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Examensstress

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Nichts ist unmöglich.

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Nichts ist unmöglich.

Beitrag von isi2106 erstellt am: 14. Jun 2016, 10:09 Uhr

Hallo liebes Forum.

Nach so vielen negativen Berichten über das Examen wollte ich euch auch mal Mut machen und etwas positives berichten, was meiner Meinung nach hier viel zu selten vorkommt.

Ich bin 2014 durch den Freischuss geknallt, weil ich viel zu wenig Klausuren gelöst habe bzw. überhaupt kein Systemverständnis besaß. Die Zeit danach war für mich die Hölle. Einerseits weil man selbst nun die Person war die es nicht geschafft hatte und ich nicht wusste ob ich es jemals schaffen würde und andererseits tat es weh sich selbst so falsch eingeschätzt zu haben. Kurzum : Man fühlte sich wie der letzte Versager auf Erden und dachte man sei für den ganzen Quatsch einfach zu blöd.

Nun hatte ich das Glück so nette und hilfsbereite Studienkollegen zu haben, die sich meiner annahmen und (ich glaube wirklich fast nur für mich weil meine Kollegen alleine ziemlich gut waren und es nicht so brauchten) mit mir eine AG gründeten. Von da an wurde mir schmerzlich aufgezeigt und mit dem Finger auf die Wunden des Nichtwissens gedrückt bis man irgendwann besser und besser wurde. Es war ein steiniger Weg, aber es war genau die richtige Methode und das nützlichste war einfach sich selbst einzugestehen das man komplett falsch gelernt hat und eigentlich nicht so richtig Ahnung hatte.

Dann meldete ich mich im Januar 2016 wieder zum ersten regulären Versuch an. Der Druck war viel stärker vorhanden, insbesondere der Druck den man sich selbst macht und dazu bekam ich auch noch Neurodermitisschübe ohne Ende und chronisches Herzrasen, sodass ich manchmal nicht mehr in der Lage war mein Bett auszuschütteln ohne nach Kuft zu ringen. Also den psychischen Knacks kann man nicht leugnen. Nichts desto trotz wollte ich es einfach hinter mich bringen, auch um Gewissheit zu haben. Die Klausuren waren dann ziemlich schwer und ungewöhnlich aber ich kämpfte mich durch und gab nicht auf. In der Zeit bis zu den Ergebnissen war ich felsenfest davon überzeugt wieder durchgefallen zu sein. Ich sucht emir sogar schon Alternativstudiengänge heraus bei denen ich mir meine Scheine anrechnen lassen kann.
Dann kam der böse Tag und er ging ohne mich auf der "Versagerliste" zu Ende. Ich konnte es kaum glauben. Ich hatte all mein Selbstvertrauen in mein juristisches Können verloren und wusste erstmal garnicht wie ich damit umgehen soll. Das Ergebnis war dann ziemlich ernüchternd mit 4,66 Punkten und das ziehte mich dann auch wieder etwas herunter.

Aber ab dem Moment als ich meine Punkte sah wusste ich, es galt keine Zeit mehr zu verlieren und ich muss mich auf die mündliche Prüfung vorbereiten. Mein Wunsch war es, es durch die mündliche Prüfung in ein befriedigend zu schaffen. Ich dachte mir, es ist nicht unmöglich aber es wird hart. Die letzten drei Wochen nutzte ich jeden Tag um den Stoff zu wiederholen und dann kam der Tag X. Lange Rede kurzer Sinn, ich habe in der mündlichen Prüfung gekämpft wie eine Irre, immer zu allem was gesagt, versucht jede Frage an mich zu reißen und gezeigt das ich Kampfgeist besitze. Dies wurde auch belohnt. Ich habe mich derart verbessert das ich insgesamt jetzt bei 7 Punkten stehe und im staatlichen Teil bei 6,7 Punkten. Das ausreichend wurde wegradiert und ich bin froh, dass meinem Zeugnis dieser Makel nicht mehr anhaftet. Aber was ich damit eigentlich sagen will ist, das noch alles drin ost und ihr nie aufhören solltet an euch zu glauben! Niemals! Egal welcher Volldepp meint ihr habt doch eh keine Ahnung oder ähnliches. In der mündlichen Prüfung saßen mit mir zwei VB-Kandidaten die kläglich versagt haben und einfach nicht auf einen grünen Ast kamen. Damit will ich nicht sagen, dass es grundsätzlich so ist, sondern das alles offen ist! Ich weiß, das für viele schon diese 7Pkt. nicht die Welt sind, aber für jemanden der vorher 4,66 Punkte darunter stehen hatte schon und sich einfach nur gewünscht hat das endlich alles aufhört und man diese Hürde erfolgreich überstehen kann.

Liebe Grüße

isi2106

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Re: Nichts ist unmöglich.

Beitrag von TobiasG erstellt am: 14. Jun 2016, 13:00 Uhr

Danke für Deinen motivierenden Bericht, der einmal mehr unterstreicht, dass Jura kein Hexenwerk ist oder nur mit der nötigen Begabung geschafft werden kann. Was wirklich zählt (und nur das lässt sich im Übrigen auch beeinflussen), ist die konsequente Vorbereitung und vor allem der Glaube an sich selbst. Du wolltest es unbedingt und hast es deshalb auch geschafft. Ich würde an Deiner Stelle aus dieser Motivation schöpfen und mich im Referendariat voll einbringen, dann wird das Zweite sicher nochmal besser. Und mit Deinem Willen zum Durchbeißen und Deinen offensichtlich vorhandenen Fähigkeiten in Rhetorik und Selbstpräsentation hast Du die besten Voraussetzungen, auch als Anwältin überdurchschnittlich erfolgreich zu werden.

TobiasG

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