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Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

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Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

Beitrag von Law85 erstellt am: 26. Apr 2017, 16:29 Uhr

Hallo Leute,

arbeitet jemand von euch als Korrektor (oder hat einfach Ahnung) und kann mir sagen, aus welchen Kriterien sich eine Note zusammensetzt? Reicht es fürs Bestehen aus, wenn die Anspruchsgrundlagen gesehen und das Schema ordentlich runtergeschrieben wurde? Was ist, wenn das Schema und die Definitionen nicht richtig gesessen haben, man aber die Probleme erkannt und ordentlich dargestellt hat?
Oder muss man für 4 Punkte bereits ein ordentliches Schema präsentieren sowie die Probleme gesehen haben? Ist man bereits durchgefallen, wenn man die Zusatzfragen nicht mehr geschafft hat?

Würde mich sehr über Aufklärung freuen

Law85

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Re: Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

Beitrag von kleinervogel erstellt am: 28. Apr 2017, 10:13 Uhr

Das würde mich auch interessieren, wie das aus Sicht einew Korrektors aussieht.
Aus Erzählungen anderer weiß ich, dass Fehler grundsätzlich gemacht werden dürfen, um dennoch zu bestehen.

Es dürfen keine kapitalen Fehler sein, wie 80 V mit 123 verwechseln oder das AbstrPr missachten.

Ich denke, es gibt keinen allgemeinen Maßstab, da auch viel vom Korrektor abhängt. Ich kenne Leute, die keine Probleme erkanmt haben und trotzdem 8 Punkte oder welche, die 8 Seiten Oberflächliches abgegeben und "noch" drei Punkte bekommen haben, obwohl sie mit einem rechneten. Grundsätzlich muss man - auf Erzählungen gestützt - nicht alle AGL komplett angeprüft haben um auf 4 Punkte zu kommen.

Es hängt debke ich auch davon ab, was für eine Klausur vor deiner korrigiert wurde.

Bin auch schon die ganze Zeit am "Rechnen", auch wenn es nichts bringt. Aber die Wartezeit ist einfach das Schlimmste, weil man nicht weiß, wie die Fehler am Ende gewertet werden :cry:
kleinervogel

 

Re: Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

Beitrag von TobiasG erstellt am: 29. Apr 2017, 18:09 Uhr

Ihr macht euch da viel zu viele Gedanken. "Errechnen" kann man da gar nichts. Selbst wenn ihr eure Lösung noch exakt im Kopf hättet und daneben die Musterlösung, könnte ihr die Note nicht punktgenau vorhersagen, weil es eben auch auf die Relation zu den anderen Arbeiten ankommt.

Die Korrektoren werden ja auch im Examen dazu angehalten, mitzuteilen, ob die jeweilige Klausur ihres Erachtens einfach, mittel oder schwer war. Anhand dieser Einstufung wird sich der Korrektur schon mal "einpolen". Des Weiteren hat jeder Korrektor sein eigenes Vorgehen, was man z.T. auch sieht, wenn man sich seine Examensklausuren ansieht: Manche gehen streng systematisch vor und vorgeben auch, wie in einer Schulaufgabe, "Rohpunkte", machen sich mitunter sogar einen Notenschlüssel dafür. Andere schreiben so gut wie gar nichts an den Rand und begründen ihre Bewertung mit zwei-drei knappen Sätzen anhand des Geseamteindrucks.

Außerdem lassen sich auch kaum allgemeingültige Aussagen treffen, mit Ausnahme vielleicht von einem Verstoß gegen das Abstraktionsprinzip o.ä. Ich habe zum Beispiel in einer Europarechtsklausur wegen eines falsch verstandenen Bearbeitervermerks nur Grundrechte aus dem GG geprüft, was überhaupt nicht gewollt war, und habe damit noch 4 Punkte bekommen. Ähnliches habe ich - gerade im ÖR - schon öfter gehört, selbst wenn eine ganz falsche Verfahrensart geprüft wurde.

Schließlich kommt es, wie oben bereits gesagt, auch und vor allem auf das Verhältnis der Leistung zu den Mitschreibern an. In meiner Steuerrechtsklausur im 2. Examen war wirklich die ganze Klausur rot wegen der Fehler, d.h. es war kaum eine Aufgabe richtig gelöst, und am Ende gab es trotzdem 13 Punkte. Will heißen: Ist eine Klausur trivial, gewinnt man selbst mit einer Lösung, die sich 1:1 an der gewünschten Gliederung orientiert, nicht automatisch viel, wenn man beim Gutachtenstil o.ä. schlampt oder Einzelheiten übersieht. Ist eine Klausur dagegen "gemein" und tappen 90% der Leute in die gestellte Falle, jubelt der Korrektor, wenn mal ein blindes Huhn ein Korn gefunden hat, und belohnt das dann mit 9 oder 10 Punkten, obwohl der Rest der Klausur vielleicht nur durchschnittlich ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Rechnen bringt gar nichts, da kann man genauso gut Kaffeesatz lesen.

TobiasG

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Re: Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 3. Mai 2017, 11:33 Uhr

Habe in einem anderen Forum mal folgendes motivierendes gelesen - der Ersteller macht den Eindruck er sei vom Fach:

"4 Punkte sind kein Hexenwerk. Dafür muss die Klausur nicht fertig sein. Sie muss erkennen lassen, dass man das wesentliche erfasst hat, dass man den Aufbau und die Gutachtenstechnik begriffen hat, dass man in der Lage ist, sich argumentativ mit einem Problem auseinanderzusetzen. Und sie darf keinen Fatalfehler enthalten (z.B. Verstoß gegen Trennungs- und Abstraktionsprinzip im Zivilrecht, Verwechslung subjektiver und objektiver Merkmale oder negative Analogien beim Strafrecht, etc.) - dann hat man die 4 eigentlich "im Sack". Alles was man darüber hinaus leistet, gibt eben entsprechend mehr Punkte. Um 3 - oder noch weniger - Punkte zu schreiben, muss man sich schon (im negativen Sinne) anstrengen, wenn man halbwegs gut vorbereitet war."

MrWatkins

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Re: Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

Beitrag von W.C. Canalriss erstellt am: 11. Mai 2017, 20:31 Uhr

"Das Schema" gibt es nicht. natürlich sollte man ein Schema gedanklich abhaken. aber die Kunst besteht wohl gerade darin, das was kein Problem ist nicht anzusprechen.

Was du vielleicht meinst, ist eine Lösungsskizze des Prüfungsamtes. Aber da man diese ohnehin nicht kennt, ist es Blödsinn über sowas nachzudenken.

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Re: Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

Beitrag von ckonert erstellt am: 13. Mai 2017, 15:44 Uhr

Ich selber bin Prüfer für das erste Examen und kann gerne meine Herangehensweise schildern, auch wenn ich fürchte, dass die Frage dadurch nicht wirklich beantwortet werden kann, denn wann eine Klausur noch für 4 Punkte ist derart individuell, dass man es nicht abstrakt festlegen kann.

Meine Vorgehensweise, wenn ich Klausuren zur Korrektur bekomme ist derart, dass ich mir zunächst nur den Fall nehme und mir dann nur mit dem Schönfelder ohne Juris oder Kommentare eine Lösungsskizze erarbeite, um zu sehen, was ich denn in der Examenssituation insgesamt für Probleme gesehen hätte. Hiernach erst nehme ich mir den Prüfervermerk (der ausdrücklich unverbindlich ist und von mir auch so angesehen wird) und schaue, was von Seiten des LJPA noch in der Klausur gesehen wird. Es ist hierbei auch schon mehrfach vorgekommen, dass ich Probleme, die im Prüfervermerk angesprochen waren als nicht einschlägig angesehen habe (tatsächlich wurden diese Probleme dann auch zu Recht von den Kandidaten nicht angesprochen). Sofern ich Probleme finde, die im Vermerk angesprochen und tatsächlich einschlägig sind und die ich nicht gesehen habe, vermerke ich mir diese als Kriterium für eine besonders überdurchschnittliche Leistung (immerhin habe ich es selber nur mit dem Gesetz nicht gesehen, also kann ich von einer durchschnittlichen Leistung kaum erwarten, dass sie es ebenfalls sieht).

Die Korrektur läuft dann derart ab, dass ich eine Kurzlösungsskizze erstelle, die Klausuren durchsehe und hierbei den wesentlichen Inhalt auf der Skizze vermerke und gedanklich eine Notenstufe (ohne genaue Punktezahl festlege). Nachdem ich durch bin, vergleiche ich die einzelnen Notenstufen und Klausuren miteinander und kriege so ein feineres Gespür für die Grenzen zwischen den Notenstufen. Im nächsten Schritt erledige ich dann die Feinkorrektur, bei der die Klausur noch einmal gründlich gelesen wird. Hierbei schreibe ich das Votum und lege eine vorläufige Punktzahl fest. Nachdem dies abgeschlossen ist, vergleiche ich noch einmal die einzelnen Klausuren miteinander und prüfe, ob meine Punkte die Leistungen auch hinreichend differenzieren. Auch hierbei kommt es noch häufiger zu Änderungen, da bei dem Parallellesen auffällt, dass sich Leistungen doch eher ähneln, als ich es zunächst angenommen hatte. Die hiernach festgelegte Punktzahl ist für meine Erstkorrktur dann abschließend.

Für die Zweitkorrktur gehe ich genau so vor, mit der Besonderheit, dass ich das Votum des Erstgutachters erst lese, nachdem ich zum ersten Mal Punkte festgelegt habe.

Nun zur eingangs gestellten Frage: Wann eine Klausur noch mit 4 Punkten zu bewerten ist, lässt sich nicht pauschal sagen, denn es hängt enorm von der Aufgabenstellung ab. Generell kann man aus meiner Sicht sagen, dass man sich bei einer schweren Klausur mehr Fehler erlauben darf, als bei einer einfachen. Als Beispiel habe ich einmal eine extrem anspruchsvolle Zivilrechtsklausur korrigiert, die auf verschiedene Probleme abgestellt hat, welche mir in der Detailtiefe auch nicht bekannt waren. Hier habe ich es als durchschnittliche (und damit meine ich befriedigende Leistung, also weit von 04 Puntken entfernt) Leistung ausreichen lassen, wenn die Bearbeiter den Fall anhand des abgedruckten Vertrages (selbst die sich aufdrängende AGB Prüfung habe ich schon dem überdurchschnittlichen Bereich zugeordnet) vertretbar gelöst haben. Wem hierbei Fehler unterliefen, die nicht besonders schwerwiegend waren, kam immer noch in den Bereich des Ausreichend. Die mangelhaften Fälle waren dann wirklich solche, bei denen keine Kenntnis von der Systematik des BGB vorhanden waren, oder die den Bearbeitervermerk nicht gelsen hatten (ein Beispiel: In einer Strafrechtsklausur ist die Strafbarkeit nach dem StGB gefragt und die Klausur behandelt zu 1/3 das BtMG).

Handelt es sich hingegen um eine leichte Klausur (und auch solche kommen vor), sind die Anforderungen höher, weil das Wissen bekannt sein muss. Dementsprechend erwarte ich auch bei einer durchschnittlichen befriedigenden Leistung, dass alle Probeleme im Sachverhalt zumindest gesehen werden. Wer dann ein paar übersieht, landet immer noch im Ausreichend, wer allerdings keins sieht, wird dann aufgrund des einfachen Schwierigkeitsgrades in den Bereich um die drei Punkte fallen. Wie gesagt, das sind dann Klausuren, in denen absolutes Standardwissen und Klassiker aus dem Studium, die nach dem 4. Semester jeder kennt, abgefragt werden.

Generell versuche ich persönlich mit möglichst viel Wohlwollen an die Klausuren ranzugehen, da meine Examenszeit noch nicht zu weit zurückliegt und ich noch bestens das Gefühl der Aufgregung und der Hilflosigkeit in Erinnerung habe. Dementsprechend gebe ich in Zweifelsfällen (nicht nur bei der Frage ums Bestehen) die Bessere der beiden Noten.

Ich hoffe, dass der Einblick insofern hilfreich gewesen und die Eingangsfrage zufriedenstellend beantwortet wurde.

ckonert

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Re: Wie berechnet sich eine Examensklausurnote?

Beitrag von sai erstellt am: 15. Mai 2017, 08:21 Uhr

Deine Maßstäbe verschieben sich.

Wenn du bei "schweren" Klausuren einerseits verlangst:

"Sofern ich Probleme finde, die im Vermerk angesprochen und tatsächlich einschlägig sind und die ich nicht gesehen habe, vermerke ich mir diese als Kriterium für eine besonders überdurchschnittliche Leistung (immerhin habe ich es selber nur mit dem Gesetz nicht gesehen, also kann ich von einer durchschnittlichen Leistung kaum erwarten, dass sie es ebenfalls sieht)."

dann aber andererseits bei "leichten Klausuren" darauf abstellst:

" Handelt es sich hingegen um eine leichte Klausur (und auch solche kommen vor), sind die Anforderungen höher, weil das Wissen bekannt sein muss."

widerspricht sich das. Entweder kann ich die Klausuren nur mit dem Gesetz - und damit grds. auch ohne vorhandenes Wissen in dem Bereich - lösen oder ich setze Wissen voraus.

sai

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