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Durchgefallen, Wiederholungsversuch & Widerspruch

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Examen wiederholen?

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Examen wiederholen?

Beitrag von Neujahr erstellt am: 1. Jan 2018, 13:21 Uhr

Hallo,

ich habe beschlossen mich auch einmal nach fremden Meinungen umzuhören; mal sehen, was dabei raus kommt.

Ich bin leider auch durch mein 2. Staatsexamen durchgefallen. Ich kann in keine Wiederholer-AG mehr gehen, könnte das Examen aber noch einmal in ca. 5 Monaten schreiben. Ich habe jetzt ca ein Jahr überhaupt nichts mehr für Jura getan, weil u.a. die Motivation völlig weg war.

Ich frage mich, ob es überhaupt Sinn macht mich noch einmal hinzusetzen und zu lernen und ob ich irgendwann einen Job finden werde, aber ohne das 2.Staatsexamen geht das ja noch schwerer und ich frage mich, ob ich es vielleicht nicht doch noch schaffen kann.

Denkt ihr, dass 5 Monate ausreichend für die Examensvorbereitung sind?

Was sieht man sich am besten in dieser Zeit an? Materielles Recht auch wiederholen?

Hat irgendjemand Tipps? Ich habe zumindest in den letzten Wochen wieder ein paar Übungsklausuren geschrieben über einen Fernklausurenkurs, hauptsächlich 3 Punkte; nicht schlechter.
Gibt es eine Strategie, wie man über die 3 Punkte hinweg kommt? Hat irgendjemand Erfahrungen oder kann Ratschläge erteilen?

Vor allem würde mich interessieren, wie man erfolgreich beim Lernen vorgeht; einfach Fälle und Klausuren gliedern oder versuchen möglichst den ganzen Stoff noch einmal zu wiederholen? Reicht eine Übungsklausur pro Woche, oder lieber versuchen 2 Klausuren zu schreiben und dafür weniger Stoff wiederholen? Wie kann man sich am besten das Wissen und die Fertigkeiten aneignen um das Examen zu bestehen?

Danke im Voraus für die Antworten!

Neujahr

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Austa erstellt am: 1. Jan 2018, 16:46 Uhr

Ob 5 Monate ausreichen, kann man nicht sagen. Dafür wissen wir nicht, wie viel Vorwissen du hast. Bist du durchgefallen, weil du kein Wissen hast? Oder weil dir die Klausurtechnik fehlt? Das macht einen großen Unterschied.

Ich würde es auf jeden Fall probieren. Was hast du schon zu verlieren?

In fünf Monaten sollte man sich aber auf die Formalia, die Klausurtechnik und das Prozessuale konzentrieren. Das materielle Recht würde ich jetzt eher zweitrangig behandeln. Es gibt standardmäßige Probleme (z.B. Verfristung, teilweise Klagerücknahme, Beweiswürdigung etc.), die man im Schlaf runterbeten muss. Eine sehr gute Vorbereitung sind die Kaiser-Skripte. Die sollten man komplett durcharbeiten und dann Klausuren, Klausuren, Klausuren. Diese würde ich dann jedoch mit jemanden besprechen, um individuell an den Problemen zu arbeiten. Oftmals ist es ja nicht das Wissen, was fehlt, sondern die Vielzahl an Informationen in den KLausuren wird einfach falsch verarbeitet.

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 2. Jan 2018, 18:07 Uhr

Wenn Du noch später schreiben könntest, würde ich das machen. Ansonten: Die 5 Monate hinsitzen und lernen und zwar das, was Dir fehlt. Wenn's das materielle Recht nacharbeiten. Wenn's Klausurentraining ist, was fehlt, dann das machen. Wenn alles fehlt, an allem noch die wichtigsten Sachen anschauen und Details und Verästelungen weglassen und sich auf's Wesentliche konzentrieren. Dann sollte es reichen, wenn aktuell schon alles bei 3 steht.

Der aktuelle juristische Arbeitsmarkt ist besser als die ganzen Jahre davor und das ist immer besser geworden. Aktuell hat man das der Flüchtlingswelle zu verdanken. Grade der juristische Arbeitsmarkt hängt immer wieder auch von politischen Ereignissen ab. So war es auch z.B. zu Zeiten des Mauerfalls und dem Hinzukommen der damals neuen Bundesländer. Auch dieses historische Ereignis hat damals dazu geführt, dass der übersättigte Arbeitsmarkt ein Stück weit abgefischt wurde.

Solche Dinge sind nicht vorhersehbar, zumindest nicht in einer planbaren Weise. Es kann auch durchaus mal andersrum gehen. Wirtschaftliche Schwankungen usw und der Konjunkturwechsel selbst bestimmen wie andere Faktoren den Arbeitsmarkt ständig. Was man aber sagen kann, ist, dass der demografische Wandel im juristischen Bereich wesentlich weniger stark und mit viel Verspätung, wenn überhaupt, reinspielen wird, weil der durchschnittliche Volljurist, der derzeit da draußen arbeitet, mit ca. 45 Jahren, einfach zu jung ist und der nicht so schnell in die Rente/Pension gehen wird. Im Klartext gesprochen: Leute, die aktuell in Jura drin sind und vor dem Examen stehen, sollten alles dran setzen, um das Examen zu kriegen, einfach weil mit dem 1. bzw. dann natürlich mit dem 2. Examen, was noch viel wichtiger ist, Türchen aufgehen.

Wer Jura studieren will, der sollte das jetzt nur tun, wenn er glaubt und sicher weiß, dass das für ihn der einzige wahre Job auf Erden ist und er dafür geeignet ist und es sicher gut können wird und er es immer lieben wird. Und ich denke, diese Leute sind rar.

Aber hinsitzen und jetzt noch 5 Monate noch Zeit haben und es sausen lassen ist wirklich die schlechteste Idee, die ich seit langer, langer Zeit gehört habe. Wenn es sich lohnt, für dieses 2. Examen zu ackern und nochmal alles mobil zu machen, dann jeztt. Sich ohne 2. Examem bewerben zu müssen, wird viel ekelhafter sein als die 5 Monate wirklich alles zu geben und sich durch die paar Klausuren zu robben. Es ist eh so. Wenn das Examen erst mal läuft, hat man soviel zu tun, dass für's Angst haben sowieso keine Zeit sein wird. In ein paar Monaten ist alles rum. Wenn das Examen dann da ist, dann ist alles Ach und Weh vergessen. Das ist wie beim Kinderkriegen. Wenn die Kinder erst mal da sind und Mami und Papi anlächeln mit dem ersten Zahn, denkt keiner mehr an die Wehen und all den Schmerz und das Gekreische während der Geburt. Es gibt Dinge, da muss man durch, auch wenn die nicht angenehm ist. Stell' Dich der Sache und geh's an und bring's hinter Dich. Jetzt kneifen, nach all der Arbeit vorher, wäre der schlimmste Fehler, den Du ewig bereuen würdest.

Mars-Maus

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Maverick erstellt am: 3. Jan 2018, 16:09 Uhr

Ich würde die KAISER Seminare, KAISER Skripte und den dazugehörigen Klausurenkurs nutzen. Natrürlich hat man Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit ersten Staatsexamen. Allerdings fallen viele Berufsfelder weg.

Wenn Du Dich aufraffen kannst, dann zieh es durch.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Neujahr erstellt am: 3. Jan 2018, 20:23 Uhr

Hallo ihr,

erst einmal vielen Dank für euere Antworten. Ich weiß, dass es schon mehrere Fragestellungen bzgl Wiederholungsversuchen gibt; ich freue mich trotzdem über Rückmeldungen!

Ich denke, dass ich vor dem Examen zu wenige Übungsklausuren geschrieben habe und diese oft nicht richtig verbessert habe. Die Probleme erkenne ich meistens in den Klausuren, behandele sie aber oft zu knapp oder ich behandele sie falsch. Wie stellt man so etwas ab?

Danke für den Tipp mit den Kaiserklausuren! Ich wusste nicht, dass man sich dort die Klausuren individuell zusammenstellen kann; aber ich finde das super, weil ich vor allem in Strafrecht miserabel bin und bei dem Übungsklausurenkurs, den ich jetzt belegt habe, fast keine Strafrechtsklausuren gestellt werden.

Ich wüsste leider nicht mit wem ich die Klauuren durchsprechen sollte; das war auch ein guter Vorschlag; aber wohl nicht umsetzbar...

Ich bereue es irgendwie, dass ich die letzten Monate nichts mehr gemacht habe und mich relativ erfolglos versucht habe mit meinem ersten Examen zu bewerben; aber es ging nichts mehr; die Motivation war absolut weg und deswegen bleiben mir auch nur noch die 5 Monate und ich denke, ich könnte auch nicht mehr länger lernen.

Ich habe mir überlegt, die Hemmer-Unterlagen von den Assessorkursen noch einmal durch zu arbeiten. Famlienrecht, Erbrecht, Arbeitsrecht etc... Sind die Kaiserskripten besser? Ich habe diesbezüglich leider nicht so viele Erfahrungen.

Mars-Maus, ich habe in einem anderen Thread von deinen Problemen gelesen; das tut mir sehr leid für dich; aber du scheinst daran gewachsen zu sein und hast dich nicht unterkriegen lassen; so etwas ist bewundernswert! Du hast das 2. Examen nicht mehr geschafft, oder? Darf ich fragen, was du jetzt machst?
Ich würde Jura nie nie wieder studieren; aber genug gejammert; einmal versuche ich es noch, weil es kaum andere Möglichkeiten gibt und ich hoffe, dass Glück ist auf meiner Seite.

Aber jetzt erst einmal sehen, wie ich mich am Besten vorbereite...

Danke aufjedenfall noch einmal für die Tipps!

Neujahr

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 7. Jan 2018, 20:20 Uhr

Wenn ich die Zeit finde, dann schreibe ich Dir hier noch ausführlicher was. Für den Moment möchte ich Dir einfach nur sagen:

Setz' Dich hin und lerne!!

Mehr brauchst Du jetzt gar nicht wissen. Den Rest, warum Du das tun solltest, schreib' ich Dir noch in der nächsten Zeit. Entweder ausführlich oder halt knapper. Aber Du kannst mir glauben: Du hast deutliche Chancen auf das 2. Examen. Vergiss' die Zeit, wo Du nicht lernen konntest. Jetzt ist die Zeit, um zu lernen und es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um 2. Examen zu machen, denn der Arbeitsmarkt ist derzeit angenehmer als die ganzen Jahre davor. Und wenn Du wirklich durchfallen solltest, was gar nicht sicher und aus meiner Sicht eher unwahrscheinlich ist, dann gibt's Alternativen und ich muss sagen, dass ich derzeit Stellenanzeigen in Jura gesehen habe, die man so vorher nie gesehen hat. Im Moment sind die Jobchancen besser als jemals zuvor. Aber Vorsicht! Man darf sich durch diese letzten Sätze nicht verleiten lassen, das 2. Examen zu vergeigen und nix oder zu wenig zu machen. Das ist die Gefahr, wenn man den Leuten sagt: "Ohne 2. Examen geht's auch!". Es geht ohne 2. Examen natürlich auch was, die Frage ist aber, was? Und in vielen Jobs wird das 2. Examen das "Must have" sein und nicht "Nice to have". Das 2. Examen kann im Grunde mit nix kompensiert werden und aus diesem Grunde rate ich Dir dazu, alle Kraft und alle Konzentration auf diese Examensvorbereitung zu verwenden. Alles Andere muss und kann warten, das kannste alles nach dem 2. Examen machen. Dann wirst Du Zeit dafür haben.

Ansonsten rate ich Dir: Bleib' cool, das ist besser als Durchdrehen. Lerne, denn es lohnt sich in fast allen Fällen, die ich miterlebt habe. Die meisten Examenskandidaten konnten ihr Examen mitnehmen, auch wenn's schlecht ausgesehen hat. Viele bauen in den letzten Monaten, Wochen vorm Examen nochmal richtig auf und legen dann im Examen auch Noten hin, die dann weit über 4 Punkte liegen. Es kommt gar nicht so selten vor, dass jemand gegen's Durchfallen kämpfte und dann bei einem Befriedigend raus gekommen ist. Auch das geht. Mehr Infos dann, wenn ich Zeit dafür habe.

Mars-Maus

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 12. Jan 2018, 14:01 Uhr

1. Wenn Du nur das erste Examen hast, hast Du als Konkurrenz alle Volljuristen, die Dir in vielen Fällen den Job wegschnappen können, weil sie halt zeichnungsberechttig sind. Egal, welche Note, Volljurist sticht in vielen Fällen "halben Juristen" aus.

2. Mit nur 1. Examen bestehen auch Möglichkeiten. Aber der Weg zu Karriere und Erfolg ist durch das Durchfallen im 2. Examen erschwert, dauert länger und ist meistens beschwerlicher. Der wesentlich einfachere und sicherere Weg ist jetzt die Chance zu nutzen und das Examen zu reißen. Du musst jetzt wirklich die Zähne zusammenbeißen und Dein Ziel angehen. Denke nicht ans Durchfallen. Das wird sehr wahrscheinlich nicht passieren, wenn Du noch 5 Monate ordentlich lernst und dann kannst Du Dir in aller Ruhe eine Stelle suchen und Dich noch weiterbilden und spezialisieren. Leg' jetzt alle Konzentration auf's Lernen und schau', wo Du wirklich die Defizite hast. Mehr dazu, wenn ich Zeit habe.

3. Du willst doch später Wahlmöglichkeiten haben und nicht irgendwo arbeiten müssen, wo sie Dich halt nehmen?

Dann lern' jetzt und alles Andere darf jetzt keine Rolle spielen.

Ich weiß, es ist schwer, man will immer den Plan B haben und ich dachte auch so, was, wenn ich durchfalle. Und ich wollte damals um's Verrecken nicht in die Anwaltschaft. Die Vorstellung, nach dem 2. Examen als RAin arbeiten zu müssen, war für mich der Obergraus und ich denke, dass ich auch deswegen nicht richtig lernen konnte und fast auch - neben allen anderen Schwierigkeiten, die dazu kamen - eigentlich gar nicht mehr dieses Examen wollte. Ich hatte schon Plan B im Kopf und der war mir recht und der Anwaltschaft wollte ich aus dem Weg gehen. Es lernt sich nicht gut, wenn es im Kopf so aussieht. Und ich wusste zu wenig darüber, wie es nach dem Ref ablaufen wird. Wenn man jetzt die Jahre später sieht, wie es sich bei den anderen aus den AGs und bei sich selbst gelaufen ist, dann weiß man, wie der Hase läuft. Und deshalb sage ich Dir:

Hol' Dir das 2. Examen und danach hast Du einfach viel mehr Auswahl und Möglichkeiten als mit dem nur 1. Examen. Alles, was Du mit dem 1. Examen machen kannst, kannst Du, wenn Du es willst, auch mit dem 2. Examen machen. Aber Du kannst bei weitem nicht alles mit dem 1. Examen machen, was Du mit dem 2. Examen machen kannst. Möglichkeiten mit nur 1. Examen gibt's. Klar. Aber mit 2. Examen gibt's noch wesentlich mehr und bessere.

Der Zeitpunkt wird kommen und Du wirst die Stellenanzeigen durchschauen und dann werden da auch Stellen drin sein, wo Du denkst:"Oh, das würde ich gerne machen. Der Arbeitgeber ist einer von den Topten. Was die alles bieten. Super, da will ich hin!!". Und dann steht irgendwo im Profil oder unter "Ihre Qualifikationen", dass sie einen Volljuristen wollen oder "2. Staatsexamen zwingend erforderlich". Und spätestens dann wirst Du Dich 3-fach in den Hintern beißen, wenn Du nur das 1. Examen hast und das 2. Examen nicht hast, weil Du Dich von der Angst vorm Durchfallen hast auffressen lassen.

Ich denke, was Dir jeder, der die 2. Examen gemacht hat, auch Durchfaller sagen kann, ist, dass es machbar ist, wenn man sich einigermaßen vorbereitet und halbwegs die Ruhe bewahrt. Ich weiß aus heutiger Sicht, was damals alles schief gelaufen ist, sowohl im Umfeld als auch bei mir und was dazu führt, dass man das Examen verliert. In vielen Fällen hätten die Leute bestanden und man hätte eigentlich nur manche Dinge vorher anders handhaben müssen, wowohl innerlich als auch in der Außenwelt und es wäre geglückt. Die erreichte Note ist erst mal zweitrangig. Wichtig ist, es zu bestehen. Und dann gibt's da draußen eigentlich für jeden Volljuristen zumindest einen Job, sofern er keine totale Niete ist oder er krank ist oder total belastet ist. Es gibt Leute, die sind lebensdoof und unfähig und haben trotzdem als Volljuristen Probleme, einen Job zu finden oder zu halten. Das ist die große Ausnahme. Das sind Leute, die in der Kommunikation versagen, die aufgrund ihrer Persönlichkeit über sich selbst stolpern, die nicht repräsentieren können, auch nicht sich selbst. Dieses elendige Los ist nur wenigen Volljuristen vorbehalten. Alle anderen haben es - soweit ich es mitverfolgen konnte - geschafft.

Von daher: Der Arbeitsmarkt ist besser denn je. Also schieb' alle Ängste und Zweifel weg und lerne das Zeug. Setz' Dich hin und sag' Dir: Heute will ich dieses und jenes Kapitel lernen.". Dann hock' Dich hin und mach' und abends, wenn Du das durch hast, legst Dich ins Bett und deckst Dich zu und schläfst in Frieden ein.".

In der Ruhe liegt die Kraft und das haben schon so viele geschafft und Du kannst es auch schaffen. Und wenn man sich mal von den ganzen Katastrophen, die man sich ausdenkt, verabschiedet, innerlich verabschiedet, dann wird der Blick klarer dafür, was für eine Chance es ist, noch 5 Monate Zeit zu haben und in Bälde aller Wahrscheinlichkeit nach seine Examensurkunde in Empfang zu nehmen.

3. Du wirst automatisch mit dem 2. Examen einen höheren Status haben als mit nur 1. Examen und Durchfallen im 2. Examen. Das ist ein Makel, der an Dir klebt und es kostet immer viel Zeit und Kraft, bis man die Leute dann soweit überzeugen kann, dass man trotzdem clever ist und fähig und man einfach nicht zu dem Zeitpunkt, als das 2. Examen stattgefunden hat, auf dem Level war, den man haben sollte. Das Examen wird eben zu einem bestimmten Zeitpunkt abgerufen und man muss das den Leuten erst mal klarmachen, dass das nicht für jeden Referendar geht, dass er zu diesem Terminplan fertig wird. Die Rücktrittsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt und das ist das Problem, warum immer wieder Referendare zum Assessorexamen antreten, obwohl sie selbst wissen, dass sie es jetzt nicht schreiben sollten, aber man kommt da nicht mehr einfach so raus. Und deshalb fallen viele durch, nicht, weil die dumm wären, sondern weil es Faktoren gab, die behindert haben, dass sie zum Stichtag fit genug sind.

Es gäbe noch viel mehr zu schreiben und zu sagen. Aber meine Forumszeit ist um. Und ich denke, ich habe Dir genug Anstöße geben, Dich wirklich hinter dieses 2. Examen zu klemmen. Die Chance ist da und mach' jetzt das Beste draus. Aller Wahrscheinlichkeit nach bist Du bald ein Volljurist und wirst Dich als dieser bewerben und eine neue Phase im Leben bricht an. Und wenn es kein 2. Examen gibt, dann landest Du - wie alle anderen auch erst mal bei der Bundesagentur für Arbeit - und dann geht's los mit beruflicher Ausrichtung. Die lassen Dich nicht allein stehen und wenn Du einen schlechten Berater kriegst, dann gibt's auch noch andere Möglichkeiten, wie man sich drum kümmern kann, wie der weitere Weg gehen kann. Ich hatte damals Glück und hab' wohl den besten Arbeitsamtsmenschen der Bundesrepublik bekommen, ein feiner Kerl, der menschlich und auch fachlich top war und der mich dann noch an eine sehr kompetente Personalberaterin aus der Wirtschaft verwiesen hat. Da hat man dann nochmal eine ganz andere Luft geschnuppert und hat Dinge mitgekriegt, die Dir in der Justiz keiner sagen könnte.

Alles zu seiner Zeit. Du kümmerst Dich jetzt nur noch um den Jura-Stoff, Übungsklausuren und die nötigsten Dinge, die man machen muss und wenn frei ist, dann ist frei, auch im Kopf abschalten. Pause machen nützt nix, wenn man nicht abschalten kann. Und abschalten kannste nur selbst lernen und einfach auch mal sagen: Selbst, wenn ich durchfalle, geht's weiter. Nicht ganz so genial wie mit 2. Examen, aber es geht ein Leben, was mich auch zufriedenstellen wird. Rein mit dem 1. Examen bewerben, bringt in der Regel nix, es sei denn, man hat recht anständige Noten. Ansonsten funktioniert Karriere mit 1. Examen nur + X. Also dann muss noch was dazu kommen, damit der Eintritt in den Job klappt. Das dauert länger, ist schwieriger, aber es klappt, wenn sich die Leute dahinter klemmen und gut vermarkten können.

Außerdem:
Nicht im Examen durchdrehen. Du wirst nach jeder Klausur denken, dass die keine 2 Punkte wert war. Vergiss es. Die eigene Einschätzng im Examen ist soviel wert wie Kaffeesatz lesen. Es kommt die Konkurrenz dazu, die Korrektur. Es sind soviele Variablen dabei, die Du nicht überschlagen kannst, dass Du nach jeder Klausur überhaupt nicht mehr drüber nachdenken brauchst, ob sie gut ausfällt oder nicht. Das siehste erst am Bescheid später, der oft gute wie böse Überraschungen bereit hält.

Aus Erfahrung kann ich Dir sagen:

Lern'! Die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, ist groß und hängt maßgeblich davon ab, was Du jetzt noch tust. Viele waren noch Wochen vorm Examen schlecht vorbereitet und haben auf den letzten Drücker noch Stoff ins Hirn gequetscht und haben das geschafft, oft mit soliden Noten, so dass es für die Verwaltung gereicht hat. Die sind heute alle zufrieden. Es ist kein Hexenwerk. Und 5 Monate reine Lernzeit ohne Stationsarbeit sind ein Haufen Holz.

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Herr Anwalt erstellt am: 16. Jan 2018, 20:35 Uhr

Klar schreibst du nochmal.
Blöde Frage.
Jetzt noch tausende Übungsklausuren zu schreiben, halte ich nicht für sinnvoll.
Bis die korrigiert sind..höchstens, wenn du ne Lösungsskizze hast und sie dir am nächsten Tag durchlesen kannst.
Schnapp dir Fallbücher zum Prozessrecht mit 2-3 Problemen pro Fall und acker die durch.
Von mir aus gutachterlich und die Schwerpunkte mal ausformulieren.
What you need is good old fashioned: "klotzen".
Auswendig lernen, wiederholen und kleine Fälle lösen bis dir die Scheisse aus den Ohren rauskommt.
Und dann Schreibste.
Viel Glück.
https://www.youtube.com/HerrAnwalt

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Neujahr erstellt am: 18. Jan 2018, 08:29 Uhr

Danke für eure Antworten und für eure Motivation, die ihr mir zukommen lassen habt!!!

In der letzten Übungsklausur, die ich zurück bekommen habe, hatte ich wieder nur 3 Punkte. Ich verstehe die Fehler schon, die ich mache und wollte jetzt eigentlich 2 Übungsklausuren pro Woche schreiben, damit ich mehr Rutine bekomme. Ich weiß nicht, ob es mehr bringt einfach irgendwelche Fälle durch zu gliedern oder zu strukturieren; dafür bin ich wahrscheinlich zu wenig selbstdiszipliniert um so etwas effektiv zu gestalten. Bin schon so viele Fälle in meinem Leben durch gegangen, aber habe nicht das Gefühl, dass es viel gebracht hätte. Jura ist so unüberschaubar und die ganze Stoffmenge. Ich hoffe einfach, dass das Klausurnschreiben etwas bringt...

Aber die letztn Monate konnte ich mich einfach nicht mehr aufraffen und deswegen nicht mehr so viel Zeit; ich merke gerade wie viel ich noch lernen könnte. Aber es ist auch gut, dass dann irgendwann ein Ende kommt... Jura ist einfach nicht so mein Ding; aber mit dem zweiten Examen findet man wirkliche leichter einen Job und Anwalt ist trotzdem kein so schlechter Beruf in meinen Augen, sofern man irgendwie zu Mandanten oder einer guten Festanstellung kommt. Aber das ist jetzt eh erst mal in weiter Ferne... Und ich denke, ich muss es wirklich noch einmal versuchen...
Ansonsten habe ich schon beschlossen noch einmal die Fälle von dem Hemmer-Crash-Kursen zu gliedern und damit den Stoff zu wiederholen und noch einmal Unterlagen aus dem Ref durchzugehen, vor allem im öffentlichen Recht. Ich hoffe, ich schaffe es noch die Lücken zu schließen...

Neujahr

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Re: Examen wiederholen?

Beitrag von Austa erstellt am: 18. Jan 2018, 09:34 Uhr

Wichtig ist auch, dass du bei Standardproblemen die Argumentation auswendig kennst und herunterschreiben kannst.
Wenn jemand gegen ein (zweites) VU Einspruch einlegt, musst du wissen, was du da schreibst.
Bei der Revision gibt es auch standardmäßíge Verfahrensfehler.
Bei so was darfst du nicht in den Kommentar gucken müssen, sondern du musst es blind herunterschreiben.
Dann bleibt mehr Zeit für die unbekannten Probleme.

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