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Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

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Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von Lawyer_2015 erstellt am: 29. Sep 2015, 10:11 Uhr

Hallo liebe Jurastudenten!

Habe im Juli diesen Jahres 1. Staatsexamen geschrieben und rechne mit den Ergebnissen so ab Ende Oktober.

Kennt ihr auch dieses teilweise belastende Gefühl beim Warten darauf?

In meiner Situaton frage ich mich, wie ich mit einem negativen Ergebnis umgehen werde.

Da ich jetzt Mitte Oktober mit dem Schwerpunkt so richtig beginne (eine Leistung habe ich schon), frage ich mich, ob ich bei nicht bestandenem Examen direkt weiter lernen soll für den zweiten Versuch oder erst mal den Schwerpunkt durchziehe?
Was meint ihr?

Ich weiß halt nicht, ob ich direkt genug Motivation aufbringe für den zweiten Versuch...
Hab zum Teil die Befürchtung, dass ich erst mal in einem Motivationsloch lande und auf gar nichts erst mal Bock habe.

Wieso ich mir da so Sorgen mache ist, dass ich weiß, dass ich nicht eindeutig bestanden habe.
Schlecht fand ich es nicht, ich hoffe halt, dass es gereicht hat.
Hab echt keine Ahnung...

Ich wär echt der glücklichste Mensch, wenn es beim ersten mal geklappt haben soll.
Dann geht der Weg einfach weiter nach vorne.
Bin nämlich mittlerweile halt auch 27 Jahre alt.

Und für mich reichen die 4 Punkte.
Mein Traum und mein Ziel ist es mich selbstständig zu machen.
Mit der Theorie will ich nicht mehr viel zu tun haben.

Danke für Antworten!

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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von Danny Crane erstellt am: 30. Sep 2015, 11:39 Uhr

Hi!

Also ich habe die Wartezeit auch als ganz schrecklich empfunden und so länger es dauert umso schlechter wurde das Gefühl. Ich glaub da geht es allen so. Versuch dich abzulenken und nach vorne zu gucken. Auf dein Gefühl ist da kein Verlass. Am ehesten realistisch war bei mir das Gefühl direkt nach der Klausur.


Konzentriere dich auf den Schwerpunkt und versuche die Gedankenspiralle zu durchbrechen.


LG und die Zeit des Wartens geht auch vorbei :-P

Danny Crane

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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von Vollpurist erstellt am: 30. Sep 2015, 14:28 Uhr

Nicht verrückt machen! Das ist die schlimmste Zeit im ganzen Juristenleben! Beim Zweiten Staatsexamen ist das nur noch halb so schlimm, da die Durchfallquoten (jedenfalls in Ba-Wü) ein Witz sind (1. Examen 40%, 2. Examen 8%).

Mir ging es ähnlich. War beim ersten Examen auch schon 27 und dachte mir reichen 4, wollte auch immer selbstständig sein. Dann kam es knüppeldick, ich hatte auch ein flaues "oh mein Gott hat es gereicht" Gefühl...Hatte es. Es waren mehr als doppelt so viel Punkte.
Das hat mir im Ref den Weg in die Großkanzleien eröffnet, was mich um so mehr bekräftigt hat mich selbstständig zu machen. Trotz sehr ordentlichen Examina. Manchmal hab ich mir im Ref in der Kanzlei gewünscht dass ich "nur" die ersehnten 4 oder 5 Punkte gehabt hätte, dann wäre mir der Großkanzlei-Schock erspart geblieben. Klar ich hab da unglaublich viel gelernt und gut Geld bekommen neben dem Ref-Gehalt. Aber das "Betriebsklima" sucht mich heut manchmal noch im Traum heim und ich bin dann froh wenn ich aufwache und weiss dass ich selbstständig bin. Übrigens ist der Verdienst gemessen an den Arbeitszeiten als Einzelanwalt pro Stunde besser als in der GK. 100.000 aufs erste Jahr hört sich nicht mehr so toll an, wenn es sich dabei um 6 Tage-Wochen mit mindestens 12 Stunden Tage handelt;) Rechne da mal den Stundenlohn aus. Und die 100.000 sind brutto :)

Vollpurist

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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von Limoncello erstellt am: 30. Sep 2015, 16:55 Uhr

Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen. Selbst mache ich mir auch meine Gedanken ob es überhaupt gereicht haben kann, denn je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Fehler fallen mir ein.

Anfangs nach den Klausuren war mein Gefühl: "War nicht toll, sollte aber bestanden sein", mittlerweile ist mein Gefühl: "Ich habs sowas von verkackt" weil ich einfach zu viel darüber nachdenke und einem zwangsweise Fehler auffallen werden die man gemacht hat.
Dann wiederum denke ich mir, dass es normal ist zu zweifeln. Ich teile dann die Leute von denen ich so gehört hab wie es lief in Gruppen ein.

-Die einen sagen danach klipp und klar, dass sie zufrieden mit den Klausuren und ihrer Leistung sind und bei denen wird es bestimmt auch gut. Ihnen ist natürlich auch klar, dass der ein oder andere Fehler gemacht wurde, aber insgesamt können sie die Leistung realistisch einschätzen.
-Andere wiederum wissen von einigen wenigen Dingen die sie richtig haben, über alles andere wird einfach nicht nachgedacht in etwa: "Ich hab zwar den kompletten zweiten Teil nicht mal mehr anfangen können, aber in Teil 1 war ich echt gut!" Selbst bei diesen Kandidaten gibt es Leute bei denen am Ende eine passable Leistung steht.
-Die Gruppe in die ich mich (du dich evtl auch) einordne sind die "Zweifler". Man weiß nach der Klausur, das man eben nicht alles wusste. Klar hat man auch richtige Sachen hingeschrieben aber jeder einzelene Fehler fühlt sich wie ein Todesurteil für die jeweilige Klausur an.
In Strafrecht einen Tatbestand vergessen? - Durchgefallen!
Bei einer Teilfrage keine Ahnung gehabt und leider völligen Unsinn hingeschrieben? - Durchgefallen!
Ein einzelnes Problem nicht erkannt? - Durchgefallen!
Nicht ganz fertig geworden? - Durchgefallen!

--> Da man mit dieser Einstellung natürlich ständig wieder an die Klausuren zurückdenkt und einem mal wieder neue Fehler auffallen wird die Angst versagt zu haben immer größer. So versuche ich mich dann zu beruhigen:
"Ausnahmslos jeder hat in jeder einzelnen Examensklausur Fehler gemacht. Wenn man etwas übersieht, nicht oder auch falsch bearbeitet bekommt man dafür zwar keine Punkte, aber sie "eliminieren" im Regelfall nicht die Teile und Ausführungen die man richtig gemacht hat. Nicht jeder Fehler ist automatisch ein Todesurteil, der Korrektor wird sich den Rest der Klausur anschauen und für gute Abschnitte auch Punkte vergeben.

Oder sagen wir die Durchfallquote beträgt 35%. Ein nicht unbeachtlicher Teil der Leute die mitschreiben sind schlecht vorbereitete Freischuss-Kandidaten die das nur mal "mitnehmen" wollen. Viele davon schreiben den Versuch nicht mal zu Ende, tauchen aber dann natürlich wieder in der Statistik der "Durchgefallenen" auf. Wieder andere wurden zwangsangemeldet, haben aber schon lange keine Lust mehr auf Jura und sind meist auch deshalb schlechter als Leute die sich vorbereitet haben. Auch sie machen einen Teil der Durchfallquote aus. Es saß also bei weitem nicht jeder der Leute die durchgefallen sind vor der Klausur und hat sein Bestes gegeben!
Ich kenne auch Leute die sich einfach mit den mehr oder weniger vollständigen Unterlagen aus ihren Anfangssemestern vorbereitet haben und dann meist ebenfalls zu den Leuten gehören die durchgefallen sind. Viele nehmen es halt nicht wirklich ernst, das kann am Ende unser Vorteil sein!

Man muss auch beachten, dass eine Klausur mit 4 oder 5 Punkten durchaus erhebliche Mängel aufweisen darf. Hätte sie das nicht, wären es ja mehr Punkte. Man muss sich lösen von dem Gedanken, dass nur mit der Musterlösung maximal 4 Punkte zu erreichen sind. 4 Punkte erreicht man, wenn man einiges richtig gemacht hat, aber anderes dafür auch übersehen oder komplett falsch gemacht hat!"

Ich hoffe diese Gedanken helfen dir ein bisschen!

Limoncello

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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von Lawyer_2015 erstellt am: 30. Sep 2015, 19:56 Uhr

Hey Hey!

Danke euch allen, für eure sympathischen und aufbauenden Antworten! :-)

@Limoncello:

Ich kann deine Art, wie du das ganze kalkulierst :think:, gut nachvollziehen :-D
Ich kenn das von mir genau so :-D

Die wohl echt entscheidene Frage (für mich) ist:

Wie viel will der Korrektor sehen und lesen, damit er einem Prüfling 4 Punkte gibt??
Wenn man z.B. den Schwerpunkt der Klausur nur recht schwach abgehandelt hat, sonst das Grundgerüst steht, hat man wenigstens trotzdem bestanden?

Habe oft mitbekommen, dass schon bei einem Verkennen des Schwerpunkts des Falles das ziemlich mies die Note runter jagen kann... :?
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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von Limoncello erstellt am: 30. Sep 2015, 21:01 Uhr

Was der Korrektor am Ende hören will weiß wohl nur er selbst.
Ich kann mir zwar vorstellen dass es mit den 4 Punkten eng wird wenn der einzige Schwerpunkt komplett missachtet wurde, aber meistens gehen die Klausuren ja eher in die "Breite" als in die "Tiefe". Wenn es bei der Korrektur im Examen so läuft wie in späteren Semestern an der Uni (auch hier stellen ja Professoren Klausur und Lösungsskizze) und im Rep, dann kann man durchaus was vergessen oder falsch machen und muss allein deshalb noch nicht schon um die 4 Punkte bangen.
Man wird immer etwas falsch machen oder vergessen!
Ein Professor an unserer Uni meinte mal, dass insbesondere bei ÖRecht im Examen oftmals die meisten Lösungen komplett von der Lösungsskizze abweichen. Dennoch würden die Korrektoren nach Punkten suchen wo sie nur können.
Man darf im Internet eines auch nicht vergessen: Meistens liest man nur von Leuten bei denen es besonders fies und mies war, egal um welches Thema es geht.
Google mal nach Kopfschmerzen und du wirst dich hinterher fragen ob du tatsächlich nur nen Kater hast oder nicht doch nen Gehirntumor wie es dem einen armen Tropf im Internet ergangen ist der darüber schreibt. So stell ich mir das auch bei den Klausuren vor. Es gibt diese arschigen Korrektoren bestimmt, aber es gibt auch diejenigen (wohl die Mehrheit), die deine Klausur erstmal nach den Ausführungen absuchen die richtig waren und damit auch Punkte geben.
Am Ende wird das zusammengezählt und alles was fehlt oder falsch ist von den Maximal-Punkten abgezogen. Übrig bleibt dann wohl ein Ergebnis das noch nach dem Gesamteindruck etwas hoch- oder runterkorrigiert wird.
So war es im Rep, so war es in den großen Scheinen usw. wieso sollte es im Examen denn so anders sein?
Es gibt mit Sicherheit genügend Leute in jeder Klausur die die gleichen Fehler gemacht haben wie man selbst, aber zusätzlich noch die Sachen die man selbst richtig gemacht hat versemmelt haben!

Limoncello

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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von ArthurLePerroquet erstellt am: 1. Okt 2015, 10:04 Uhr

Mal als ein vielleicht mutmachendes Beispiel aus dem Examen - ein Freund von mir hatte in seiner Examensklausur im ÖffR, bei der es um die Zulassung zu einem Weihnachtsmarkt ging die falsche Klageart erwischt. Zusätzlich hat er die Frage statt nach dem Kommunalrecht mit der Gewerbeordnung geregelt und sich damit auch Probeme im Sachverhalt abgeschnitten. Selbst in der Prüfung der GewO hat er noch Fehler drin gehabt und am Ende hat er 6 Punkte in der Klausur bekommen.
Ich hätte vorher gesagt, dass die falsche Klage und die falsche Norm auf jeden Fall das Todesurteil bedeutet - muss eben auch nicht sein. ;-)

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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von Lawyer_2015 erstellt am: 1. Okt 2015, 21:39 Uhr

haha Arthur, ok :D

Was meint ihr alle?
Wenn ich durchgefallen sein sollte, soll ich am besten gleich weiter auf den Zug aufspringen und sofort weiter lernen für den zweiten Versuch?

Oder erst mal mir Zeit lassen und neue Motivation tanken?
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Re: Das Warten auf Ergebnisse / Umgang mit Misserfolg

Beitrag von law_less erstellt am: 3. Okt 2015, 18:10 Uhr

ArthurLePerroquet hat geschrieben:Mal als ein vielleicht mutmachendes Beispiel aus dem Examen - ein Freund von mir hatte in seiner Examensklausur im ÖffR, bei der es um die Zulassung zu einem Weihnachtsmarkt ging die falsche Klageart erwischt. Zusätzlich hat er die Frage statt nach dem Kommunalrecht mit der Gewerbeordnung geregelt und sich damit auch Probeme im Sachverhalt abgeschnitten. Selbst in der Prüfung der GewO hat er noch Fehler drin gehabt und am Ende hat er 6 Punkte in der Klausur bekommen.
Ich hätte vorher gesagt, dass die falsche Klage und die falsche Norm auf jeden Fall das Todesurteil bedeutet - muss eben auch nicht sein. ;-)



Was??
Also bei AS ist schon viel weniger ein Todesurteil..

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