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Examensstress

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Realistische Einschätzung

Kurz vorm durchdrehen? Wenn Du über Examensstress oder Versagensängste schreiben willst, bist Du hier richtig

Realistische Einschätzung

Beitrag von Blondie erstellt am: 10. Jan 2017, 12:37 Uhr

Hallo!
Ich bin jetzt schon im 14. Semester weil ich vor lauter Prüfungsangst das Examen immer verdrängt habe und letztendlich nix gemacht. Hab zwar ein Rep gemacht aber da nicht wirklich nachgearbeitet, aber hab nun halt die Unterlagen. Jetzt will ich aber endlich fertig werden und peile den Termin Herbst 2017 an. Hab zwar schon so ein bisschen vor mich hin gelernt aber irgendwie noch nix produktives.
Meint ihr, wenn man sich intensiv ran setzt kann man das jetzt noch schaffen mit 8 Monaten Vorbereitungszeit? Oder ist das völlig realitätsfern?
Hab mittlerweile auch eine Lern-AG in der wir Fälle besprechen und versuche den Stoff bis April soweit aufzuholen, weil ich da bei Alpmann nochmal einen 4-monatigen Trimmkurs machen will und während dieser 4 Monate eben Fälle, Fälle, Fälle und Vertiefen.

Bin mir aber so unsicher ob das nicht von vornherein zum scheitern verurteilt ist weil man sich noch länger vorbereiten soll? Aber irgendwie will ich es auch endlich weg haben. Es macht einen Nervlich echt fertig und jünger wird man ja auch nicht.
Achso, ich studiere in Ba-Wü.

Über eure Meinung, Tipps&Tricks wäre ich super dankbar!

Blondie

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Austa erstellt am: 10. Jan 2017, 15:44 Uhr

Wenn du wirklich noch nichts gemacht hast und du eh schon Prüfungspanik schiebst, dann ist Herbst 2017 wirklich zu kurz. Wenn es dein Freischuss wäre, würde ich sagen, dass du es probieren solltest. Aber ich würde jetzt nicht einen regulären Versuch riskieren. Das halbe Jahr ist letztendlich auch egal. Bereite dich ordentlich vor und schreib im Frühjahr 2018.

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von DieGeschworenen erstellt am: 10. Jan 2017, 17:23 Uhr

Also ich war in einer ähnlichen Situation. Habe immer wischi waschi gelernt (1-2 Tage in der Woche und zwischendurch mal 2 Wochen lang gar nicht, war eher so alibimäßig) und mich dann irgendwann einfach angemeldet. Durch den Druck habe ich dann die 3 Monate, die irgendwann noch übrig waren, hardcore gelernt. War ne üble Zeit :crazy: . Bin auch absolut kein Prüfungsmensch!! Es war mein erster regulärer Versuch und es hat auch direkt geklappt.
Ist zwar keine Traumnote bei rausgekommen, aber es war auch nicht knapp.

Ich würde die 8 Monate gut nutzen und dann einfach reingehen. Wenn du das davor schon immer verdrängt hast, dann wirst du das wahrscheinlich weiterhin tun. Es hinauszuzögern würde in diesem Fall im Enddefekt nichts bringen und wäre reine Zeitverschwendung.
Vllt brauchst du ja, genauso wie ich, den Druck, um endlich mal konsequent zu lernen.

Ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung. Aber es ist machbar!
Being afraid doesn't accomplish anything!

DieGeschworenen

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Blondie erstellt am: 10. Jan 2017, 17:26 Uhr

Danke für eure Antworten!

@DieGeschworenen, genau so geht es mir auch... Kann ich dir vielleicht mal eine Pn schicken? Würde mich interessieren wie du dann an die ganze Sache dran gegangen bist. Ich muss zugeben: Bestehen mit einer einigermaßen akzeptablen Note reicht mir auch schon.

Blondie

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Vratyras erstellt am: 14. Jan 2017, 00:45 Uhr

Hey!
Erstmal: Kopf hoch. Ich bin bzw. war genau wie du. Und, Spoiler: Ich gehe demnächst zur Mündlichen, mit realistischer Chance auf VB.

Zu meiner Geschichte:

Viele gute Noten ohne Lernaufwand in der Uni, nach dem 6. Sem. ins Rep und dann war die Luft raus. Das Rep selbst hat noch Spaß gemacht, aber schon da hab ich es nicht geschafft, mich richtig hochzuraffen zum Lernen. Außerhalb des Reps hab ich vllt. 5h/Woche gelernt, eher weniger. Als das Rep dann vorbei war, kam der große Einbruch. Ich kann es mir bis heute kaum erklären, aber ich hab quasi ein Jahr lang gar nichts gemacht. Maximal so alibimäßig 1-2 Stunden pro Woche.
War es die Konfrontation mit der Tatsache, dass sich das Jurastudium und -examen als weitaus schwieriger darstellten, als das in der Uni den Anschein machte? Vielleicht hatte ich auch einfach nur nach 6 Semestern des Partymachens und Reisens das Arbeiten verlernt oder wollte mich einem potentiellen Versagen nicht stellen und fing so gar nicht erst an, richtig zu Lernen. Vermutlich von allem ein bisschen, ich weiß es nicht.
Was ich weiß ist: Hätten sie mir nach dem 9. Semester nicht das Bafög gestrichen und mich so auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, ich würde wohl heute noch sagen: "Aber morgen, da leg ich ganz bestimmt los!".

Als ich wieder nach Hause zurück musste, habe ich mich wie der letzte Versager gefühlt, das kannst du mir glauben. Habe dann irgendwie, IRGENDWIE den Anfang gemacht. Klein angefangen mit 2-3 Stunden pro Tag und mich langsam hochgearbeitet auf ein vernünftiges Lernpensum. Zum Glück hatte ich alle Unterlagen und Skripten aus dem Rep, und zum Glück hat mein toller Repetitor mir die geupdateten Versionen der kursbegleitenden Skripte geschickt. Abgesehen von meiner nächsten Verwandtschaft und den engsten Freunden habe ich mich von allem und jedem abgekapselt und dann einfach nur gelernt. Nach 1 1/2 Jahren bin ich dann letzten September ins Examen - und war mir sicher, es nicht geschafft zu haben. So kann's gehen...

Was ich damit sagen will: Du bist nicht alleine. Dieses Examen ist zugleich eine Prüfung in Selbstdisziplin und Stressresistenz, und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Wichtig ist, und ich wünschte, das hätte mir mal jemand gesagt vor knapp drei Jahren: Einfach anfangen. Leg los, denk nicht zu viel nach sondern lern einfach erstmal drauf los. Du merkst dann schon, was dir hilft und was nicht.

Zwei Dinge, die ich heute anders machen würde und dir mit auf den Weg geben möchte:

1. Schreib Klausuren. Wie viele ist deine Sache, aber schreib welche. Ich hab keine geschrieben, da Zeitmanagement und Gutachtenstil nie ein Problem waren und das war dann auch im Examen so. Klausuren können dir aber etwas geben, was nichts anderes dir geben kann, und das ist positives Feedback. Ich habe während der Vorbereitung derart oft gedacht, dass ich mich im Kreis drehe und nicht weiterkomme, dass der Berg an Lernstoff einfach nicht kleiner werden will, weil mir dieses Feedback eben gefehlt hat. Erspar dir das! Und da Klausurenschreiben auch positive Lern- und Trainingseffekte hat, lohnt es sich natürlich doppelt :nodding:

2. Fasse den Stoff irgendwie zusammen, und zwar von Anfang an. Damit das Wiederholen schneller geht. Als ich nach ca. 8 Monaten alle meine Unterlagen einmal sorgfältig durchgearbeitet hatte musste ich feststellen, dass der Anfang schon wieder weg war. Die Stoffmenge ist gewaltig. Also durfte ich alles noch mal von vorne lesen und diesmal auch zusammenfassen.
Wie du es machst ist deine Sache, viele schwören auf Karteikarten. Ich habe die Kontrollfragen meiner Skripten (so ca. 100-250 pro Skript) schriftlich beantwortet. So hatte ich die wichtigsten Inhalte von ca. 16 Hemmerskripten auf knapp zwei Collegeblöcken zusammengefasst. Zur Wiederholung musste ich dann nur die Fragen lesen und anhand der Notizen beantworten. (Was ich gerade wieder für die Mündliche mache). Dazu natürlich aus den Fällen hier und da was rausschreiben.

Ich hoffe, dass ich dir zumindest ein klein wenig Mut machen konnte und drücke dir die Daumen, dass du deinen Weg findest und bald auch das Examen hinter dich bringen kannst :)

Alles Gute!

Vratyras

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 16. Jan 2017, 23:28 Uhr

Sehr guter Beitrag!

Mars-Maus

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Wühlmaus erstellt am: 16. Jan 2017, 23:57 Uhr

Hallo Blondie,

auch ich kann sehr gut nachempfinden, wie es dir geht, war/bin ich doch in einer ganz ähnlichen Situation, wie du: ich hab brav mein Rep besucht, da aber kaum etwas mitgenommen, auch definitiv zu wenig nachgearbeitet, erst keinen richtigen Anfang gefunden, alibi-mäßiges Lernen, alles andere war ja spaßiger...

Auch ich kann Vratyyras nur zustimmen. Das mit der Selbstdisziplin und der Stressresistenz ist glaube ich sehr richtig. An beidem hat es mir gefehlt. Aber die gute Nachricht: man kann beides lernen. Auch ich habe erst mit einem kleinen täglichen Lernpensum angefangen, Hauptsache kontinuierlich etwas zu tun und das dann gesteigert.

Der Tipp zum Klausuren-Schreiben ist auch definitiv gut. Ich habe mich da sehr lange auch nicht dran getraut, weil ich dachte, ich kann ja noch gar nicht genug, um eine Klausur auf Examensniveau zu schreiben. Und ich hatte Angst vor dem Rückschlag einer nicht bestandenen Klausur. Heute bereue ich es, nicht noch mehr Klausuren geschrieben zu haben, ganz egal, ob mit Bewertung oder ohne, aber das Bearbeiten der Klausur, das gibt einem etwas, ich kann es gar nicht genau benennen, vielleicht einfach nur Routine, was einem das bloße auswendig Pauken nicht geben kann. Am Ende waren meine Klausuren nicht alle super gut und manche auch nicht bestanden, aber aus dem Feedback kann man immer etwas positives mitnehmen (so war es jedenfalls für mich) und darum lohnt es sich auch.

Auch ich finde das Zusammenfassen des Stoffes wichtig, denn es ist so, wie Vratyras sagt: einmal am Ende angekommen, hat man den Anfang schon längst wieder vergessen (das ist, wie ich zugeben muss, auch etwas, was mir bis heute, kurz vor meinem Examen, noch einen leichten Schrecken einjagt, aber es wird besser und man kann eben auch nicht alles wissen).
Ich habe für mich aber auch gemerkt, dass man sich im Zusammenfassen auch verlieren kann. Als ich anfing, meine Zusammenfassungen zu schreiben, wollte ich unbedingt alles ganz genau wissen und unter VB wollte ich mein Examen sowieso schon mal nicht schreiben (wer will das nicht :-D?), also immer schön rein, mit den (bestimmt super wichtigen) Details, in die Zusammenfassung. Am Ende hatte ich eine "Zusammenfassung", die den Namen nicht verdiente, weil sie so umfangreich war. Ich habe lange gebraucht, zu lernen, mich auf das Wesentliche und vom Umfang her halbwegs Merkbare zu konzentrieren. - Dazu, wie man das macht, kann ich aber fürchte ich, keine superschlauen Tipps geben. Dazu muss wohl jeder seinen eigenen Weg finden. Und ob meiner gut war, das weiß ich auch noch nicht. Ich werde es im Februar erfahren, wenn ich dann doch endlich ins kalte "Examenswasser" springe.

Ach noch etwas: hast du gute Freunde / Familie, die sich auch mal dein Gejammer über das blöde Lernen und den einen oder anderen (sicher mal auftretenden) Zweifel anhören können? Für mich war und ist das Gold wert, zu wissen, zu wem ich in so einem Moment gehen kann.

In diesem Sinne: alles Gute für dich :)!

Wühlmaus

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 17. Jan 2017, 11:29 Uhr

Das Examen ist nicht so schwer.

Es ist nur einfach sehr viel Stoff, der Zeit braucht, um gelernt zu werden. Deshalb würde ich, wenn Freischuss und Verbesserungsversuch eh nicht mehr drin sind, und es finanziell geht, den späteren Termin nehmen.

Soviel, wie viele tun, verlangen die gar nicht. Wenn man ein bissl was kann, kriegt man 4 Punkte nachgeworfen. Wenn man ein bissl besser ist als die Schlechteren, dann bist Du bei den 7 Punkten. 6,5 Punkte im Examen im Gesamtergebnis zu holen ist in beiden Staatsexamina wirklich nichts. Bei einer gescheiten Vorbereitung und minmalem gesunden Menschenverstand kommt man auch weitaus höher.

Lasst Euch nicht ins Bockshorn jagen und geht da mit Motivation dran und nicht mit Angst vorm Durchfallen. Wenn man mal sieht, was ein lausiges Befriedigend im unteren Bereich auf dem Arbeitsmarkt schon für einen Wert besitzt, dann ist das lächerlich. Aber es ist so: Die relativ lumpige Note von 6,5 ist schon ein Türöffner. Dass das so hoch gehandelt wird, ist echt absurd. Mit Noten von 9 und mehr in beiden Examen gehört man schon zum elitären Kreis (!!!). Dabei ist sind 9 Punkte auch nicht die Welt. Ich kannte Leute, die wären tot umgefallen, wenn sie im Examen bloß 9 Punkte heimgebracht hätten. Es gibt immer welche, die spielen noch in einer viel höheren Liga mit und keiner weiß, wenn er anfängt mit der Examensvorbereitung, ob er nicht dazu gehören wird.

Mars-Maus

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Realistische Einschätzung

Beitrag von Väinämöinen erstellt am: 17. Jan 2017, 13:28 Uhr

Steile Thesen von jemandem, der am ach so leichten (2.) Examen schließlich endgültig gescheitert ist.

Väinämöinen

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 18. Jan 2017, 16:36 Uhr

Väinämöinen hat geschrieben:Steile Thesen...


Steil ist geil. Steiler ist geiler. :biggrin: (Alte Kanufahrer-Weisheit bezüglich Wasserfällen)

Väinämöinen hat geschrieben:...von jemandem, der am ach so leichten (2.) Examen schließlich endgültig gescheitert ist.


Ist doch längst soweit bekannt, wieso, weshalb, warum.

Aber mal im Ernst:

Ich schreib' den Usern, die eine realistische Einschätzung nicht umsonst sowas. Ich hab' ja keine Ahnung, wie das in NS so läuft, man kann immer nur für das eigene Bundesland wirklich berichten. Siehe Ausgangsthread.

Wenn man eine realistische Einschätzung machen will, dann braucht man erstens Examenserfahrung.

Aber wer sich nur die Examensklausuren anschaut, der hat erst die halbe Miete. Viel interessanter ist doch, welche Briefchen das JPA dann später rumschickt und die Noten. Und da finde ich es schon recht bezeichnend, dass man auch dann, wenn man kaum vorbereitet ist, Examensklausuren - aus dem Stegreif - auf 5 oder 6 Punkte bringen kann. Interessant ist auch, wie sich die Klausurergebnisse durch Bullemie-Lernen kurz vor und während des Examens verändern. Grade, wenn z.B. schon die ersten Klausuren dran waren, kann man oft im Ausschlußverfahren Themen weglassen und nochmal gezielt zwischen den Klausuren lernen. Ich hab' das teilweise gemacht und kurzfristiges Reinziehen vor dem Examen kann die Note um bis zu 3 Punkte erhöhen. Bei mir hat man das in den Examensnoten richtig schön gesehen, dass da, wo ich noch auf die Klausur am nächsten Tag gelernt habe, diese alle bestanden waren, z.T. mit gut Luft. Und in den Klausuren, wo ich das nicht gemacht habe, waren die Noten deutlich schlechter.

Jetzt sag' mir mal, wie schwer kann eine Prüfung objektiv sein, die man mit Lernen auf den letzten Drücker retten kann und sogar teilweise dann noch nach der schriftlichen Prüfung berechtigte Chancen auf "Befriedigend" haben kann.

Ich kriege immer erzählt, alle müssen mindestens 12 Monate lernen und um die 100 Klausuren schreiben, so schwer sei das Ding. Und es gibt Leute, die tun genau das und fallen durch. Dafür gibt's Gründe und ich will da auch keine Bewertung abgeben, warum das passiert, gibt's viele Gründe dafür. Aber so unterschiedlich schwer ist das Examen für die vielen Teilnehmer. Da ist es wie im BerR. Es verbietet sich jede schematische Lösung.

Auch die Statsistiken sind keine wirklich gute Infoquelle. Die Statistik gibt Dir ein paar Zahlen. Aber die müssen interpretiert werden und zwar richtig. Und über viele Faktoren sagt die Statistik vom JPA gar nichts aus, weil Dir die Hintergrundinfos fehlen. Man weiß dann: Ok, so und so viele sind durchgefallen, aber die Statistik sagt mir nicht, warum sie durchgefallen sind oder besonders gute Noten hatten.

Was sich anhören mag wie "blöde Sprüche" klopfen hat bei mir sachliche Gründe. Ich hab' das Examen mehrmals nur formal noch mitgeschrieben, das waren keine wirklich ernsthaften Versuche, sondern ein Antreten zum Termin in dem Glauben, dass da sicher nur noch der Absturz kommen wird. Kam dann am Ende auch. Trotzdem bekommt man ja immer seine Noten mitgeteilt und es ist eben nicht so, dass dann alle Klausuren (deutlich) unterm Strich sind, sondern man sieht, wieviele man bestanden hat und mit wieviel Luft. Bei mir war immer ÖR das Hassfach und da hab' ich nie gelernt, was natürlich im 2. Examen nicht mehr klappen kann. Das hat halt letzlich dann bitter runtergezogen.

Aber es ist trotzdem "ulkig", dass man aus diesen Noten schließen kann, dass jemand, der nur minimal vorbereitet ist, dieses 2. Examen in BW, locker heimbringen kann. Und wie's da Leute schaffen, Jahre und rund um die Uhr zu lernen und da nicht die 4 Punkte schaffen in einer Klausur, ist mir echt schleierhaft. Ohne die verurteilen zu wollen, weil man nie weiß, was die Gründe sind, aber solche Geschichten reden den Leuten ein, dass das Examen voll das Monster sei. Das ist es nicht, sondern es ist machbar und für die Begabteren und Fleißigen sind VBs auch machbar und z.T. auch wirklich planbar. Neben mir hat's VBs gehagelt und bei vielen Freunden und Bekannten auch.

Die 2. AG war eine Streber-AG, die echt alle überirdisch waren und die Spitze der AG war regelmäßig über 12 und oft auch bei 15, 16, 17. Einer, den ich kannte hat im Examen sehr gute Klausuren geschrieben, der wäre damit sicher auch VB-Kandidat gewesen. Aber vor einer Klausur hat er genau das Thema nochmal perfekt wiederholt und hat am Klausurtag den Treffer gelandet. Jackpot mit 17 Punkten. Rechne mal 17 Punkte als Spitzenergebnis auf den Rest der Klausuren um, wenn der vorher schon im zweistelligen Bereich war.

Es gibt daher nicht "die" einzig richtige Wahrheit über die Examina, sondern nur viele Einzelerfahrungen, die man zusammentragen muss und woraus sich dann ein grober, aber zuverlässig einzuschätzender Überblick über die Thematik entnehmen lässt.

Wenn ich hinschaue, wer im Examen durchgefallen ist, dann waren es klar auszumachende Gründe und heißer Kandidat sind Leute, die in der Prüfung richtig Panik schieben und nix mehr hinkriegen. Dazu hatte ich schon geschrieben, was man da machen kann, zweitens Leute, die beim Lernen Probleme haben, drittens Leute, die zuviel nebenher machen müssen, auch jobben und die vierte Gruppe: die Mütter in den AGs, waren auch häufig durch die Doppelbelastung im Nachteil.

Und wenn heute jemand anfängt, zu lernen, dann tut er gut dran, erst mal davon auszugehen, dass er nicht durchfallen wird. Aber es gibt ein wirksames Mittel gegen Durchfallen: Lernen. Und wenn Lernen nicht einfach so geht, dann braucht's auch da Strategien, wie man es schafft.

Nur weil ich durchgefallen bin und mich deshalb heute ärgere, weil ich sehe, wieviel Geld ich da hätte verdienen können, müssen es mir ja andere nicht nachmachen. Ich bin ja auch nicht mangels fachlicher Eignung oder wegen mangelnder Intelligenz durchgefallen, sondern wegen anderer Sachen. Ich meine, man kann natürlich an sich zweifeln. Aber wenn man von allen möglichen Fachleuten getestet und beurteilt wurde und überall kommt die selbe Antwort:"Sie sind sehr intelligent. Weit über dem studentischen Durchschnitt." Dann wird wohl was dran sein?

Jedenfalls hab' ich viele Leute gekannt, die Prüfungsangst hatten und trotzdem ihr Examen wunderbar im zweitstelligen Bereich hingelegt haben. Nur muss einem eins klar sein: Wenn man dieses Handicap hat, dann würde ich mir für den Anfang sehr kleine Häppchen zum Lernen geben, bis ich damit gut klarkomme. Daher auch der spätere Examenstermin, einfach, um den Berg aufzuteilen, um wiederholen zu können, damit das Gefühl der Unsicherheit weniger wird.

Ich denke mir was dabei, wenn ich was schreibe und blubber' nicht einfach nur was rum.

Mars-Maus

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 18. Jan 2017, 16:50 Uhr

Außerdem gehe ich, wenn ich einen fremden Menschen vor mir habe (und wenn's in einem Forum ist ) nicht davon aus, dass der zwangsläufig dümmer oder intelligenter als ich ist. Es gibt Menschen, die sind viel klüger als ich. Warum soll die TE nicht weitaus mehr drauf haben als ich? Oder die anderen im Thread? Wer sagt mir daheim am PC denn bitte vorher, wie begabt die sind? Wenn ich ein vernünftig geschriebenes Posting von einem User sehe, dass inhaltlich überzeugt, muss ich davon ausgehen, jemanden vor mir zu haben, der alles mitbringt, was das Examen erfordert. Wenn ich ein Posting sehe, was inhaltlich schon ziemlich grottig ist, dann lass' ich die Finger von sowas. Es gab hier auch schon Anfragen, wo ich innerlich gedacht habe: "Wenn Du schon solche Fragestellungen hier aufwirfst, dann brech' das Studium lieber ab!". Manchmal merkt man den Leuten ja auch recht schnell an, dass sie keinen Draht zum juristischen Denken haben. Das war hier aber nicht der Fall. Ich denke, dass die User, die hier geschrieben haben, gute und fähige Juristen sein können.

Mars-Maus

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 18. Jan 2017, 19:05 Uhr

Ich kann mir auch nicht alle Phänomene erklären, die in Jura und in Bezug auf Examensnoten passieren.

Aber es gibt einfach Dinge, die fallen auf. Ich hab' vorm 1. Examen keine Klausuren geschrieben (Großer Fehler!!!). Dann kam im Ref die erste Pflichtklausur ZivR. Mars-Maus wird's ganz schlecht und muss halt mitschreiben. Also dahin und sich mit dem Teil rumgeplagt, eine nicht fertig Klausur abgeben und halt einfach irgendwie das Ding so bearbeitet, dass ich wenigstens was zum Abgeben hatte.

Klausurbesprechung kommt: Mars-Maus wird's wieder schlecht. Jetzt kommt die große Blamage!! Alle anderen haben es sicher top gemacht, manche besser, manche schlechter, aber garantiert alle besser als ich...

Was passiert dann?
Manche Themen werden besprochen.... Man stellt fest, dass viele schon ein Problem haben, wenn nicht wie üblich ein KaufV da ist, sondern ein Schenkungsvertrag. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und will abspulen, was er gewohnt ist und das ist halt KaufV und nicht SchenkungsV. Dann das nächste Problem: Ein etwas kurioser Fall und was macht eine Refi: Sie prüft einen SE-Anspruch statt dem Primäranspruch, der noch nicht erfüllt war. Dass es gar keinen Schaden gab, ist der Refi nicht aufgefallen. Dann war ein Schuldbeitritt drin. Auch nicht so häufig anzutreffen, in den Reps drin? Keine Ahnung, ist jedenfalls nicht so gängig. Auch das haben viele nicht gesehen. Dann sagt die AG-Leiterin irgendwann:"Frau Mars-Maus, wie haben Sie denn.... geprüft? Ihre Klausur war ja auch eine von den besseren!?!". Mars-Maus sitzt perplex da.

Mich kann man da mal außen vor lassen. Die entscheidende Frage ist, wie es nach bestandenm 1. Staatexamen in einer Gruppe von ziemlich guten Referendaren passieren kann, dass jemand, der im Vergleich zu dem gar nichts drauf haben dürfte, dann zu den besseren Leuten in dieser Klausur gehört?

Ich hab' mich oft gefragt, was manche Leute in ihren Klausuren machen und wie's sein kann, dass manche wirklich 5-8 Stunden werktags Jura lernen und machen und dann in so einer Klausur solche Fehler machen und Dinge einfach im SV nicht sehen?

Wenn ich's mir jeden Tag intravenös gebe, dann sollte man irgendwann Jura zumindest ein bisschen können.

Aber ich denke, es hat eben viel mit der Lernmethode zu tun. Ich bin absoluter Gegner von Hemmer und vom Lernen am großen Fall. Ich würde nie ganz auf Lehrbücher verzichten, sondern eher mit Lehrbüchern als mit Fallbüchern arbeiten, weil einem ein Lehrbuch, auch wenn man es nur punktuell zum Nachlesen nimmt, einen deutlich besseren Überblick verschafft.

Und wenn ich was im 2. Staatsexamen für schwierig halte, dann ist es, in den StrR-Klausuren wirklich gut zu schreiben, wenn es z.B. eine Anklageschrift oder ein Urteil ist. Wenn's um eine Revison geht und viel StPO ist es etwas anders. Z.B. der Revisionsleitfaden von A /S-Rep hatte damals lumpige 40 Seiten. Wenn man die konnte und noch ein bissl materielles Recht und es kam eine Revision konnte sogar der dümmste Refi aller Zeiten da 9 oder 10 Punkte holen. Das ist dann nur Abspulen von auswendig gelerntem Wissen.

Ich weiß echt nicht, wie manche Leute so viel und so lange lernen können und trotzdem dann so viel falsch machen und falsch einordnen können. Das kann ich nicht erklären und nicht nachvollziehen. Aber das sind ehrlich gesagt auch seltene Fälle, dass jemand so ständig voll daneben liegt. Grade ZivR: Die stopfen den SV so mit Infos voll, dass jeder, der gelernt hat, da locker durchfinden muss. Zwangsvollstreckungsrecht kann schwierig sein. Aber mal ehrlich: Nicht jede Examensklausur ist schwer. Die machen das auch durchwachsen und die wollen eigentlich auch alle, dass alle bestehen. Die Prüfer, die wirklich gemein prüfen, sind wenige böse Exoten. Zumindest sehe ich das so für mein Bundesland. 18 Punkte schreibt kein Mensch, höchstens eine Gottheit. Aber das ist auch nicht nötig. Die SV sind so angelegt, dass die Kandidaten unter Stress und Zeitdruck gesetzt werden. Und daher muss man nicht annähernd alles erkennen und bearbeiten und kriegt trotzdem noch sehr solide Noten. Und in allen Klausuren kommen immer auch ein paar Dinge aus dem Allgemeinen. Also spätestens da kann man die ersten Pünktchen abgreifen und dann braucht man halt noch ein bissl was oben drauf und dann passt das. Es gab bei uns einige in der AG, die hatten auch nicht viel gelernt, wegen Kindern, sind dann auch über die 4 Punkte gerutscht. Manche fangen erst die letzten 3 Monate an zu lernen wie die Idioten: Hat aber für eine Einstellung im ÖD gereicht. Das ist die Realität, zumindest ein Ausschnitt davon.

Mars-Maus

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Re: Realistische Einschätzung

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 19. Jan 2017, 12:41 Uhr

Klausurenschreiben ist vor jedem Examen Pflicht.

Und man sollte das 1. Examen mit solider Note abliefern und nicht nur halt bestehen.

Wer das anders macht, der wird zu 99 % Wahrscheinlichkeit später Probleme kriegen, weil das, was vorm 1. Examen versäumt wird, rächt sich später bitter. Deshalb rate ich zum späteren Prüfungstermin und einer gescheiten Vorbereitung für's 1. Examen. Die Note im 1. Examen spielt tatsächlich nicht die Rolle, die die Note vom 2. Examen spielt. Aber wenn das 2. Examen schlecht wird oder fehlt, dann kommt's wieder auf die Note vom 1. Examen an.

Es gibt noch viele weitere Gründe, weshalb es wichtig ist, eine gute Note im 1. Examen anzustreben und eine gute Vorbereitung zu machen, aber alle Tipps und Tricks will man ja auch nicht verraten.

Mars-Maus

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