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Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Das Forum für Referendare, die in der Wahlstation sind

Beitrag von la-loca erstellt am: 27. Apr 2012, 17:47 Uhr

Alexander hat geschrieben:
Na ja, einerseits zu sagen, man sollte tun wozu man Lust hat, und dann zu sagen "und ich war ja auch beim AA" – ist ja jetzt auch nicht so, dass du dir damit was völlig ohne Prestige und was weiß ich ausgesucht hast. :wink:



Du wirst es ja wieder nicht glauben, aber die Entscheidung hatte in keiner Weise was mit Prestige zu tun; ich hatte einfach Bock mal das Botschaftsleben kennenzulernen und eben auch Lust auf Ausland und das ließ sich prima kombinieren. War übrigens auch nicht im englischsprachigen Ausland - wer etwas auf sich und seinen Lebenslauf hält, perfektioniert ja seine Englischkenntnisse. :)

Und wer beim AA war, weiß, dass es dort auch echt gechilled zugeht und die einen idR (wenn Kanzler und Botschafter vernünftig ticken) nicht mit Arbeit zuhäufen, sodass man sich eine schöne Station machen kann.

Ich habe die ganzen Monate in der Wahlstation nichts gelernt (hatte schon gar keinen Platz im Gepäck für Schönfelder und Co) und dann schon ein bisschen schlechtes Gewissen, als ich hörte, wie die Leute, die daheim geblieben sind, fleißig Aktenvorträge übten und für den Schwerpunkt paukten. Ich hatte dann nur noch drei Wochen, die lerntechnisch auch überhaupt nicht gut liefen - letztlich lief die mündliche Prüfung aber so super, dass ich echt froh bin, weggegangen zu sein.

Wenn dein längster Auslandsaufenthalt 1 Monat London war, dann zeigt das doch ein wenig, dass du offensichtlich nicht das riesen Interesse hast ins Ausland zu gehen. Insofern ist es doch auch für dich das "vernünftigste" einfach hier zu bleiben!? Ins Ausland zu gehen, weils prima für den Lebenslauf ist, finde ich Unsinn.
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Beitrag von Alexander erstellt am: 27. Apr 2012, 18:16 Uhr

la-loca hat geschrieben:
Alexander hat geschrieben:
Na ja, einerseits zu sagen, man sollte tun wozu man Lust hat, und dann zu sagen "und ich war ja auch beim AA" – ist ja jetzt auch nicht so, dass du dir damit was völlig ohne Prestige und was weiß ich ausgesucht hast. :wink:



Du wirst es ja wieder nicht glauben, aber die Entscheidung hatte in keiner Weise was mit Prestige zu tun;


Oh, ich glaube dir das. :)

Ich meinte nur, dein Beispiel wäre ein kleines bisschen überzeugender gewesen, wenn du gesagt hättest: "…ich habe meine Wahlstation auch Wohnzimmeranwalt um die Ecke verbracht, wo ich nur einmal alle zwei Wochen auftauchen musste, weil ich Lust hatte, die Wahlstation am Badesee zu verbringen."
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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von snaps erstellt am: 6. Aug 2012, 19:11 Uhr

muss mich an dieser stelle Selias mal ausdruecklich anschliessen. hab selbst die wahlstation am olg verbracht und dort dinge gelernt, die ich auf keinen fall missen moechte. dennoch hab ich mich nach den klausurergebnissen geaergert. denn was nutzt es einem, wenn man sich - im gegensatz zur "nassau"-fraktion :biggrin: - den arsch waehrend der letzten monate vor der muendlichen pruefung aufreisst, wenn die gesamtnote dann sowieso nicht die moeglichkeit fuer den staatsdienst eroeffnet.

im uebrigen stimme ich Selias auch dahingehend zu, dass der bereich zivilrecht jedenfalls fuer mich auch nicht die beste wahl im hinblick auf den aktenvortrag war. die gefahr, den einstieg in die rechtspruefung zu versemmeln ist einfach mal viel groesser als bei anderen rechtsgebieten. andere werden mir jetzt sicher contra geben. womoeglich zurecht. dennoch bitte ich zu beruecksichtigen, dass man im oeffentlichen recht doch eigentlich immer nur "irgendwie" in die verhaeltnismaessigkeitspruefung kommen muss, um dann alle argumente im sachverhalt abzugrasen. im strafrecht - wiederum anknuepfend an Selias - ist es einfach so, dass man einen raubmord wohl nicht uebersehen kann bzw. sollte ...

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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Wizard of Law erstellt am: 11. Aug 2012, 18:21 Uhr

Selias hat geschrieben:Vielleicht wäre es aus Gründen der Risikominimierung doch besser gewesen, Strafrecht zu wählen.

Ich möchte mal widersprechen. Strafrecht als Wahlfach ist sehr viel härter als Strafrecht im Pflichtstoffbereich. Ich kenne niemanden, bei dem sich Strafrecht als Wahlfach gelohnt hätte.

Wenn man schon tatkisch vorgeht, sollte man sich ein Exoten-Wahlfach suchen. Da sind die Prüfer schon über geringe Wissensinseln dankbar und schütten den Punktesack aus.

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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Paradoxia erstellt am: 11. Okt 2012, 08:29 Uhr

Hallo!

Mal interessehalber, wie läuft das denn mit der Bewerbung ab?
Über den Vordruck des Zuweisungsgesucgs und damit über die Refabteilung am LG?
Oder direkt beim OlG Anfragen, evt auch vorher?

Danke!

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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Wizard of Law erstellt am: 17. Dez 2012, 08:37 Uhr

Eine Sache darf man beim Aktenvortrag aber nicht verschweigen (besonders für die Leser, die ihn noch vor sich haben): Der Vortragsstil ist mindestens genauso wichtig wie der Inhalt. Das ist auch Absicht, weil man prüfen will, ob a) man den Kandidaten auf die Menschheit loslassen kann und b) ob er von seinem eugenen Ergebnis überzeugtist und nicht nur beim Nebel-Stochern in der Klausur einen Glückstreffer hatte.

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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Alexander erstellt am: 17. Dez 2012, 11:16 Uhr

Selias hat geschrieben:Meine prozessuale Empfehlung war, nicht ein Anerkenntnis abzugeben, sondern VU ergehen zu lassen (wie es in allen Ausbildungsbüchern und Skripten von Oberheim bis Hemmer empfohlen wird). Das wurde als grob falsch bewertet und ein Anerkenntnis als der einzig richtige Weg bezeichnet - bereits deshalb ist die Bewertung anfechtbar. Wir sollten dann noch die §§ aus GVG und RVG für die Kosten zitieren und die hatte ich auch noch richtig.


Hast du denn angefochten? Die Möglichkeit besteht ja.
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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von JuFu erstellt am: 17. Dez 2012, 13:11 Uhr

@ Selias: Ich kenne deinen Vortrag und deine Lösung nicht, aber rein wie du es schilderst habe ich da einige Fragezeichen über meinem Kopf schweben aufgrund dessen was du erzählst: du sagst erst du hast alles richtig und ganz toll gemacht (dazu die Frage: ist das deine Einschätzung weil die Prüfer mal nickten und es insgesamt bestätigten etc oder hast du auch wirklich die genaue Lösung zu dem Fall gesehen? Denn es passiert doch eigtl. immer(!) das man Dinge vergisst/nicht anspricht die in der Lösungsskizze auftauchen?)...dann sagst du aber dann im nächsten Beitrag selbst, dass du es (eben "nur") richtig und toll gemacht hast so wie DU den Fall auf Tatsachenebene verstanden hast (aber halt gerade nicht wie das JPA ihn verstanden haben wollte) - und ich glaube da liegt eher der Knackpunkt. Es gibt doofe Aktenvorträge, keine Frage. Aber es gibt nunmal auch unbrauchbare Lösungen und ich kann mir nicht vorstellen wenn wirklich alles toll und richtig war, dass es dafür 5 Punkte gibt - das habe ich wirklich noch NIE erlebt/gehört, da muss dann schon echt was falsch gewesen sein und/oder du zusätzlich noch einen extrem negativen Eindruck hinterlassen haben. :WTF: [Manchmal hab ich aber auch eh das Gefühl du berichtest von einer Welt in der sonst keiner ist, denn auch andere Geschichten von dir sind mir bisher so noch nie untergekommen: weder selbst, noch aus zig Erzählungen sich kirre machender Studenten/Referendare, von daher weiß ich auch manchmal nicht was man wirklich ernst nehmen sollte und was einfach etwas sehr übertrieben von dir dargestellt wird ;-) ].

Auch der Vortragsstil und - was ja durchaus passieren kann - das man das Schema z.B. von 823 BGB nicht sauber prüft: das sind alles Kleinigkeiten die sehen die Prüfer sofort, man selbst denkt aber nur "§823...hab ich gesehen und angesprochen". Dass du in bisherigen Vorträgen immer bessere Leistungen gezeigt hast ist nun auch nicht verwunderlich: so gut wie alle aus meiner AG haben in den AG-Klausuren und Aktenvorträgen deutlich bessere Leistungen als im Examen abgeliefert....daraus würde ich nicht herleiten, dass ich mit allem fertig werde was mir präsentiert wird, denn jeder Fall ist nunmal anders und auch wer Zivilrecht "kann", wird auch da immer Sachen haben die eben nicht so doll laufen wie andere - das ist doch völlig normal. ;-)

Wenn ich z.B. im ÖffR einen Aktenvortrag halte und anstatt einen 80-V-er-Antrag einen 123 VwGO nehme, dann mag der - so wie ich den Fall verstanden habe - vllt zutreffend sein und auch zu dem Fall passen...nichtsdestotrotz muss man aber doch auch so ehrlich und fair sein und erkennen dass das eben nicht die Lösung zu dem eigentlichen Fall ist, sondern die zu dem wie ich den Fall verstanden habe. Natürlich ist es doof wenn man da einen Dreh/Wink nicht erkannt hat und es deswegen falsch aufbaut, aber man kann dann auch nicht darauf aufbauend noch eine gute Note erwarten, wenn einfach das was erwartet wird - eine praktisch verwertbare Lösung - da nun einfach nicht mehr gegeben ist. Das klingt hart und das kann auch jedem so passieren - vllt war der Vortrag einfach sauschwer auch wenn er beim ersten Lesen nicht so klang...das mag alles sein, aber dann wäre es m.E. verfehlt sich hinzustellen und zu sagen "ich hatte alles richtig, die haben mich doof bewertet" sondern eher "der Vortrag war schwierig und ich hatte Probleme damit und einiges auch übersehen."

Da du ohnehin den Verbesserungsversuch machst drücke ich dir aber die Daumen, dass es dort insgesamt besser läuft.

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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Alexander erstellt am: 17. Dez 2012, 14:05 Uhr

@Selias, letzter Absatz: Das ist sicherlich gesünder.

Mir ist etwas ähnliches auch passiert. Ich habe in meinem Vortrag im 2. Stex unterstellt, dass man bei zwei Kaufleuten als Vertragspartnern nicht davon ausgehen kann, dass Waren ohne Eigentumsvorbehalt geliefert werden. Da hierzu keine Infos im Aktenstück waren, habe ich die Eigentumslage als unklar eingestuft und folglich einen Anspruch aus § 985 BGB abgelehnt. Der wäre aber ausführlich zu prüfen gewesen. Das LJPA ging nämlich davon aus, dass, wenn keine weiteren Infos zur Eigentumslage im Aktenstück sind, übereignet worden ist. Tja.
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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von JuFu erstellt am: 17. Dez 2012, 14:34 Uhr

Ich würde nicht behaupten, dass Alexander ein "Opfer seines Wissens" war um es mal überspitzt darzustellen....er hat einfach den Sachverhalt so wie er vor ihm lag verändert. Man muss den SV einfach so nehmen wie er ist und nicht denken "oh, dazu könnt ich aber was sagen, also bau ich mir den Fall auch so dass ich dazu was sagen kann", was er aber gemacht hat. Das war dann Sachverhaltsquetsche indem er unterstellt hat es würde ein Eigentumsvorbehalt vorliegen obwohl der Sachverhalt dazu nichts sagte. Wenn du aber keine Infos/Kenntnisse dazu hast: dann kannst du davon auch nicht ausgehen - das ist ja jetzt nicht nur eine Besonderheit in zivilrechtlichen Aktenvorträgen sondern auch in strafrechtlichen (Belehrung unvollständig/fehlerhaft o.ä.).

Versteht mich nicht falsch: ich mache selbst weitaus mehr als genug Fehler :giggle: , aber halt auch viele wo ich mir dann ehrlicherweise hinterher denke "ok, da kann ich die Schuld nun keinem Prüfer oder so geben - der Fall war zwar (mehr oder weniger) einfach/schwierig, aber ich hab ihn auch einfach mies gelöst weil ich dies und jenes übersehen habe und in der Aufregung gar nicht erkannt habe, dass xyz und ich den Fall einfach nur zurechtgedreht habe damit er MEINER Lösung passt in der ich zeigen wollte was ich alles weiß - obwohl die Lösung viel stupider gewesen wäre und ich mir nur künstlich Probleme geschaffen habe um diese wieder zu lösen, was aber völlig unnötig (und damit auch oft falsch) war".

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Re: Entscheidungsprobleme...OLG oder doch was Anderes?

Beitrag von Alexander erstellt am: 17. Dez 2012, 19:38 Uhr

JuFu hat geschrieben:er hat einfach den Sachverhalt so wie er vor ihm lag verändert. Man muss den SV einfach so nehmen wie er ist und nicht denken "oh, dazu könnt ich aber was sagen, also bau ich mir den Fall auch so dass ich dazu was sagen kann", was er aber gemacht hat. Das war dann Sachverhaltsquetsche indem er unterstellt hat es würde ein Eigentumsvorbehalt vorliegen obwohl der Sachverhalt dazu nichts sagte. Wenn du aber keine Infos/Kenntnisse dazu hast: dann kannst du davon auch nicht ausgehen - das ist ja jetzt nicht nur eine Besonderheit in zivilrechtlichen Aktenvorträgen sondern auch in strafrechtlichen (Belehrung unvollständig/fehlerhaft o.ä.).


Nicht ganz.

Ich habe nicht unterstellt, dass ein EV besteht. Ich habe festgestellt, dass der Sachverhalt keine ausreichenden Informationen dazu enthält, ob übereignet worden oder unter EV geliefert worden ist. Und dass man bei Kaufleuten / Handelsgeschäften nicht einfach davon ausgehen kann, dass bei Lieferung auch übereignet werden sollte.

An den Kram mit Globalzession etc., den Selias anspricht, habe ich gar nicht gedacht; sowas hätte hier keine Rolle gespielt.

Der Fall war, kurz gefasst:

Alle Beteiligten sind Kaufleute.
A erteilt B einen Auftrag, Promotion-Material im Rahmen einer Werbeaktion der X-Brauerei zu verschicken.
A bestellt bei M das Werbematerial und lässt es direkt an B liefern.
Aus Gründen, die ich nicht mehr parat habe, stellt B die Arbeit für A ein. Das bedeutet für A die Gefahr eines hohen Schadens, weil sie dann ihre eigenen Verpflichtungen gegenüber X nicht erfüllen kann. A will von B das Werbematerial heraushaben, um den Auftrag jemand anderem geben zu können.

So, und ich meinte eben, man könne nicht unterstellen, dass A Eigentum an dem Werbematerial erlangt hat, als M es an B geliefert hat. Weil bei Warenlieferverträgen zwischen Kaufleuten eben ein Evb durchaus üblich ist. Das LJPA und meine Prüfer meinten dagegen, da das Aktenstück einen längeren Vermerk zum Sachverhalt enthielt, in dem keine Hinweise auf einen Evb. waren, dass man von einer Übereignung im Verhältnis M-A ausgehen sollte. Ist ja auch durchaus nachvollziehbar. Wir hatten also unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der SV zu verstehen war, und in solchen Fällen zieht man als Prüfling einfach den Kürzeren. ;)

Gottseidank hatte der Fall noch ein paar Winkel und Ecken, von denen ich einige gefunden habe, so dass es für ne drei gereicht hat...
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Alexander

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