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Wahlstation in der Landesverwaltung

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Wahlstation in der Landesverwaltung

Beitrag von frankeee85 erstellt am: 2. Sep 2012, 10:51 Uhr

Hallo liebe Kollegen,

ich suche derzeit in NRW nach einem geeigneten Ausbildungsplatz für die Wahlstation in der Landesverwaltung. Leider bislang ohne Erfolg. Ich habe stets Ablehnungen ohne einer Begründung erhalten und zuletzt ist mir der Kragen geplatzt und wollte eine Antwort erhalten. Diese möchte ich euch nicht vorenthalten:


Sehr geehrter Herr XY,



vielen Dank für Ihre Mail an Frau XY vom 27.8., in der Sie sich nach den Gründen für die Ablehnung Ihrer Bewerbung erkundigen. Darin beziehen Sie sich auf eine Ausschreibung der Staatskanzlei für Referendariatsstellen, auf die die Referendarabteilung des LG Essen Sie hingewiesen habe. Tatsächlich ist die Staatskanzlei kontinuierlich an der Einstellung und Ausbildung von qualifizierten Referendaren interessiert; anderseits ist die Zahl der zur Verfügung stehenden Kapazitäten begrenzt und in der Regel geringer als die Zahl der eingehenden Bewerbungen.

Sinn der Ausschreibung war vor allem, die Informationen zur Absolvierung einer Wahlstation in der Staatskanzlei allen in Betracht kommenden Referendarinnen und Referendaren zugänglich zu machen und damit jedem Interessierten die Möglichkeit zu eröffnen, sich um einen der zur Verfügung stehenden Plätze zu bewerben. Allerdings ist es im Hinblick auf die – wie schon gesagt begrenzten – Kapazitäten unumgänglich, eine Auswahl unter den eingehenden Bewerbungen zu treffen. Als ein Auswahlkriterium - das auch in der von Ihnen angesprochenen Ausschreibung ausdrücklich genannt wird - dient dabei die Note des 1. jur. Staatsexamens. Bewerbungen werden demnach erst ab der Note „befriedigend“ berücksichtigt.

Dieses – vorab abstrakt und ohne Rücksicht auf die konkrete Person des Bewerbers festgelegte – Kriterium hat in Ihrem Fall zu der Ablehnung der Bewerbung geführt.


Ich bin echt schockiert darüber, dass man bereits im Rahmen des Referendariats derart notenfixiert ist. Die Qualität der Bewerbung, der Lebenslauf oder die sonstigen Qualifikationen werden absolut gar nicht berücksichtigt. Vor allem die Tatsache, dass ich mit 26 Jahren es schaffen werde, ein Volljurist zu sein, hat keinerlei Relevanz. Nun sehe ich, dass ein Jurist nur soviel Wert ist, wie er Punkte auf seinem Zeugnis aufweisen kann. Für mich ist es klar gewesen, dass die Noten relevant sind. Aber dass auch die Behörden im Rahmen des Referendariats derart notenfixiert sind, hätte ich mir nicht ausmalen können.

Eine Ausbildung und gg. eine zukünftige Tätigkeit in der Landesverwaltung ist immer mein Wunsch gewesen. Nun scheint es so zu sein, als seien alle Türe verschlossen. So macht die Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen kein Spaß...

frankeee85

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Re: Wahlstation in der Landesverwaltung

Beitrag von VollBefriediger erstellt am: 2. Sep 2012, 11:44 Uhr

Ich bin echt schockiert darüber, dass man bereits im Rahmen des Referendariats derart notenfixiert ist. Die Qualität der Bewerbung, der Lebenslauf oder die sonstigen Qualifikationen werden absolut gar nicht berücksichtigt.


Du musst das doch aus der Sicht des Arbeitgebers sehen: Weshalb sollte er Dich beschäftigen wollen? Dein Examensergebnis zeigt, dass Du offensichtlich ein unterdurchschnittlich guter Jurist bist. Insofern werden Deine konkreten Arbeitsergebnisse im Regelfall auch nicht unmittelbar verwertbar sein. Gleichzeitig fällst Du für den Öffentlichen Dienst als späterer Arbeitnehmer auch aus, weil Du wegen deiner Examensnote aus dem 1. Examen auch bei jeder späteren Bewerbung sofort aussortiert werden wirst.

Insofern gibt es überhaupt keinen Grund, warum man einen der knappen Plätze ausgerechnet Dir geben sollte und nicht jemandem, der entweder ne konkrete Arbeitserleichterung bringt oder den man dafür ausbilden und ggf. dafür begeistern kann, dort später dort zu arbeiten (und der auch eine realistische Chance hat, eingestellt zu werden).

Vor allem die Tatsache, dass ich mit 26 Jahren es schaffen werde, ein Volljurist zu sein, hat keinerlei Relevanz.


Natürlich nicht. Keinen Menschen interessiert, ob da einer mit 26, 27, 28 oder 30 Jahren Volljurist ist. Wichtig ist, dass danach vernünftige Leistungen erbracht werden. Und da bestehen bei einer ausreichenden Examensnote dann doch erhebliche Zweifel.

Im Übrigen könnte man das Argument natürlich auch umdrehen. Wer einerseits durch die Ausbildung gehetzt ist, andererseits aber offensichtlich keine qualitativ hochwertigen Leistungen erbringen kann, der bringt entweder von Hause aus die Befähigung dazu nicht mit oder hat in der Ausbildung falsche Schwerpunkte gesetzt. Wahrscheinlich hätte es jedenfalls nicht geschadet, sich besser auf die Examensklausuren vorzubereiten. Also: Schnelligkeit bei schlechtem Ergebnis ist kein Argument für, sondern eins gegen Dich.

Eine Ausbildung und gg. eine zukünftige Tätigkeit in der Landesverwaltung ist immer mein Wunsch gewesen. Nun scheint es so zu sein, als seien alle Türe verschlossen. So macht die Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen kein Spaß...


Tja. Den Weg verbaut Dir aber nicht der böse Arbeitgeber, der sich nicht für Dich in der Wahlstation interessiert, sondern den Weg hast Du Dir selbst durch Deine Examensergebnisse verbaut.

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Re: Wahlstation in der Landesverwaltung

Beitrag von jasi erstellt am: 2. Sep 2012, 13:40 Uhr

Dass du frustriert bist, verstehe ich sehr gut. Es ist nunmal so, dass die Note bei Jura alles ist. Ich bin im Freischuss im staatlichen Teil auch sehr, sehr knapp am Befriedigend vorbeigeschrammt. Deshalb war es mir sehr wichtig, nochmal zu schreiben. Mir war klar, dass man mit nem Ausreichend nix gewinnt. Und der Schwerpunkt ist auch wurst.

Lass dich aber von der Absage nicht demotivieren! Sag dir: "Jetzt erst recht!!" und setze alles daran, ein gutes 2. Staatsexamen zu bekommen! Wenn es dein Ziel ist, in die Landesverwaltung zu kommen, dann hau rein und zeig denen was du kannst!

Viel Erfolg! :thumbup:

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Re: Wahlstation in der Landesverwaltung

Beitrag von frankeee85 erstellt am: 3. Sep 2012, 17:59 Uhr

Ich danke euch zunächst für die Kommentare. Ich bin im Freischuss ebenfalls sehr knapp an einem Befriedigend vorbeigeschrammt, in der mündlichen prüfung war ich einer der besten Kandidaten, aber habe die schlechteste Note bekommen, weil die Prüfer sich eher auf die Kandidaten mit einem Verbesserungsversuch konzentrierten und meine Note bereits von Anfang an feststand.

Ich habe keinen vernünftigen Grund darin gesehen, ein Jahr meines Lebens für einen sinnlosen Verbesserungsversuch zu investieren, obwohl ich mein bestes gegeben habe und objektiv eine Befriedigend verdient hätte. Nicht die Willkür schlechtgelaunter Prüfer entscheiden meine Zukunft, lieber nehme ich selbst das Heft in die Hand.

Meine Stationsnoten sind ganz ordentlich, viele in meiner AG können da nicht mithalten, sodass ich wirklich verwundert bin, weshalb das keinerlei Beachtung erfährt. Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der mit diesem Dilemma zu kämpfen hat. Ich werde selbstverständlich weiter kämpfen und mein bestes geben.

Aber dieses m.E. korrupte System, das einen Menschen nur auf eine Punktzahl reduziert und vielerseits sympathiebedingt entscheidet, hat in meinen Augen ganz klar versagt.

So, jetzt beginnen die Examensvorbereitungen. Danke für Daumen Hoch!

LG

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Re: Wahlstation in der Landesverwaltung

Beitrag von Caenna erstellt am: 3. Sep 2012, 18:47 Uhr

Warum ist das System denn korrupt, wenn man nach der Note sortiert? Das ist doch das objektivste Kriterium, das wir haben.

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Re: Wahlstation in der Landesverwaltung

Beitrag von Alexander erstellt am: 3. Sep 2012, 22:08 Uhr

frankeee85 hat geschrieben:
Meine Stationsnoten sind ganz ordentlich, viele in meiner AG können da nicht mithalten, sodass ich wirklich verwundert bin, weshalb das keinerlei Beachtung erfährt.

...

Aber dieses m.E. korrupte System, das einen Menschen nur auf eine Punktzahl reduziert und vielerseits sympathiebedingt entscheidet, hat in meinen Augen ganz klar versagt.



Das verstehe ich nicht. Du behauptest, deine mündliche Note habe schon vor der Prüfung festgestanden, also ehe die Prüfer dich überhaupt in der Prüfung erlebt haben. Wo ist da die sympathiebedingte Entscheidung?

Andererseits ärgerst du dich, dass deine Stationsnoten nicht berücksichtigt worden seien. Dabei ist der Grund dafür, dass den Stationsnoten oft nicht viel Gewicht beigemessen wird, doch gerade, dass bei der Notenvergabe nach einer mehrmonatigen Ausbildung eher Sympathie eine Rolle spielt als im unpersönlicheren Prüfungsverfahren.


Für viele staatliche Stellen wird die Besetzung zuerst nach Note ausgewählt. Richter, AA, StA u. ä. -> VB; andere Stellen idR -> mind. befriedigend, eher 7,5 Pte. Dabei ist für Volljuristen das 2. Stex meist doch wichtiger als das 1. Bei Refs kommt es dann mangels 2. Stex eben nur auf das 1. an, und die "niedrigschwelligen" Verwaltungsstellen (Kommunalverwaltung u. ä.) kucken nicht auf die Note.

Das ist aber doch recht bekannt; wundert mich etwas, dass dich das so überrascht.

Da ich im Nebenjob Klausuren korrigiere, habe ich eine ungefähre Vorstellung davon, was jemand so im Schnitt leistet, der am Ende auf ein ausreichend kommt. Und ich kann schon verstehen, dass man da lieber Leute mit befriedigenden Examina ausbildet.
Niemand hat das Recht zu gehorchen. - Arendt.
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