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Examensstress

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Unfähigkeit zu Lernen

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Unfähigkeit zu Lernen

Beitrag von Ralle erstellt am: 21. Nov 2016, 10:34 Uhr

Hallo,

ich schreibe in Bayern das erste Examen und komme einfach in keinen Lernrythmus. Ich war relativ schnell Scheinfrei. Dann habe ich jedoch aufgrund von Schicksalsschlägen eine längere Pause gemacht, in der ich garnicht gelernt habe.

Als ich an der maximal Studiendauer war, habe ich mein erstes Examen zum ersten Mal versucht und bin kläglich gescheitert. Ich hatte damals schon ein Repetitorium besucht. Dies aber wegen oben genanntem Grund kaum wahrgenommen.

Nun habe ich dieses ein zweites Mal gemacht. Allerdings kann ich mich einfach nicht motivieren und halte keinen Lernplan den ich mir selber setze ein.

Wenn ich etwas lerne, habe ich das Gefühl es sofort zu vergessen und es gar nicht aufzunehmen, sondern einfach von mir "abprallen" zu lassen.

Mir ist klar, dass ich schon zu lange studiere und aufgrund fehlender Disziplin große Probleme habe. Dennoch möchte ich dies schaffen. Ich weiß nur gerade nicht wie.

Mir hat man gesagt, ich soll Klausuren schreiben, auch wenn ich keine Ahnung habe. So kommt die Übung.
Allerdings habe ich beim Schreiben schon solche Blockaden, dass ich nicht einmal dies tue.

Ich schreibe deshalb hier, da ich mir dachte, dass jemand anderes eventuell schon einmal vor einem ähnlichen Problem stand und mir mit Tipps weiterhelfen kann.

Soll ich eventuell Fälle für frühe Semester machen um wieder einen Einstieg zu finden?

Ich hoffe ich konnte mein Problem verständlich machen.
Vielen Dank für eure Hilfe.

Ralle

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Re: Unfähigkeit zu Lernen

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 21. Nov 2016, 12:01 Uhr

Servus Ralle,

du scheinst wirklich ein größeres Problem zu haben. Das zu analysieren ist zwar hier sicher nicht möglich, aber es gibt auch generelle Tipps, damit umzugehen.

All deine Probleme beruhen scheinbar auf deiner Psyche. Scheinfrei zu sein heißt in meinen Augen erstmal nichts, außer vielleicht, dass du mit Jura nicht ganz auf der falschen Spur bist. Aber der Mensch muss vor allem auch mit schweren Schicksalsschlägen zurecht kommen, die niemandem erspart bleiben und meist eine Frage der Zeit sind.

Ich kann aus dem Text heraus auch schlecht beurteilen, wie es dir geht, sondern nur Vermutungen anstellen und mit meiner Situation vergleichen.

Was bringt es, kleine Fälle aus früheren Semestern zu lernen? Die Probleme, die Breite und die Erwartungen im Examen sind anders, und das ist jetzt dein Ziel. Du hast aber sicher die Rep-Unterlagen, d.h. wenn dann musst du damit arbeiten.

Je nach dem wie viel Zeit du hast, was du nebenbei machst, wie dein soziales Umfeld sind, würde ich versuchen, erstmal die Psyche anzugehen, sonst blockierst du dir alles von Vornherein.

I) Nimm dir ein oder zwei Wochen und schalte ab. Fahr weg, weit weg wenn möglich, oder einfach nur raus aufs Land, in die Berge, wo du Ruhe findest. Nimm dir Zeit für dich, sortiere dich, mach dir Gedanken wie es weitergehen soll.

II) Sprich mit Freunden, Eltern, Freundin, Vertrauenspersonen. Geh wenn möglich zu deinem Hausarzt und sprich mit ihm darüber. Gerade psychische Probleme darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Motivations- und Disziplinlosigkeit wurzeln oft tief in der Seele.
Ich persönlich empfehle auch Johanniskraut, aus dem Drogeriemarkt oder höher dosiert aus der Apotheke - rezeptfrei - gegen "leichte Depressionen". Das hilft gegen derartige Probleme in meinen Augen wirklich.

III) So sollst du insgesamt versuchen, innerlich zur Ruhe zu kommen um dann entspannt dein Projekt Examen anzugehen:

1. Analysiere dich. Wo stehst du, was kannst du, was sind die Probleme, woran hats im Examen gelegen, dass du gescheitert bist? Ich denke, diese Fragen können wir hier mit deinem Text nicht beantworten.

2. Wann willst du das Examen schreiben, wie viel musst du dafür tun. Du musst dir einen eigenen Plan entwickeln, das kann dir niemand abnehmen. Oft bieten auch Unis wie die LMU entsprechende Pläne. Nutze die Rep-Unterlagen von früher, geh ins Uni-Rep, zwing dich dazu, setz dich mit der Materie auseinander und setz dir das Examen als Ziel. Versuch dich auch selbst zu motivieren, wenn du den Wunsch und das Verlangen hast, das Examen zu schreiben.

3. Nimm dir so viel Zeit wie nötig ist. Wann du das Examen schreibst, ist völlig egal. Du musst es bestehen. Versuche nicht in Panik zu geraten, sondern sachlich und konzentriert an dein Projekt heranzugehen.
Versuche also deine Vergangenheit "abzuschließen", einen Strich darunter zu machen. Vergiss, wie lange du studiert hast, was zählt ist jetzt das Projekt Examen.

Auch ich hatte Zeiten vollen Motivationsverlust, konnte keine Klausur mehr schreiben, es ging einfach nicht, ich war blockiert. Ich habe mit meiner Freundin darüber gesprochen, mit Freunden geredet, wirklich mal ein paar Tage gar nichts gemacht und Jura verdrängt. Aber ein wichtiger Teil des Examens ist in meinen Augen Stressresistenz sowie die körperliche Beherrschung sich immer wieder aufzuraffen, zu motivieren um die lange Zeit der Vorbereitung meistern zu können. Ob man das durch Urlaube, Ausflüge, Stimmungsaufheller verschiedenster Art macht, manche motivieren sich auch indem sie "Suits" oder so schauen. Egal, wichtig ist, zu sich zu finden und die Ruhe zu bekommen, ohne innere Blockaden sein Projekt Examen abzuschließen.

Ich hoffe, ich konnte irgendwie ein bissal helfen, wünsche Dir ganz viel Erfolg.

MrWatkins

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Re: Unfähigkeit zu Lernen

Beitrag von bahami erstellt am: 23. Nov 2016, 15:54 Uhr

Hey Ralle,

ich hatte ähnliche Probleme wie du und kam zu dem Schluß, dass langfristiges Lernen, also über 1+ Jahr, einfach nichts für mich ist.

Zum Examen selbst habe ich mir daher ein Terrorprogramm verordnet:
7 Tage für ÖR sowie 7 für SR, 14 für Zivilrecht. Ziel: Alle Basics, unbedingt AT in allen Rechtsgebieten, alle Schemata sowie die wichtigsten Definitionen.

Wenn man sich das Ziel setzt das Rechtsgebiet in der vorgegebenen Zeit drauf zu haben, lernt man entsprechend effektiv. Denn dann weißt du bei Str. z.B., dass du noch BT machen musst, und nur noch 2 Tage Zeit hast. :twisted:

Bei den Materialien kann ich insbesondere im BGB Mindmaps empfehlen, mit Systemverständnis kann man viel reissen, insbesondere wenn man keine Ahnung hat.

Klausuren Schreiben ist dann nicht mehr angesagt, wohl aber Klausur Skizzen bauen. Denn die werden im Examen dein Strohhalm im Meer des Wahnsinns sein.
Wenn die Skizze nämlich steht in 2 Stunden, kannst du entspannt runterschreiben.

Im Examen selbst habe ich auch in den Tagen zwischen den Klausuren noch Vollgas gegeben, was mir sehr geholfen hat.

Das Ganze ist ziemlich hart und ungesund, am Ende jedoch durchaus effektiv.

Ob ich mit der Methode bestanden hab, weiß ich noch nicht, kann aber sagen dass ich in Jura, so fit war wie noch nie zuvor.
Terror macht fleißig :hammer: :hammer: :hammer:

Prof. Schwintowski empfiehlt ein ähnlich komprimiertes Konzept:
https://www.iurratio.de/klausuren-im-er ... atsexamen/
(Effektiv 28 Tage für den Stoff an sich)

bahami

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Re: Unfähigkeit zu Lernen

Beitrag von Funai erstellt am: 29. Nov 2016, 11:28 Uhr

bahami hat geschrieben:Zum Examen selbst habe ich mir daher ein Terrorprogramm verordnet:
7 Tage für ÖR sowie 7 für SR, 14 für Zivilrecht. Ziel: Alle Basics, unbedingt AT in allen Rechtsgebieten, alle Schemata sowie die wichtigsten Definitionen.

Wow, das ist echt heftig :WTF:
Mit welchen Materialen hast du denn gelernt? Ich brauche schon mehr als 28 Tage, um alles einmal zu lesen und zu verstehen...

Funai

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Re: Unfähigkeit zu Lernen

Beitrag von Desire85 erstellt am: 30. Nov 2016, 12:46 Uhr

@bahami

Und wie lange hast du dich dann insgesamt aufs Examen vorbereitet? Mit welchem Vorwissen?

Desire85

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Re: Unfähigkeit zu Lernen

Beitrag von bahami erstellt am: 30. Nov 2016, 13:13 Uhr

Desire85 hat geschrieben:@bahami

Und wie lange hast du dich dann insgesamt aufs Examen vorbereitet? Mit welchem Vorwissen?


Ich habe nach dem Shwerpunkt ein Jahr Rep gemacht bei Kraatz in Berlin. War gewissenhaft dabei, allerdings zu wenig wiederholt, so dass ich sehr viel wieder vergessen hatte.

Danach lernte ich sporadisch mit den Rep Unterlagen, c.a. 5 Monate.

Die letzten 2 Monate vor dem Examen gab es dann das Terrorprogramm durchgezogen.
Gelernt habe ich mit den Rep Unterlagen, Hemmer Karteikarten und meinem BGB Favorit: https://www.amazon.de/BGB-Grundstruktur ... b+schemata
(Ist zwar gut veraltet, aber extrem nützlich um die Systematik zu verstehen)

Ich weiß nicht ob ich bestanden habe, aber den Schwerpunkt auf die basics sowie Allgemeinen Teil in allen Rechtsgebieten zu legen war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Zumindest in Berlin wurde sehr viel in die Breite und nicht in die Tiefe geprüft.

Ich glaube nicht dass man mit der Methode 9+ Punkte schafft wohlgemerkt. Wobei auch das machbar ist, wenn man einen guten Stil hat und schön argumentiert m.E.

bahami

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