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Bei Prof. Dr. Detlef Liebs (Uni Freiburg)

Wir haben Juraprofessoren zum Thema Jura, Examen und Lernen befragt

Bei Prof. Dr. Detlef Liebs (Uni Freiburg)

Beitrag von Admin-Juraexamen.com erstellt am: 21. Jul 2007, 22:48 Uhr

Prof. Dr. Detlef Liebs

Institut für Rechtsgeschichte und geschichtliche Rechtsvergleichung - Romanistische Abteilung - an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg


Juraexamen.com: Auf welche Fähigkeiten (die man in der Vorbereitung erwerben kann) kommt es insbesondere an, um eine gute Klausur oder Examenshausarbeit zu schreiben? Was macht eine gute Klausur oder Hausarbeit aus?


Prof. Dr. Liebs: Sinnvolle Ansätze meist – nicht immer – nach dem Schema "Wer kann von wem was verlangen und woraus? – Kann A von B 10 000 € [(1) aus § 812 I 1, 1. Alt BGB; (2) aus <a href='http://recht.jurbib.de/bgb/823' title='Schadensersatzpflicht' target='_blank'>§ 823 I BGB</a> 'Eigentum'] verlangen? Bei der Ausführung zwischen – objektiv – unproblematischen und problematischen Punkten unterscheiden. Letztere ausführlich im Gutachtenstil erörtern, erstere kurz. Je mehr (wirklich) einschlägige Gesichtspunkte zur Sprache kommen, umso besser die Arbeit. Ergebnisse widerspruchsfrei und vertretbar.


Juraexamen.com: Welche Lernmethoden oder Lernmaterialen bewerten Sie aus Ihrer Erfahrung als besonders wertvoll?

Prof. Dr. Liebs: Gesetze lesen lernen, in denen jedes Wort entscheidend sein kann. Den Stoff einer Vorlesung bzw. eines mittleren Lehrbuchs einigermaßen beherrschen, dabei besonders auf Grundprinzipien achten, z.B. Abstraktionsprinzip oder dass als Erbe nur ein Überlebender in Betracht kommt. Die Wahl des für den Einzelnen verständlichsten Buchs muss ihm überlassen bleiben.


Juraexamen.com: Wenn Sie eine Klausur oder Hausarbeit auf Examensniveau korrigieren, welche Fehler fallen Ihnen besonders negativ auf?


Prof. Dr. Liebs: Gesetz nicht genau gelesen; oft steht das Erlösende im nächsten, nicht mehr beachteten Absatz oder Paragrafen. Breite Erörterung von hier Unproblematischem, worüber die Probleme zu kurz kommen oder ganz übersehen werden.


Juraexamen.com: Wie ist Ihre Meinung zum „Freischuss“?

Prof. Dr. Liebs: Für die Prüfer eine zusätzliche Last, da die meisten noch unreif sind. Für die Kandidaten zumindest ein authentischer Klausurenkurs, aus dessen Ergebnissen und Beurteilungen Lernbereite viel lernen könnten. Außerdem Chance, rasch Examina zu machen


Juraexamen.com: Wo sehen Sie die Vorteile oder die Nachteile von Repetitoren?

Prof. Dr. Liebs:

Vorteile: Kosten viel Geld, also tut man etwas dafür. Gruppendruck.

Nachteile: Führt oft zu viel überflüssigem Detailwissen ohne Beherrschung der Grundsätze und zu ödem Schematismus bei der Fallbearbeitung. Führt allenfalls ausnahmsweise zu Spitzennoten.


Juraexamen.com: Was glauben Sie, wie die hohe Zahl von Durchfallern und schlechten Examensnoten jährlich zu erklären ist?

Prof. Dr. Liebs: Akademische Freiheit und dadurch zu später oder hysterischer Beginn mit ernsthaftem Arbeiten abseits der Universität. Dadurch werden z. B. die Übungen von vielen, die dem dort vorauszusetzenden Stoff noch nicht wirklich gehört haben, nicht angemessen genutzt.

Nachtrag von Prof. Dr. Liebs am 04.11.2004:

Meine Antwort könnte leicht missverstanden werden, als kritisierte ich die große akademische Freiheit, welche Jura-Studenten haben. Ich halte sie im Gegenteil für sehr wichtig. Zu einer hohen Durchfallquote (und Abbrecherquote) führt sie erst im Verein mit der bei uns in D unseligerweise festgeschriebenen viel zu hohen Zahl von Studierenden pro Lehrkraft im Fach Jura. Wir benötigen keine so hohe Zahl von Absolventen, wie sie jetzt produziert werden; die rasant steigende Zahl der Anwälte wird sogar immer bedenklicher. Unter den jetzigen Bedingungen aber sollte wirklich nur der die Befähigung zum Richteramt etc. bescheinigt bekommen, der mit der Freiheit etwas anfangen, seine Arbeit selbst organisieren kann. Als Volljurist soll er ja ständig weitreichende Entscheidungen treffen können; die muss er verantworten können. Wer nur abhängig zu arbeiten gelernt hat, kann das schwerlich.


Juraexamen.com: Was macht auf Sie in einer mündlichen Prüfung einen besonders schlechten Eindruck und was einen besonders guten?

Prof. Dr. Liebs:

Schlechten: auf Banalitäten auszuweichen; lange um den Brei herumreden; auch: mit Detailwissen zu prunken versuchen, auf das es nicht ankommt.

Guten: Systematisch vorgehen; die entscheidenden Punkte erkennen, eine denkbare Lösung in Betracht ziehen und Argumente für und wider gegeneinander abwägen.


Juraexamen.com: Gibt es einen besonderen Hinweis oder Tipp, den Sie gerne an die Studenten richten möchten?

Prof. Dr. Liebs: Eigenes Gerechtigkeitsgefühl entwickeln und dieses ständig mit der derzeit hier geltenden Rechtslage abgleichen. Dadurch allmählich Zutrauen zum eigenen Verständnis dieser Rechtsordnung insgesamt entwickeln.

Admin-Juraexamen.com

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