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Examensstress

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Motivationsverlust im Endspurt

Kurz vorm durchdrehen? Wenn Du über Examensstress oder Versagensängste schreiben willst, bist Du hier richtig

Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 25. Okt 2016, 17:51 Uhr

Hallo liebe Leute,

ich habe hier doch schon vielfach und oft still mitgelesen, dann aber doch dazu entschlossen mich anzumelden, um auch meine Gedanken rauszulassen und ein gewisses Echo zu suchen.

Ich schreibe im kommenden Frühjahr StEx, habe mich dann 18 Monate planmäßig darauf vorbereitet, inklusive ca 2-3 Monaten für den Schwerpunkt, 12 Monaten Rep und 18 Monaten Klausurenkurs.
Mein Lernplan ist in Wochen, Monate und Fächer eingeteilt und unabhängig vom Rep. Das Rep ist inzwischen auch schon vorbei.
Die Klausurenkurs-Klausuren sind eher dürftig ausgefallen, zwischen 1 und 15 Punkten ist alles dabei. Natürlich weiß ich, dass die Klausuren oft sehr anspruchsvoll sind und vor allem sehr streng korrigiert werden, oft einfach nur stur und stupide an der Lösungsskizze, die auch streitbar ist.

Jedenfalls ist es nun so, dass ich allmählich, nach nun fast 14 Monaten Vorbereitung, in eine Art Depression falle, die Motivation geht verloren, die Luft wird knapp, die Angst größer. Wie das alles jemals schaffen? Wie jemals diese Anforderungen erfüllen? Sobald man etwas lernt, hat man etwas anderes wieder vergessen. Ich konzentriere mich freilich nicht aufs auswendiglernen, aufs Lernen von Theorien und unbedeutenden Streits, sondern vielmehr darauf, die Zusammenhänge zu verstehen, Recht anwenden zu können, letztlich werden die Klausuren unbekannt sein.
Trotzdem habe ich Angst, auf den letzten Metern die Luft zu verlieren, zu stolpern, mich zu verirren und nicht mehr weiter zu wissen, natürlich auch davor, letztlich zu versagen.

Gerade mit der Schwerpunktklausur habe ich gemerkt, was man in einer Examenssituation alles abrufen kann, wie völlig anders man agiert und reagiert, im Vergleich zu den Probeklausuren, die man an einem Freitag- oder Samstagvormittag vor sich hin schreibt, auch um zu lernen, aber irgendwie ist man unterbewusst natürlich viel lockerer, viel ungezwungener, man blickt auf die Uhr, wünscht sich das Wochenende herbei und "schreibt mal lieber ne Seite weniger" bzw ist einfach nicht so genau, nicht so fixiert und konzentriert wie in einer richtigen Prüfungssituation.
All das macht es gerade schwierig, auch wenn ich versuche, mir weiter Schwung zu geben, mich aufzurichten, nach vorne zu schauen.

Natürlich kann in einem halben Jahr alles anders aussehen. Natürlich kann man hinterher leicht sagen "war alles halb so wild" - wie nach dem Abitur. Und doch bleibt jetzt gerade in den letzten Monaten die Angst, der Streß den man sich selbst macht, auch die Verzweiflung vor dem Haufen an Stoff und gerade den Dingen, die man vor über einem Jahr gelernt und mittlerweile wieder vergessen hat. :hammer:

Ich freu mich auf eure Gedanken.

MrWatkins

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von bahami erstellt am: 27. Okt 2016, 14:12 Uhr

Ich finde deine Vorbereitung hört sich sehr solide an. Das Einzige ich ich dir raten würde ist stets gegen die Vergessenskurve anzukämpfen.

Ich habs so gemacht dass ich spätestens nach 2 Wochen, ein Rechtsgebiet was ich in der Zeit nicht gemacht hab, komplett nochmal durchgehe. Dauert in der Regel gut anstrengende 6-8 Stunden, aber man kann es schaffen alle Basics und Schemata in einem Tag durchzugehen. So kannst du den Verlust von Wissen durch Vergessen effektiv verhindern.

Die Motivation kommt spätestens wieder wenn du die Ladung bekommst BTW :D
Und anhand deiner Vorbereitung bisher, solltest du m.E. langsam runterschalten und vielleicht 1 Monat noch durchpowern.

Ich schreibe selbst gerade, und kann dir sagen dass man die 2 Wochen nicht unterschätzen sollte von der Belastung. Daher macht es m.E. Sinn zuzusehen dass man relativ frisch und unverbraucht da rein geht.

Was den Stress in der Klausur selbst angeht, wirst du den nicht vermeiden können. Aber nach der ersten Klausur wird es schon viel besser.

Wenn du nicht gerade 12 Punkte haben willst, kann ich mir nicht vorstellen dass du Probleme haben wirst bei der Vorbereitung.

bahami

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 27. Okt 2016, 16:26 Uhr

Hey bahami,

danke für deine Antwort.

Die Vergessenskurve ist sicher das nächste Problem. Ich habe zwar vereinzelt Wiederholungswochen eingeplant, nun ergibt sich aber natürlich, dass gegen Ende die Fächer so viele werden, das alles jeweils zu wiederholen ist zeitlich dann noch unmöglicher.
Mein Lernplan endet zum Februar, dass ich eigentlich noch einen Monat vor dem Examen Zeit habe, 4 Wochen lang alles zu wiederholen. Meine Skripte, meine Karteikarten.
Vor der Strafrechtsklausur kann ich zumindest 1-2 Stunden da das wichtigste nochmal anschauen, das Wochenende vor dem öffentlichen Recht hier nochmal zumindest jeweils einen halben Tag alles nötige durchgehen.

Nach außen mag das toll klingen, 12 Punkte wären zwar mein Ziel, aber wohl eher ein Wunschdenken :WTF: naja.. auch lässt man sich eben mit der Zeit immer mehr ablenken, sodass man zwar stundenlang da sitzt, aber wie viel man letztlich effektiv schafft, sei mal dahingestellt.

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von bahami erstellt am: 28. Okt 2016, 15:46 Uhr

Ich fand zum Ende eigentlich nur noch Mindmaps und sehr grobe Skripte nützlich. z.B. Mindmaps vom gesamten BGB ohne Nebengebiete, kann man in 6 Stunden mit Gesetz nachlesen (fand ich sehr nützlich) durchgehen
Detailwissen bringt nichts mehr und es ist sowieso da, du musst dich nur errinern an welcher Stelle.

Schau einfach in das Inhaltsverzeichnis von deinem Lehrbuch. Wenn du merkst dass du zu jeder Überschrift was sagen kannst, hast du eigentlich keine Lücken mehr. (Wenn sie dich z.B. kein Verfahren in Örecht fragen können was du nicht aufbauen kannst)
Ich finde sobald du sicher weißt dass du auf jeden Fall dei Aufbau und Definitionen von Allem kannst was in der Prüfungsordnung steht, kannst du halbwegs entspannt reingehen. Dann gibt es halt fast nichts mehr wo du kein Schlachtplan hast.
Wie es dann bei der jeweiligen Klausur läuft kannst du einfach nicht managen, es kommt immer auf die 2 Stunden an die du effektiv zum Denken hast :hammer: :hammer: :hammer:
Und manchmal bringen sie Sachen wo niemand eine Ahnung hat um zu gucken wie man mit dem Gesetz umgeht (War bei unserer ersten Örecht Klausur so)

Aber wie gesagt, wenn du gut Klausuren geschrieben hast, wirst du im Examen keine zu großen Probelme haben.
Punkte muss man sich sowieso aus der jeweiligen Klausur holen, wo man sie halt kriegt und abhängig davon wie gnädig/bzw. überzeugt von deinen Ausführungen der Prüfer ist.

bahami

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 28. Okt 2016, 22:02 Uhr

Bahami hat schon alles Wichtige geschrieben.
Du hast getan, was geht und dann ist der Rest Kismet.

Du kannst Dich nur gut drauf vorbereiten und Du kannst nicht alles direkt vorm Examen noch mal zeitnah durchgehen. Irgendwas fällt zwangsläufig immer hinten runter und den Kampf gegen das Vergessen kämpfen alle Examenskandidaten. Was auch immer dir Sorgen macht, wo Du glaubst, Du kriegst es nicht gut genug hin, kannst Du versichert sein, dass die anderen Mitschreiber die selben Nöte plagen und die selben Schwierigkeiten haben.

Ich hab' immer auch vor allem gebibbert. Und das geht aber verdammt auf's Herz und auf's Hirn. Irgendwann hab' ich mir gesagt: Das hält auf die Dauer keiner aus, da verreckt man ja. Es reicht, wenn ich mich die letzten 3 Tage vorm Horrortag aufrege, das ist noch früh genug, um sich verrückt zu machen. Also bleib' ich heute bis 3 Tage vor einem schlimmen Termin gelassen und die Ruhe selbst wie ein fetter Buddha. Und wenn dann die 3 Tage angelaufen sind, hab' ich irgendwann gedacht: Och, ja, 3 Tage vorher schon durchdrehen. Das ist viel zu früh. Es reicht, wenn ich mich die letzten 10 Minuten vor dem Horrortermin aufrege, da kriegt mein Herz noch genug Stresshormone ab. Ich bin zu alt für den Scheiß. Ich darf und kann mich nicht mehr soviel aufregen. Und seidem bin ich deutlich ruhiger geworden und lass' vieles an mir einfach abprallen. Es gibt Leute, die arbeiten 80 bis 90 Stunden die Woche unter höchstem Druck und sind glücklich dabei. Ich habe mich gefragt wie die das machen. Und eigentlich ist es ganz einfach: Die lassen sich vom Stress einfach nicht stressen. Stress hat man immer. Wichtig ist, dass man sich von dem nicht so mitnehmen lässt, sondern gelassen bleibt, wenn alle hektisch werden und Panik verbreiten. Werde stoisch, das hilft ungemein weiter!! :-)

Kopf hoch, Du bist nicht allein damit, das geht allen Studenten so.

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 31. Okt 2016, 13:32 Uhr

Hello und danke für eure Antwort.
Ich würde es nicht als Streß bezeichnen, der Streß ist nur letztlich das Ergebnis was im Kopf herauskommt. Nicht das Examen streßt mich, mehr die Angst vor dem großen Unbekannten.
Klar kann man später einfacher darüber reden als zuvor, wie im Abitur. Aber jetzt weiß man nicht was einen erwartet und letztlich geht auch jeder anders damit um.

Mindmaps sind ehrlich gesagt nicht so mein Ding. Aber die Idee mit dem Inhaltsverzeichnis ist eigentlich ganz gut.
Wie habt ihr die letzten Wochen/Monate verbracht? Geht man vom Klausuren schreiben ins Klausuren gliedern über oder schreibt man trotzdem noch viel?


Naja letztlich gibts keinen Masterplan mit Garantie, jeder verfolgt seinen eigenen Idealplan in der Hoffnung, dass es der Masterplan ist. Das hoffe ich hier ja auch. Momentan ist die Motivation auch wieder zurück, die Lust wieder da. Jura macht ja auch eine Menge Spaß. Das Problem ist einfach nur das dicke Ende, da muss man iwie durch und das am besten auch mit einem super Ergebnis.

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 2. Nov 2016, 18:21 Uhr

12 Punkte sind halt auch wirklich schon ein anspruchsvolles Ziel, das kriegt man so einfach nicht hin.

Aber es wird seinen Grund haben, warum Du diesen Notenbereich ansteuerst. Es gibt ja nicht nur die schlechten und durchschnittlichen Juristen, sondern es gibt ja immer wieder Genies, Begnadete, Hochbegabte und Überflieger. Da ist der Griff nach den Sternen wirklich einen Versuch wert. Und wenn der entsprechende Fleiß und Motivation zusammenkommen, dann spielt so jemand halt in der obersten Klasse mit.

Die Macht sei mit Dir, junger Jedi! ;-)

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 14. Nov 2016, 16:33 Uhr

Liebe Mars-Maus,

danke nochmal für deine Antwort. Um nochmal darauf zurückzugreifen, freilich sind 12 Punkte ein anspruchsvolles Ziel. Aber ein Ziel muss man haben, wie sagt Hemmer so schön. wenn man 4 Punkte als Ziel hat, sind es auch schnell nur 3. :|

Ich bezeichne mich nicht als Genie oder hochbegabt, würde im Traum auch nicht daran denken. Vielmehr war ich sehr faul. Die ZP ist mir erstaunlich gut gelungen, in den Übungen bin ich gut durchgekommen, die Noten waren hier egal, 4 gewinnt, es hat immer im 1. Anlauf geklappt, nie musste ich etwas wiederholen, und das ist für mich schon wirklich super toll.

Aber jetzt kommt das große Unerwartete, das große Unbekannte. Natürlich gehts nich nur mir so, sondern jedem. Trotzdem reagiert natürlich jeder anders darauf und versucht damit umzugehen.
Und woran hält man sich in dieser Zeit fest? Naja, einziger Anknüpfungspunkt und Strohhalm sind wohl die Übungsklausuren. Wie ich oben schon schrieb, schreibe ich jede Woche 1-2 Klausuren, momentan eher 1 als 2, ich schaffe die 2 meistens nicht. Da hofft man dann natürlich, dass sich die Noten bessern.

Und so habe ich inzwischen alle Themen die es dazu gibt gegoogelt und gelesen. Ja, die Übungsklausuren sind wohl nicht vergleichbar mit dem Examen, auch die Bewertung ist es bei weitem nicht. Ob der Spruch "Hemmer+3" stimmt, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass im Examen ganz anders korrigiert wird und auch die "Konkurrenz" eine ganz andere ist, ganz anderes reagiert und ganz anders schreibt als in Übungsklausuren.
Doch ich komme im Schnitt einfach nicht raus. Klar ist mal ein Ausreisser dabei (gewesen), aber zwischen 4 und 6 Punkten (manchmal auch 3) ist einfach nicht berauschend. Auch wenn man die Klausuren niemals in Prüfungssituation schreibt, wo man ganz anders reagiert. 4 Punkte sind kein Strohhalm, keine Hilfe, keine Stütze.

Gerade wenn man nach Prüfungsklausuren denkt, was das jemals werden soll, wie dieses Examen jemals klappen soll, ist das alles sehr ernüchternd und nicht gerade förderlich, die letzten Wochen und Monate zu überstehen.

MrWatkins

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von CarpeDiem2 erstellt am: 14. Nov 2016, 21:42 Uhr

Mir geht es genau so wie Dir! Bei mir ist auch von 1- zweistellig alles drin. Wenn ich genug Wissen hatte, liefen die Klausuren auch gut. Das Schreiben an sich, war dann kein Problem. Umgekehrt saß ich oft ahnungslos da und die Punktzahl sah dementsprechend aus.

Ich habe sogar eine Art Angst vor den Übungsklausuren entwickelt und habe mich strikt auf den Stoff konzentriert, Fälle und Klausurlösungen durchgearbeitet und die Systematik versucht zu verstehen. Stehe auch kurz vor dem Examen und habe vor, wenn ich mir sicher bin den Stoff zu beherrschen, noch ein paar Klausuren zu schreiben. Werden dann zwar wenige sein und kurz davor, aber ich sehe einfach keinen Nutzen mehr darin jede Woche mindestens einmal zu merken, dass es mir doch an Wissen fehlt.

Ich werde die Übungsklausuren dann auch als "Übung" betrachten, wenn ich wieder anfange zu schreiben. Ich kenne einige, die oft durchgefallen sind, dennoch bestanden haben und zwar weit drüber! Wenn ich mit meinen bisherigen Gedanken weiter verfahre, werde ich mich ansonsten an keine Klausur mehr trauen.

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von Mars-Maus erstellt am: 19. Nov 2016, 21:29 Uhr

Du lernst doch auf das 1. Examen, oder? Freischuss oder erster richtiger regulärer Versuch? Ich kann mich grade nicht erinnern, ob du's oben geschrieben hast...

Das spielt ja auch eine Rolle...


MrWatkins hat geschrieben:Ich bezeichne mich nicht als Genie oder hochbegabt, würde im Traum auch nicht daran denken. Vielmehr war ich sehr faul. Die ZP ist mir erstaunlich gut gelungen, in den Übungen bin ich gut durchgekommen, die Noten waren hier egal, 4 gewinnt, es hat immer im 1. Anlauf geklappt, nie musste ich etwas wiederholen, und das ist für mich schon wirklich super toll.


Das hat gar nix zu sagen. Ich kannte solche Leute und die sind mit dem ersten und zweiten Examen zu Überfliegern mutiert. Auch die Abinote ist total egal.

MrWatkins hat geschrieben:Aber jetzt kommt das große Unerwartete, das große Unbekannte. Natürlich gehts nich nur mir so, sondern jedem. Trotzdem reagiert natürlich jeder anders darauf und versucht damit umzugehen.


Es ist nicht das große Unbekannte. Diese Prüfung haben schon soviele Leute geschrieben, man kennt von den Probeklausuren die Inhalte. Besonders wenn man am Uni-Klausurenkurs mitschreibt, ist das immer Examen der Vorgänger in Probedurchlauf. Daran kann man sich schon orientieren.

MrWatkins hat geschrieben:Und woran hält man sich in dieser Zeit fest? Naja, einziger Anknüpfungspunkt und Strohhalm sind wohl die Übungsklausuren.


Es gibt 'ne ganze Menge Parameter außer den Ergebnissen in Probeklausuren, die Dir sagen können, ob Du was kannst oder nicht und wo Du stehst:
1. Verstehst Du, was Du liest?
2. Verstehst Du im Rep, was besprochen wird?
3. Hast Du oft die Lösung richtig oder sogar vor anderen, bist also schneller?
4.Kannst Du die Konkurrenz hinter Dir lassen, auch dann, wenn's fachlich anspruchsvoll wird, z.B. in einer Diskussion mit Kollegen im Rep in der Pause?
5. Wie sehen Rückmeldungen von anderen aus, was sagen die, wo sehen die Dich?

Es gibt also doch eine ganze Reihe von Indikatoren, die Dir über Deine Fähigkeiten als Jurist Rückmeldungen eintragen können. Wenn Dir vieles leicht vorkommt, worüber andere stöhnen, dann ist das ein Hinweis, dass Du es besser begreifst und besser merken kannst.

MrWatkins hat geschrieben: Wie ich oben schon schrieb, schreibe ich jede Woche 1-2 Klausuren, momentan eher 1 als 2, ich schaffe die 2 meistens nicht. Da hofft man dann natürlich, dass sich die Noten bessern.


Kommt drauf an, wieviele Du schon geschrieben hast. Wenn Du schon recht fleißig dabei warst, würde ich die letzten zwei Monate vorm Examen nur 1 pro Woche schreiben und lieber so noch lernen. Ganz einfach aus dem Grund, dass Du nicht zum Examen hin Problemchen mit Arm und Hand kriegst. So'ne verdeckte Entzündung irgendwo kann sich mal schnell dann während dem Examen zeigen. Man sollte sich körperlich die letzten 4 Wochen vorm Examen fit machen, bissl spazieren gehen, radeln usw. Auch noch Klausuren schreiben, aber man sollte nicht total ausgepowert ins Examen gehen. Mittelweg finden! 2 Klausuren pro Woche kosten auch viel Stunden, die weg sind für das richtige Wiederholen.

MrWatkins hat geschrieben:Ob der Spruch "Hemmer+3" stimmt, kann ich nicht beurteilen.


Kann ich Dir nicht sagen. Ich war vor gefühlten 1000 Jahren bei Hemmer und bereue das bis heute. Da musst Du auf andere User hoffen, die Dir dazu Rückmeldung geben können.

MrWatkins hat geschrieben:Fakt ist, dass im Examen ganz anders korrigiert wird und auch die "Konkurrenz" eine ganz andere ist, ganz anderes reagiert und ganz anders schreibt als in Übungsklausuren.

Ja.

MrWatkins hat geschrieben:Doch ich komme im Schnitt einfach nicht raus. Klar ist mal ein Ausreisser dabei (gewesen), aber zwischen 4 und 6 Punkten (manchmal auch 3) ist einfach nicht berauschend. Auch wenn man die Klausuren niemals in Prüfungssituation schreibt, wo man ganz anders reagiert. 4 Punkte sind kein Strohhalm, keine Hilfe, keine Stütze.


Wichtig ist, dass Du den Stoff bis zum Examen größtenteils kannst. Wenn Dir ein Rechtsgebiet in der Probeklausur bekannt ist, solltest Du punkten können. Wenn es ein Rechtgebiet ist, wo Du ein bissl was weißt, solltest Du doch einen Teil der Klausur irgendwie so bearbeiten können, dass es mindestens 3 Punkte sind. Wenn das so nicht ist, dann denke ich, bist Du noch nicht examensreif in dem Sinn, dass es für den Freischuss gehen würde und man den machen sollte. Ich schätze, so, wie ich es jetzt lese, so ein, dass Du noch nicht Deine Idealform hast und Dir noch Zeit fehlen wird, um Dich besser vorzubereiten. Das Gehirn braucht einfach auch eine gewisse Zeit, um mit gelernten Inhalten dann wirklich souverän umgehen zu können. Vielleicht hast Du Dich noch nicht genug mit Jura auseinandergesetzt, um Deine persönliche Bestform zu haben.

MrWatkins hat geschrieben:Gerade wenn man nach Prüfungsklausuren denkt, was das jemals werden soll, wie dieses Examen jemals klappen soll, ist das alles sehr ernüchternd und nicht gerade förderlich, die letzten Wochen und Monate zu überstehen.


Das ist immer so und die Probeklausuren sind immer was, was negativ runterzieht. Bei den meisten sind einfach lange nicht berauschend, grade in den Reps. Die müssen ja viele Klausuren produzieren und die sind nicht immer so wie das, was im Examen kommt.

Muss man - denke ich - auch relativiert sehen. Ich hab' echt schon alles erlebt: Leute, die immer schlecht waren, dann ganz ordentlich abgeschlossen. Leute, die immer Klausuren geschrieben haben und gelernt haben wie die Irren und im Klausurenkurs bei A/S richtig gut waren, sind neben mir in der Mündlichen gehockt und haben um die 4,0-Grenze gekämpft. Soviel zum Vorhersagegehalt von Rep-Klausurenkursen.

Wichtiger als alle Korrekturergebnisse ist, dass Du weißt, was Du da tust und dass Deine Klausuren einen klaren roten Faden haben und Du souverän das juristische Werkzeug fachmännisch einsetzen kannst und Du dem Korrektor zeigst, dass Du weißt, was hier gespielt wird. Und da ist es wichtiger, was hinzuschreiben, dass Du selbst verstehst und das einleuchtend formulierst als auswendig gelernte Theorien halb gelernt und halb vergessen, irgendwie da hinzuschustern. Oft hilft es mehr, einfach seinen gesunden Menschenverstand nicht ganz abzuschalten und einfach logisch aufzubauen und zu argumentieren.

Und Du wirst im Examen keine Zeit haben, Angst zu haben oder über irgendwas nachzudenken. Ich kenne Leute, die haben während dem Examen jedes Knacken der Heizung mitbekommen, die haben gekuckt, welche Gesetze die anderen aufgeschlagen haben.... Sowas darf nicht sein. Du setzt Dich hin und versenkst Dich für 5 Stunden geballte Aufmerksamkeit und Fokus auf diese Klausur und hangelst Dich an dem Sachverhalt entlang. Jeder Satz im Klausursachverhalt hat x Infos für Dich. Das ist Deine Landkarte im Dschungel. Der SV ist nicht Dein Feind, sondern der beste Freund im Examen und das Stichwortverzeichnis, die liebe Idiotenwiese, kann auch öfter mal helfen, wenn man gar keinen Plan hat.

Die Klausur sagt Dir, wenn Du ordentlich gelernt hast, wohin die Reise geht. Wenn Du bei einem Problem nicht sicher bist, dann wird Dir die Klausurtaktik fast immer genau das Ergebnis vorsagen. Du musst nur sozusagen eine "Klausurflüsterer" werden. Die Klausur und das Gesetz sagen Dir extrem viel, was Du nur abschreiben und passend zusammenfügen musst. Da hilft aber nur vorher gut zu lernen und dann in der Klausur komplette Konzentration auf die Klausur und alles, was da nicht hilft, ist in dem Moment aus Deinem Kopf draußen.

Es gab schon Leute, die haben nach ordentlichem Studium und 6 Monaten Examensvorbereitung über 11 Punkte im 1. Examen geschafft. Die gingen natürlich schon mit einem hohen Stand an wissen in die Vorbereitung. Aber man sieht halt an solchen Leuten, dass es ganz verschieden laufen kann.

Die beste Methode mit dem Examen umzugehen, ist: Nicht so viel drüber nachdenken, sondern einfach Jura machen und dann diese jetzt anstehende Prüfung machen und dann weitersehen.

Dir dann alles Gute!

Mars-Maus

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Re: Motivationsverlust im Endspurt

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 21. Nov 2016, 12:14 Uhr

Liebe Mars Maus, danke für die ausführliche Antwort.

Ich schreibe zwar den Freischuss, gedanklich möchte ich aber davon völlig unabhängig sein. Von Anfang an war geplant, das Examen zu schreiben, wenn ich dafür bereit bin, egal wann und egal ob es dann der Freischuss ist oder nicht; will sagen, ich schreibe den Freischuss nicht als Probe o.ä. sondern völlig regulär.

Darf ich dich fragen, warum du Hemmer bis heute bereust?

Ansonsten beschäftige ich mir bis auf ein paar Ausnahmen sehr sehr wenig mit anderen Juristen. Diese ganze Panikmache ist nichts für mich. Ich arbeite seit dem 1. Semester fast ausschließlich für mich alleine. Ich bin kein Einzelgänger oder so, aber diese Gerüchte, das Gerede etc. hat mich schon immer genervt und ich bin alleine immer am besten gefahren.

Freilich verstehe ich, was ich lese und was im Rep besprochen wird. Ich habe inzwischen ca. 50 Klausuren geschrieben. Seit ich bei Hemmer bin bis auf zwei drei wegen Urlaubs alle im Hemmer-KLK, ein paar vom Uni-Rep. Die restlichen Uni-Rep-Klausuren habe ich alle gespeichert und möchte ich in den Wochen vor dem Examen oder in der Weihnachtszeit durchgehen und zumindest gliedern.

Ansonsten muss ich sagen, dass mir eigentlich nie ein Rechtsgebiet in der Klausur wirklich unbekannt war. Ich mache meine Fehler und lerne daraus für die nächsten Klausuren, oftmals scheine ich auch zu oberflächlich geprüft zu haben (bin gestern Abend mal alle meine alten Klausuren durchgegangen bzw die Korrekturanmerkungen). Eine Veränderung merke ich dann dahingehend, dass ich inzwischen einfach mehr schreibe und versuche, wenn notwendig, tiefer ins Detail zu gehen, tiefgründiger zu prüfen. Wenn ich noch Lücken habe, dann auch dort, wo mein persönlicher Lernplan noch nicht hingekommen ist. Dieser läuft entgegengesetzt zum Lernplan des Reps, einfach um alles dreimal gehört zu haben und zwar nicht parallel. Der Lernplan endet ca. zum Jahresende/ im Januar, dann sind noch zwei Monate Zeit bis zum Examen. Aber ich merke selbst, dass es besser wird, dass die Idealform Gestalt annimmt.
Sofern es eine Idealform wirklich gibt.

Auch dein letzter Satz ist sehr hilfreich und bestätigt zumindest meine Absicht. Eintauchen, nicht nachdenken und den SV so nehmen, wie er ist, das beste daraus machen.

MrWatkins

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