Passwort vergessen?   
Aktuelle Zeit: 23. Okt 2017, 07:20 Uhr


Wahlstation

Du bist hier:   Startseite Das Referendariat Wahlstation


Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Das Forum für Referendare, die in der Wahlstation sind

Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von JuFu erstellt am: 17. Dez 2012, 13:11 Uhr

@ Selias: Ich kenne deinen Vortrag und deine Lösung nicht, aber rein wie du es schilderst habe ich da einige Fragezeichen über meinem Kopf schweben aufgrund dessen was du erzählst: du sagst erst du hast alles richtig und ganz toll gemacht (dazu die Frage: ist das deine Einschätzung weil die Prüfer mal nickten und es insgesamt bestätigten etc oder hast du auch wirklich die genaue Lösung zu dem Fall gesehen? Denn es passiert doch eigtl. immer(!) das man Dinge vergisst/nicht anspricht die in der Lösungsskizze auftauchen?)...dann sagst du aber dann im nächsten Beitrag selbst, dass du es (eben "nur") richtig und toll gemacht hast so wie DU den Fall auf Tatsachenebene verstanden hast (aber halt gerade nicht wie das JPA ihn verstanden haben wollte) - und ich glaube da liegt eher der Knackpunkt. Es gibt doofe Aktenvorträge, keine Frage. Aber es gibt nunmal auch unbrauchbare Lösungen und ich kann mir nicht vorstellen wenn wirklich alles toll und richtig war, dass es dafür 5 Punkte gibt - das habe ich wirklich noch NIE erlebt/gehört, da muss dann schon echt was falsch gewesen sein und/oder du zusätzlich noch einen extrem negativen Eindruck hinterlassen haben. :WTF: [Manchmal hab ich aber auch eh das Gefühl du berichtest von einer Welt in der sonst keiner ist, denn auch andere Geschichten von dir sind mir bisher so noch nie untergekommen: weder selbst, noch aus zig Erzählungen sich kirre machender Studenten/Referendare, von daher weiß ich auch manchmal nicht was man wirklich ernst nehmen sollte und was einfach etwas sehr übertrieben von dir dargestellt wird ;-) ].

Auch der Vortragsstil und - was ja durchaus passieren kann - das man das Schema z.B. von 823 BGB nicht sauber prüft: das sind alles Kleinigkeiten die sehen die Prüfer sofort, man selbst denkt aber nur "§823...hab ich gesehen und angesprochen". Dass du in bisherigen Vorträgen immer bessere Leistungen gezeigt hast ist nun auch nicht verwunderlich: so gut wie alle aus meiner AG haben in den AG-Klausuren und Aktenvorträgen deutlich bessere Leistungen als im Examen abgeliefert....daraus würde ich nicht herleiten, dass ich mit allem fertig werde was mir präsentiert wird, denn jeder Fall ist nunmal anders und auch wer Zivilrecht "kann", wird auch da immer Sachen haben die eben nicht so doll laufen wie andere - das ist doch völlig normal. ;-)

Wenn ich z.B. im ÖffR einen Aktenvortrag halte und anstatt einen 80-V-er-Antrag einen 123 VwGO nehme, dann mag der - so wie ich den Fall verstanden habe - vllt zutreffend sein und auch zu dem Fall passen...nichtsdestotrotz muss man aber doch auch so ehrlich und fair sein und erkennen dass das eben nicht die Lösung zu dem eigentlichen Fall ist, sondern die zu dem wie ich den Fall verstanden habe. Natürlich ist es doof wenn man da einen Dreh/Wink nicht erkannt hat und es deswegen falsch aufbaut, aber man kann dann auch nicht darauf aufbauend noch eine gute Note erwarten, wenn einfach das was erwartet wird - eine praktisch verwertbare Lösung - da nun einfach nicht mehr gegeben ist. Das klingt hart und das kann auch jedem so passieren - vllt war der Vortrag einfach sauschwer auch wenn er beim ersten Lesen nicht so klang...das mag alles sein, aber dann wäre es m.E. verfehlt sich hinzustellen und zu sagen "ich hatte alles richtig, die haben mich doof bewertet" sondern eher "der Vortrag war schwierig und ich hatte Probleme damit und einiges auch übersehen."

Da du ohnehin den Verbesserungsversuch machst drücke ich dir aber die Daumen, dass es dort insgesamt besser läuft.

JuFu

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 135


Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Alexander erstellt am: 17. Dez 2012, 14:05 Uhr

@Selias, letzter Absatz: Das ist sicherlich gesünder.

Mir ist etwas ähnliches auch passiert. Ich habe in meinem Vortrag im 2. Stex unterstellt, dass man bei zwei Kaufleuten als Vertragspartnern nicht davon ausgehen kann, dass Waren ohne Eigentumsvorbehalt geliefert werden. Da hierzu keine Infos im Aktenstück waren, habe ich die Eigentumslage als unklar eingestuft und folglich einen Anspruch aus § 985 BGB abgelehnt. Der wäre aber ausführlich zu prüfen gewesen. Das LJPA ging nämlich davon aus, dass, wenn keine weiteren Infos zur Eigentumslage im Aktenstück sind, übereignet worden ist. Tja.
Niemand hat das Recht zu gehorchen. - Arendt.
Benutzeravatar


Alexander

Rang: Star-Literat/-in
Star-Literat/-in
 
Beiträge: 2957


Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von JuFu erstellt am: 17. Dez 2012, 14:34 Uhr

Ich würde nicht behaupten, dass Alexander ein "Opfer seines Wissens" war um es mal überspitzt darzustellen....er hat einfach den Sachverhalt so wie er vor ihm lag verändert. Man muss den SV einfach so nehmen wie er ist und nicht denken "oh, dazu könnt ich aber was sagen, also bau ich mir den Fall auch so dass ich dazu was sagen kann", was er aber gemacht hat. Das war dann Sachverhaltsquetsche indem er unterstellt hat es würde ein Eigentumsvorbehalt vorliegen obwohl der Sachverhalt dazu nichts sagte. Wenn du aber keine Infos/Kenntnisse dazu hast: dann kannst du davon auch nicht ausgehen - das ist ja jetzt nicht nur eine Besonderheit in zivilrechtlichen Aktenvorträgen sondern auch in strafrechtlichen (Belehrung unvollständig/fehlerhaft o.ä.).

Versteht mich nicht falsch: ich mache selbst weitaus mehr als genug Fehler :giggle: , aber halt auch viele wo ich mir dann ehrlicherweise hinterher denke "ok, da kann ich die Schuld nun keinem Prüfer oder so geben - der Fall war zwar (mehr oder weniger) einfach/schwierig, aber ich hab ihn auch einfach mies gelöst weil ich dies und jenes übersehen habe und in der Aufregung gar nicht erkannt habe, dass xyz und ich den Fall einfach nur zurechtgedreht habe damit er MEINER Lösung passt in der ich zeigen wollte was ich alles weiß - obwohl die Lösung viel stupider gewesen wäre und ich mir nur künstlich Probleme geschaffen habe um diese wieder zu lösen, was aber völlig unnötig (und damit auch oft falsch) war".

JuFu

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 135


Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Alexander erstellt am: 17. Dez 2012, 19:38 Uhr

JuFu hat geschrieben:er hat einfach den Sachverhalt so wie er vor ihm lag verändert. Man muss den SV einfach so nehmen wie er ist und nicht denken "oh, dazu könnt ich aber was sagen, also bau ich mir den Fall auch so dass ich dazu was sagen kann", was er aber gemacht hat. Das war dann Sachverhaltsquetsche indem er unterstellt hat es würde ein Eigentumsvorbehalt vorliegen obwohl der Sachverhalt dazu nichts sagte. Wenn du aber keine Infos/Kenntnisse dazu hast: dann kannst du davon auch nicht ausgehen - das ist ja jetzt nicht nur eine Besonderheit in zivilrechtlichen Aktenvorträgen sondern auch in strafrechtlichen (Belehrung unvollständig/fehlerhaft o.ä.).


Nicht ganz.

Ich habe nicht unterstellt, dass ein EV besteht. Ich habe festgestellt, dass der Sachverhalt keine ausreichenden Informationen dazu enthält, ob übereignet worden oder unter EV geliefert worden ist. Und dass man bei Kaufleuten / Handelsgeschäften nicht einfach davon ausgehen kann, dass bei Lieferung auch übereignet werden sollte.

An den Kram mit Globalzession etc., den Selias anspricht, habe ich gar nicht gedacht; sowas hätte hier keine Rolle gespielt.

Der Fall war, kurz gefasst:

Alle Beteiligten sind Kaufleute.
A erteilt B einen Auftrag, Promotion-Material im Rahmen einer Werbeaktion der X-Brauerei zu verschicken.
A bestellt bei M das Werbematerial und lässt es direkt an B liefern.
Aus Gründen, die ich nicht mehr parat habe, stellt B die Arbeit für A ein. Das bedeutet für A die Gefahr eines hohen Schadens, weil sie dann ihre eigenen Verpflichtungen gegenüber X nicht erfüllen kann. A will von B das Werbematerial heraushaben, um den Auftrag jemand anderem geben zu können.

So, und ich meinte eben, man könne nicht unterstellen, dass A Eigentum an dem Werbematerial erlangt hat, als M es an B geliefert hat. Weil bei Warenlieferverträgen zwischen Kaufleuten eben ein Evb durchaus üblich ist. Das LJPA und meine Prüfer meinten dagegen, da das Aktenstück einen längeren Vermerk zum Sachverhalt enthielt, in dem keine Hinweise auf einen Evb. waren, dass man von einer Übereignung im Verhältnis M-A ausgehen sollte. Ist ja auch durchaus nachvollziehbar. Wir hatten also unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der SV zu verstehen war, und in solchen Fällen zieht man als Prüfling einfach den Kürzeren. ;)

Gottseidank hatte der Fall noch ein paar Winkel und Ecken, von denen ich einige gefunden habe, so dass es für ne drei gereicht hat...
Niemand hat das Recht zu gehorchen. - Arendt.
Benutzeravatar


Alexander

Rang: Star-Literat/-in
Star-Literat/-in
 
Beiträge: 2957


Vorherige

Zurück zu Wahlstation

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Keine und 2 Gäste