wie Du oft in Deinen Sprüchen rüberkommst. Kann sein, dass mich meine Menschenkenntnis trügt und natürlich haben Deine Erfahrungen Spuren hinterlassen. Aber ich glaub' nicht, dass alles Andere, was Du jeden Tag an Positivem und Sinnvollem und Humanem um Dich ist, alles nur abgeprallt wäre. Dafür bist Du echt zu intelligent, Du kriegst all diese Sachen mit und die sind auch bei Dir angekommen. Ich hab' noch nicht erlebt, dass Du mir eine blöde Antwort gegeben hättest und mich als blöde Frau einfach abgetan hättest.

Du kannst doch echt viel mehr und bist viel netter und hilfsbereiter und weiter als dieser Beitrag da oben den Eindruck macht. Geh' doch bitte echt dahin, wo Du wirklich stehst, so, wie Du es mir damals in meinem Thread geschrieben hast. Ich kenn' Dich echt auch ganz anders und es wäre schön, wenn Du davon mehr zeigst.

Mars-Maus

Rang: Star-Literat/-in
Star-Literat/-in
 
Beiträge: 1664


Re: Mit 24 ReWi beginnen

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 1. Nov 2016, 12:35 Uhr

Väinämöinen hat geschrieben:
Mars-Maus hat geschrieben: wenn Arbeitsrecht, dann bitte ert mal beim Klassenfeind auf AG-Seite, .


Das ist ein relativ riskanter Ratschlag. Es gibt zwar Verbände / Gewerkschaften, die das Thema recht entspannt (d.h. professionell) sehen und auch einen "Seitenwechsler" nehmen. Gerade auf Gewerkschaftsseite gibt es aber durchaus eine beachtliche Zahl von Überzeugungstätern. Wenn er da mit einer Station im Lebenslauf bei einem Arbeitgeberverband ankommt, ist er für manchen Gewerkschaftsposten endgültig verbrannt.

Diesem Ratschlag würde ich daher keinesfalls folgen.


Ja, natürlich ist das ein Risiko. Aber man muss bedenken, dass der TE jetzt aktuell eben Wirtschafsjurist (FH) ist. Damit kann er nicht im neutralen Bereich Anwaltschaft arbeiten, zumindest wäre das sehr schwer. Außerdem hat er mit den Praktika schon die neutrale Zone verlassen und hat schon eine Gewerkschafts-Prägung, die ihn für viele Arbeitgeber problematisch macht. Da die Zahl der Arbeitsplätze für Wirtschaftsjuristen im Vergleich zu der Zahl der Arbeitsplätze für Wirtschaftsjuristen in der Wirtschaft generell viel niedriger ist, halte ich das Risiko, dass man eingehen würde, wenn man zunächst auf Arbeitgeberseite arbeitet, für deutlich niedriger als das andere Risiko. Das ist eben eine Frage des Risikomanagements. Ich bin der Meinung, dass man kalkulierbare Risiken eingehen kann, aber unkalkulierbare Risiken dann doch lieber nicht.

Das ist natürlich auch eine ethische Frage und Frage der Überzeugung und des eigenen Standpunktes und wieviel man davon aufgeben kann, wenigstens zeitweise, die dann auch jeder selbst beantworten muss. Wir haben hier alle keine Kristallkugel, die sagen könnte, was aus dem Rückblick in zehn Jahren heute die richtige Entscheidung gewesen wäre. Aber ich denke: Zuerst muss man seine eigene Zukunft absichern, ehe man für andere in den Kampf zieht.

Als Volljurist bestehen deutlich mehr Möglichkeiten, was dann später sein wird, ist dann zu überlegen. Wenn der Arbeitsmarkt ein paar Jahre weitergelaufen ist, dann wird man auch evtl. wieder die Dinge anders sehen. Das war ja die ganzen Jahre so, dass man sieht, dass auch der Arbeitsmarkt für Juristen nicht zu 100 % vorhersehbar ist. Als die Juristenschemme da war, kam plötzlich der Mauerfall der DDR. Plötzlich gab's Stellen, mit denen keiner gerechnet hätte. Es gab jetzt die Flüchtlingswelle, die auch Stellen geschaffen hat, die urplötzlich aus dem Nichts notwendig wurden. Die wirtschaftliche und politische Stabilität in Deutschland hält schon realtiv lange an, aber es ist nicht so, dass das immer so sein muss. Man hat an den ganzen wirtschaftlichen und politischen Krisen der letzten Jahre gesehen, dass ganz schnell irgendwo Crashs auftreten können und sich fortsetzen können, auch global, wovon dann ein Exportland wie Deutschland gravierend betroffen ist.

Man kann also immer nur für den Moment die wohl beste Entscheidung treffen und ich halte es für vernünftig, mit 24 unter den Umständen, eine weitere Qualifikation anzuschließen, die einem den Zugang zu deutlich mehr Arbeitsplätzen eröffenen könnte.

Wie ich schon sagte: Wenn der Lebenslauf insgesamt passt, spielt das Alter gar keine bzw. eine untergeordnete Rolle, um auch nochmal zu dieser Debatte was dazu zu sagen.

Worauf ich gespannt bin, ist, wie der Wirtschaftsjurist FH zukünftig angefragt wird. Man hat den damals ja konzipiert, weil die Volljuristen einfach zu wenig Ahnung von BWL und VWL haben, keine Ahnung vom Rechnungswesen usw.... Das ist ein Problem für die Unternehmen draußen und deswegen gibt's diesen Studiengang auch. Es gibt dafür ein Bedürfnis. Aber was nutzt es dem Absolventen, wenn es ein paar wenige Jobs in dem Bereich gibt und es für die Unternehmen dann passt, aber der Absolvent hat kaum Möglichkeiten, während der Volljurist wirklich ein recht breit gefächertes Angebot vorfindet? Außerdem kann sich durch das Jurastudium und Referendariat auch was an der Präferenz ändern und vielleicht interessiert PeterStrolch sich nach beendeter Volljuristenlaufbahn für ganz andere Rechtgebiete. Sowas passiert, wenn man mit neuen Elementen vertraut gemacht wird. Das kann man nie ausschließen. Und dann wäre die Ausrichtung im Lebenslauf auf Gewerkschaft mitunter auch sehr hinderlich.

Mars-Maus

Rang: Star-Literat/-in
Star-Literat/-in
 
Beiträge: 1664


Re: Mit 24 ReWi beginnen

Beitrag von TobiasG erstellt am: 1. Nov 2016, 13:55 Uhr

Dass es Tittenbonus und scheinheilige Homophile gibt, ist weder neu noch zu leugnen. Die Grundaussage mit dem Alter bleibt trotzdem falsch, insbesondere wenn man auf einmal auf "alte" Frauen mit schlechten Noten abstellt. Stimmen die Noten, wird es sich gerade in diesem Altersbereich keine Großkanzlei leisten, eine Frau abzulehnen, nur weil sie über 30 ist. Es gibt eben gerade nicht x vergleichbare Beweber Ende 20 mit abgeschlossener Familienplanung, Doppelprädikat und zwei Titeln, und wenn, sind die beim Staat beschäftigt. Somit spielt es kaum mehr eine Rolle, dass ein Arbeitgeber insgeheim bestimmt immer noch kritisch ist, wenn er eine Frau im Alter wahrscheinlich baldiger Familienplanung einstellt, weil er sich längst nicht mehr die beste Rosine rauspicken kann. Umgekehrt rettet ein jugendliches Alter natürlich auch mitnichten über schlechte Noten hinweg. Es ist, abgesehen von Extremfällen, ein relativ irrelevanter Faktor von vielen. Im Übrigen halte ich auch die Aussage mit der gern gesehenen "äußeren Reife" nicht für abwegig oder gar dem Tittenbonus geschuldet. Die Noten sieht der Mandant ja nicht, er geht vielmehr in der GK davon aus, dass sie bei jedem Anwalt gut sind. Deshalb kann es in Akquise-Gesprächen durchaus einen Unterschied machen, ob der Partner einen Nerd mit Pickelgesicht als seinen "neuen Kollegen" vorstellt, der mit 19 gerade aus Harvard kommt, oder die schneidige Mittdreißigerin, die im Hosenanzug nicht ganz so verloren aussieht.

Und zur Ausgangsfrage sei gesagt, dass zunächst einmal einige Zeit in die Formulierung des (Berufs-)Traumes investiert werden sollte. Wenn dann am Ende Volljurist (oder Glasbläser oder Lokführer oder Künstler) herauskommt, lohnt es sich immer, diesem Traum zu folgen, statt ihn einem vermeintlich sicheren Leben zu opfern. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.

TobiasG

Rang: Berufsdichter/-in
Berufsdichter/-in
 
Beiträge: 230


Re: Mit 24 ReWi beginnen

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 2. Nov 2016, 13:01 Uhr

TobiasG hat geschrieben:Dass es Tittenbonus und scheinheilige Homophile gibt, ist weder neu noch zu leugnen.


Dass es diese Dinge gibt und auch Kriterien reinspielen, die nicht mit dem Fachlichen zu tun haben, wenn jemand engagiert oder aussortiert wird, ist allen klar. Es wäre weltfremd, wenn jemand behaupten würde, es gäbe sowas nicht. Aber es ist halt z.T. dann auch so formuliert worden, dass es einfach nicht ok ist. Wenn mal ein Eintrag über die Stränge schlägt oder jemand karikatiert oder es halt mal etwas derberer Humor ist, ist ja ok. Aber wenn man verbal so anderen alles um die Ohren haut und auch extrem andere abwertet und runtersetzt, auch verbal ziemlich aggressiv auftritt, in dem einen Beitrag sogar unverhohlen Gewalttaten mit voller Überzeugung beschreibt, dann ist das einfach zuviel. Da wird sich dann auch Widerstand regen, weil andere das so nicht tolerieren. Es ist wie immer im Leben: Wenn man zuviel macht, kriegt man irgendwann die Retourkutsche. Oder man wird ganz ignoriert und links liegen gelassen. Aber jeder Mensch macht mal was falsch und ich denke, wenn das dazu führt, dass sich in der Zukunft was ändert, dann wäre das ein guter Ausgang. Ein blöder Anlass kann ja auch mal zu einer Win-Win-Situation führen. Wichtig ist halt, dass man die Kurve kriegt.

TobiasG hat geschrieben:Und zur Ausgangsfrage sei gesagt, dass zunächst einmal einige Zeit in die Formulierung des (Berufs-)Traumes investiert werden sollte. Wenn dann am Ende Volljurist (oder Glasbläser oder Lokführer oder Künstler) herauskommt, lohnt es sich immer, diesem Traum zu folgen, statt ihn einem vermeintlich sicheren Leben zu opfern. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.


Ich sehe das anders. Ich bin noch "geprägt"/"geschädigt" von "Berlin, Berlin". Die Serie lief ja vor langer Zeit und die liebe Lolle, die unbedingt ihren Traum leben wollte und Comiczeichnerin werden wollte, kennen vielleicht manche hier aus ihrer Schulzeit oder aus'm frühen Studium.

Jeder blöde Psychologe quatscht einen mit diesem Mist zu. Das ist so eine abgedroschene Psychoformel, wie man angeblich glücklich werden würde. Aber sie ist verlogen, wenn man das allgemeingültig als richtig darstellt.

Es ist eher so:

Es ist so, dass man Ziele auf ihre Umsetzbarkeit prüfen muss und sich daraus dann ergibt, welches Risiko man eingeht, wenn man sie verfolgt.

Wenn die Umsetzung eines Ziels realistisch ist, dann sollte man es geplant mit Zwischenzielen zu setzen, verwirklichen.

Ist ein Ziel jedoch total unrealistisch, dann ist es wichtig, die Finger davon zu lassen bzw. schnell davon wegzugehen, weil man sonst viel Kraft, Zeit und Lebensenergie in ein Projekt steckt, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Da wird aus dem Traum ganz schnell ein Alptraum. Und so wahnsinnig viel Lebenszeit hat man gar nicht. Die Jahre sausen oft nur so durch, wenn man lange Studiengänge ausgesucht hat. Der Rat geht daher auch deutlich dahin: Wenn es nicht geht, lass' es bleiben. Aber es wird immer Träumer und Luftschlossbauer geben, denen kann ich dann aber auch nicht helfen. Wer natürlich viel Geld im Kreuz hat, der sich seinen Unterhalt nicht selbst verdienen muss, der kann sich natürlich verwirklichen wie er Lust und Laune hat, da kommt's ja dann nicht drauf an, ob das Outcome am Ende stimmt.

Ich bin jedenfalls kein Lolle-Fan und werde auch nie einer werden, aus gutem Grund. Die sichere Bank ist oftmal in der langfristigen Betrachtung deutlich vorzuziehen und vielleicht nicht die beste Alternative gewesen, aber eine, die doch viel Gutes beinhaltet.

Ich bin viel Risiko gefahren und damit auf die Fresse gefallen und zwar mit Anlauf. Wer mit seinem Traum landen konnte, wird freilich davon schwärmen, wie toll es doch ist, es gewagt zu haben. Wer damit böse gelandet ist, wird es verteufeln. Da spielt die subjektive Erfahrung und der Ausgang der Sache eine große Rolle.

Und für viele, die im Hamsterrad eines relativ sicheren, aber langweiligen Jobs arbeiten, ist es oft so, dass sie denken, wenn sie das andere hätten, wären sie glücklicher. Das kann ja bei manchen so sein, aber das dass alle glücklich macht, würde ich auch bestreiten wollen.

Das Gras ist auf der anderen Seite immer grüner. Und man erlebt es auch im Job, dass das, was man immer macht, auch irgendwann langweilig wird. Ich denke, wer Jura kann, kann auch noch was Anderes und ich denke, dass die meisten Menschen mehrere Dinge können und auch in anderen Berufen was finden können, wo sie sich von motiviert fühlen.

Ich denke, der TE hat hier genau das Richtige gemacht, er checkt seine Möglichkeiten auf Realitätschancen ab und ich - so wie die meisten hier auch - können ihm bescheinigen, dass sein Plan vernünftig ist. Ob's letztlich das Beste für ihn sein wird, ist ein anderes Thema.

Ab einem bestimmten Alter ist man tatsächlich für vieles zu alt. Da muss man wirklich realistisch sein. Aber die AG stellen das Gesamtwerk ein.

Und ich denke, irgendwann muss man auch aufhören, zu träumen und mal ehrlich sein. Mich würde heute aus vielen Gründen Medizin interessieren. Aber für mich als individuelle Person mit meinem Background und meinen Fähigkeiten wäre es Blödsinn, wenn ich das nur versuchen würde. Man springt ja auch nicht in einen 200 m tiefen Graben und hofft, da unten glücklich, wohlbehalten und gesund anzukommen, weil man seinen Traum vom Fliegenkönnen umsetzen wollte.

In dem ganzen Psychoschrott gibt's immer so eine nette kleine Geschichte, die erklären soll, wie man Menschen aktiv macht und motiviert.

Man sagt: "Lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem Meer, damit sie ein Boot bauen.". Klingt ja nett, hat sich aber in der Praxis auch als falsch rausgestellt. Indem man Bedürfnisse weckt, kann man nicht unbedingt erreichen, dass ein Mensch sich diese dann auch stillen kann, sondern oft bleibt's bei der geweckten Sehnsucht, ohne das Ziel dann erreichen zu können. Das ist Frust pur und Leiden produzieren.

Der richtigere und bessere Weg ist: "Lehre die Menschen, wie man ein Boot baut! Wenn sie das geschafft haben, können sie hinfahren, wohin sie wollen.". Man sollte also nicht zuerst das Ziel als Karotte vor die Nase hängen und Menschen dann in Frust versetzen und hoffen, dass sie das antreibt. Sondern man sollte ihnen vermitteln, Werkzeuge an die Hand geben, wie sie Ziele erreichen können und wenn sie das können, können sie motiviert Ziele entwickeln und sie aussuchen.

Visionen verfolgen ist ok. Träumen ist Märchenwald und damit für kleine Kinder. 'Ne schlimmere Abwertung als "Das ist ein Träumer!" gibt's ja für einen erwachsenen Menschen gar nicht. Grade in der wirklichen Wirtschaft wird so jemand nur ausgelacht; da ist und bleibt man der Paradiesvogel, den keiner ernst nimmt. Wenn man mit so einem Gedankengut unterwegs ist, passt das eher in Sozialarbeit, Psychoszene und Bildungsbereich. Aber außerhalb dieser Branchen lachen sich so ziemlich alle einen Ast über diese Traumtänzer.

Mars-Maus

Rang: Star-Literat/-in
Star-Literat/-in
 
Beiträge: 1664


Vorherige

Zurück zu Jura, Examen, Ausbildung & Co

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Keine und 3 Gäste