Passwort vergessen?   
Aktuelle Zeit: 21. Feb 2018, 21:59 Uhr


Examensstress

Du bist hier:   Startseite Die Examensvorbereitung Examensstress


Von 0 auf 100

Kurz vorm durchdrehen? Wenn Du über Examensstress oder Versagensängste schreiben willst, bist Du hier richtig

Von 0 auf 100

Beitrag von Von0auf100! erstellt am: 10. Feb 2017, 11:37 Uhr

Hallo liebe Leidensgenossen,
Ich hoffe euch geht es gut?
Mein Wunsch wäre es, hier einen kleinen Blog starten zu dürfen. Einen Blog zu starten, wie ich von 0 auf 100 durchstarte!

Das Ziel ist: Examen 2018 im März.
DIe Voraussetzungen? Denkbar schlecht. Noch eine SWP Klausur im kommenden Sommer,plus mehrere kleinere Scheine offen. Mittlerweile im 10 Semester angelangt. Die Zeit und das Geld drückt im Nacken.
Ich möchte hauptsächlich einigen Leuten hier im Forum eine Motivation sein, indem ich regelmäßig, wenn möglich einmal am Ende in der Woche ein Update über meine Examensvorbereitung gebe. Ich bin wahrlich kein Musterstudent geweßen, habe viel Zeit in Kneipen und Bars (inkl. Frauen :twisted: ) verbracht. Dementsprechend sind auch noch einige universitäre Scheine offen und warten darauf beglichen zu werden.
Meine Noten waren auch nicht überragend, viel eher schwacher Durschnitt.

Das Ziel bleibt aber klar: Mindestens Vollbefriedigend!

Natürlich wetten hier und da einige gegen mich, "das sei doch alles nicht zu schaffen, komm sei ruhig und geh lieber mal lernen. Sei froh wenn du das Examen bestehst blablaplupp..."
Ich für meinen Teil bin mir aber sicher, insofern man sich wirklich 12 Monate konsequent vorbereitet, ist viel mehr drinnen als man sich tatsächlich zutrauen würde.
Daher der Gedanke an ein Blog. Ich würde euch gerne auf meine Reise mitnehmen und am besten Zeuge werden lassen, wie man sich auf ein vb Level bringen kann.
Es wäre schön, wenn sich hierdurch Leute im späteren Verlauf und im Besten fall "all time" long motivieren können ganz im Sinne von "...der hat das auch gepackt, dann schaffe ich das auch!"

Nun, Hoffe ich das. 1) So etwas im Forum "geduldet" wird und 2.) der Blog in der richtigen Kategorie ist.
Falls ein Mod hierfür ein Go gibt, kommen natürlich viel detailliertere Infos bzgl meiner Examenvorbereitung, nur warte ich doch lieber ein besagtes Go ab ehe ich hier "umsonst" den Rahmen sprenge! :hammer:

Bis dahin u. Beste Grüße,
Bastl

Von0auf100!

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 5


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von bahami erstellt am: 13. Feb 2017, 20:00 Uhr

Mögest du deine Ziele erreichen.

Ich glaube in 12 Monaten, vorausgesetzt du haust richtig rein, hast du gute Chancen auf dein VB+

Zeit ist relativ, und wer den Unterschied zwischen 8 Stunden "Lernen" und 8 Stunden ersthafter Auseinandersetzung mit Blick auf die Konkrete Anwendung kennt, kann in 12 MOnaten sehr viel erreichen.

bahami

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 64


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Usersname erstellt am: 15. Feb 2017, 11:48 Uhr

Aha. Also "mindestens" ein VB.
Wenn doch nur die Millionen von Absolventen vorher gewusst hätten, dass man sich nur 12 Monate konsequent vorbereiten muss, um mehr zu erreichen als man sich zugetraut hat.

Ich werde dich nicht motivieren, das musst du selbst.
Aber ich werde in 12 Monaten wieder mal reinschauen, ob du tatsächlich im März '18 das Examen schreibst oder vielleicht immer noch nicht scheinfrei bist.

Usersname

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 8


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Von0auf100! erstellt am: 17. Feb 2017, 13:40 Uhr

Grober Überblick und Planung der nächsten Monate

Dadurch, dass mein Topic immer noch Online ist und die Views auch gestiegen sind, gehe ich davon aus,auf Resonanz zu stoßen! :thumbup:
Wie sehen nun die nächsten konkreten Steps bei mir aus?

Zunächst einmal beschäftige ich mich vom 20.Febr bis 19.März mit meiner ausstehenden ZVR HA. Das ganze läuft in einem 2-Schicht System ab. Von morgens bis mittags HA, am Nachmittag Stoff Wiederholung fürs Rep.
Hier werde ich nämlich, die nächsten vier Wochen meine Grundlagen anhand der Jurakompakt Reihe zügig und knackig wiederholen. Die Samstage gehen ausschließlich für meinen SWP drauf. Sonntag bleibt stets frei.

20.März bis 28 April:

Von Mo-Do Rep, an den jeweiligen Tagen Vor und Nacharbeitung der Fälle.
Freitag und Samstag wiedermals nur lernen für den SWP. (Hauptsächlich Fälle durcharbeiten bzw. selber machen). Auch hier gilt, Sonntag frei!

29.April bis mitte Juni

Mo-Do Rep,Freitag Examensklausurenkurs,Samstag Schwerpunkt. Sonntag frei.

mitte Juni bis Ende Juli

Mo-Fr Rep (jetzt kommt nämlich Fr StrfR dazu), Samstag Schwerpunkt - dadurch pausiere ich zunächst den Examensklausurenkurs bis die SWP Klausur geschrieben wurde. Für die einzelnen ZVR Scheinklausur lerne ich nichts isoliert, da sie ohnehin im Rep am Fall behandelt werden. Schreibe praktisch im Juli dann 3x ZVR Klausuren sowie meinen SWP.

Das ist im groben die Marschroute bis zum 1. August. Angepeilt ist nach dem Probeexamen im September, dass ich Fr und Sa jeweils eine Klausur ausschreibe, solange eben bis dann FR wieder das StrfR Rep beginnt. Dann stelle ich wieder nur auf eine Klausur auf Samstag um. So viel erstmal zu den nächsten, groben Monaten. Details folgen dann auch hier wieder.


Ich denke, es gibt viele Wege, ein gutes Examen zu schreiben.
Doch ich habe mich in letzter Zeit mit vielen Leuten auseinandergesetzt, welch alle mindestens 9 Punkte im Examen geschrieben haben, großteils sogar zweistellig.
Alle samt sind sich einig: Entscheidend ist, dass man effizient lernt. Die Grundlagen und vor allem Systematik samt juristisches Handwerkszeugs drauf hat. Man muss sich vor der Angst und Panik lösen, nicht alles "wissen zu können" (was man eh nicht kann! und nie können wird!).
Nur so wird man auch den unbekannten SV im Examen zufriedenstellend lösen können.
Hier sehe ich schon den springenden Punkt, dass viele in Panik verfallen und meinen sie wüßten dieses und jenes noch nicht. Und müssen daher(bevor irgendetwas passiert noch Lehrbuch 1,2,3 durchlesen und im schlimmsten Fall auswendig lernen!). Doch das ist einfach zum Großteil verschwendete Kraft.
Aber auch so wird man sicherlich Erfolg haben können, aber mit Blick auf das 2.Examen wird es kaum zu stemmen sein.
Gut, das ist wiederum ein anderes, sicherlich nicht weniger interessantes Thema, welches ich aber noch nicht jetzt aufgreifen möchte. Ich wollte nur meinen Standpunkt vertreten, durchaus in 12 Monaten auf ein ordentliches Niveau kommen zu können.
Jedenfalls habe ich wohl möglich im Unterschied zu den Millionen anderen Absolventen nicht schon vor Beginn der Examensvorbereitung die Hose voll und rede meine Ziele nicht kleiner. Ich denke, dass macht auch schon enorm viel aus. Aber auch das ist ein anderes Thema (Mindset, "richtiger" positiver Umgang mit Druck/Stress/Herausforderungen, Ziele stecken etc. pp) welches ich sicherlich auch im Verlauf dieses Blogges aufgreifen werde.


Nun setze ich mich an die Arbeit und wünsche euch allen ein frohes Schaffen& eine gute Zeit.Freue mich auf den nächsten Beitrag. 8) :waving:

Von0auf100!

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 5


Von 0 auf 100

Beitrag von Väinämöinen erstellt am: 17. Feb 2017, 14:42 Uhr

Wo konnte man doch gleich gegen dich wetten? Ich würde glatt einen kleineren Betrag darauf setzen, dass du kein VB schaffst...

Väinämöinen

Rang: Bestseller-Autor/-in
Bestseller-Autor/-in
 
Beiträge: 663


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Anzugträger erstellt am: 19. Feb 2017, 09:25 Uhr

:roll:

Zu deiner Person: Das, was du da betreibst, ist aktives Vermeidungsverhalten. Du hast eigentlich schon lange keine Lust mehr auf Jura, es fehlt nur der Mut, dir das einzugestehen. Das muss dir nicht unbedingt selber bewusst sein, es wird bei dir aber unterschwellig mitschwingen.

Wenn man im zehnten Semester noch nicht einmal scheinfrei ist, dann ist etwas gehörig schief gelaufen. Das hat auch nichts mit "Frauen, Parties und meiner unfassbaren Faulheit hahaha" zu tun. Es kommt zwar immer scheinbar cool rüber, wenn man die Keule mit den "Frauen, Parties und meiner unfassbaren Faulheit hahaha" auspackt, glaubwürdiger wird das alles aber dadurch nicht. Mit "Frauen und Parties" befasst man sich abends und schon gar nicht den ganzen Tag, mit einem vernünftigen Zeitmanagement ist das auch bei normalem Ablauf des Studentenalltags drin.

Die oben genannten Hindernisse machen maximal einen Unterschied von zwei Semestern aus, du bist aber bereits fünf Semester über der normalen Semesteranzahl für die sog. "Scheinfreiheit". Wirklich jeder Jurastudent, den ich kenne, hatte (zumindest anfangs) diesen Biss, die Uni so schnell wie möglich abzureißen, um dann zeitnah das Examen zu absolvieren. Diesen Biss hast du nicht, sonst würdest du im zehnten (!) Semester nicht noch an der Uni rumkrebsen (sowas habe ich bisher nur bei Leuten erlebt, die ernsthafte gesundheitliche/private Probleme hatten).
Lass mich raten: Du bist schlecht in Mathe und da man mit Jura ja "alles machen" kann, wurde es eben dieser Studiengang.

Jetzt wirst du gepackt vom falschen Ehrgeiz, endlich mit diesen Strebern an der Uni gleichzuziehen, die schon seit Ewigkeiten fertig sind. Du wirst dir tausend Motivationsvideos auf Youtube (hinterlegt mit epischer Musik und vollgestopft mit esoterischem Rumgeblubber) reingepfiffen haben und denkst jetzt, dass man sich halt "einmal im Leben zusammenreißen muss", dann ist der Erfolg hinterher garantiert.

Außerdem wirst du dir unzählige Beiträge á la "Die perfekte Examensvorbereitung/Party Party Ehrgeiz und Vollbefriedigend" durchgelesen haben, die folgende Quintessenz aufweisen: "Es kommt ausschließlich auf die juristische Methodik an, alles ist logisch herleitbar, alles steht im Gesetz, Rechtsprechung ist unwichtig, Meinungsstreits braucht man nicht und generell wird Detailwissen einfach überbewertet und ist komplett überflüssig. Ein Tag in der Woche reicht zur Wiederholung des GESAMTEN Examensstoffes vollkommen aus und das JPA will garantiert nicht die fünfte Meinung zur Definition des gefährlichen Werkzeuges in § 250 I Nr. 1 a StGB hören, ferner kann man das alles recht locker angehen. Nebengebiete kann man vernachlässigen, da wird nur eine Kenntnis "im Überblick" verlangt."
Ach wie süß.

Die Realität kann (nicht MUSS!) anders aussehen. Plan aber ruhig alles durch und schreib schön brav deine Karteikarten, dann muss es ja klappen, man hat sich doch angestrengt und unfassbar viel getan sowie das nötige Quäntchen Cleverness mitgebracht. Die Millionen Absolventen vor einem waren halt einfach blöd und/oder faul, zudem waren sie extrem panisch und haben die juristische Methodik nicht beherrscht und zudem auswendig gelernt. Es ist ja alles planbar, man muss nur brav Probeklausuren schreiben und die Schwerpunktsetzung beherrschen.

Als jemand, der recht schnell mit guten Noten (ja, wörtlich zu nehmen) scheinfrei war (und das übrigens nicht an irgendeiner Spaßuni), durch keine einzige Probeklausur gefallen ist und trotzdem seinen Freischuss versiebt hat, kann ich über so eine Sichtweise mittlerweile nur noch lachen. Ich muss mir wohl eingebildet haben, dass Meinungsstreits eben doch abgefragt worden sind (auch ausgehend von den Erfahrungen mehrerer Bekannter bei mir). Zudem müssen sich meine Bekannten eingebildet haben, dass die strikte Einhaltung gewisser Schemata (ja, auch die unwichtigen Punkte sollten angesprochen werden) ebenfalls verlangt wird, macht man das nicht, gibt es auf die Finger. Komisch, mir wurde immer etwas anderes erzählt. Ebenfalls ist komisch, dass das JPA eben doch alle fünf Meinungen zum gefährlichen Werkzeug in ".." hören will. Weiterhin ist komisch, dass alle Examensklausuren, die ich geschrieben habe, vom Umfang her nicht einmal ansatzweise mit den "Originalklausuren" aus dem Uniklausurenkurs vergleichbar waren, die angeblich alle mal irgendwann im Examen gelaufen sind. Da wird man teilweise mit Klausuren konfrontiert, die jeden Rahmen sprengen. Du kannst der perfekte Dogmatiker sein und alles wunderbar verstanden haben, wenn du gewisse Aufbauschemata + Definitionen + STREITS nicht auswendig ausspucken kannst, dann hast du ein gehöriges Problem, dir fehlt die Zeit nämlich an den wichtigen Stellen.
Von der Rechtsprechungsthematik will ich hier gar nicht anfangen, das würde den Rahmen sprengen.
Dass man auch unter anderem mit Klausuren konfrontiert wird, mit denen man alleine aufgrund der undeutlichen Formulierung im Sachverhalt (die x-tausend Interpretationen zulassen kann - nochmal: Kann und nicht muss!) erstmal drei Stunden rein gar nichts anfangen kann, liegt natürlich auch im Bereich des Unmöglichen.
Vor allem die Klausuren im Strafrecht lassen sich ja mit ausreichend Klausurenpraxis perfekt planen, es ist ja jetzt nicht so, dass jede Strafrechtsklausur eigene Gliederungsprobleme aufweist.
Ferner kann man das Leben nicht planen, in einer einjährigen Vorbereitungsphase kann vieles passieren (ich hatte übrigens einen Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule und andere spaßige Sachen).

Auswendig muss hier gar nichts gelernt werden. Eigentlich. Man muss den ganzen Spaß nur inhaltlich voll draufhaben. Worauf läuft das also faktisch hinaus? Im Wortlaut muss man das nicht perfekt beherrschen, im Kern allerdings schon.
Wenn man dann an jemanden gerät, der gewisse Schlagwörter hören will, um seinen Haken setzen zu können, dann darf man da auch noch gewisse Sachen auswendig runterleiern. Also eigentlich muss man das schon alles auswendig können, es gibt nur keiner zu.
Juraklausuren (vor allem im Zivilrecht) sind meistens so aufgebaut, dass irgendwo im Sachverhalt eine Abweichung vom Normalfall zu finden ist, dieses Problem ist oft unbekannt und muss am Gesetzestext festgemacht werden und mit eigenen Argumenten
gelöst werden. Das setzt allerdings voraus, dass man den Normalfall erstmal kennt.
Wenn ich nicht weiß, dass es in § 3587 VI 1 2. Fall (beliebiges Gesetz hier einfügen) einen Ausschlussgrund zu § 3352 gibt, dann habe ich ein Problem. Zudem sind manche Rechtsbereiche eben NICHT rein systematisch und logisch erschließbar, das muss man einfach kennen, inklusive aller Ausschlussgründe, Punkt. Du hast in der Klausur nicht die Zeit, da groß rumzuexperimentieren.

"Man kann nicht alles wissen". Das ist ein cooler markiger Spruch und er trifft auch zu, alles zu wissen ist vollkommen unmöglich. Ferner ist es vollkommen unmöglich, alles gleichmäßig zu beherrschen, auch wenn gerne etwas anderes behauptet wird. Besagter markiger Spruch ist aber nur solange "cool", bis es einen eben selber trifft. Da wird man dann mit reinem Arbeitsrecht in einer Klausur konfrontiert, die zudem noch die Kenntnis gewisser Urteile voraussetzt. Viel Spaß mit der juristischen Methodik bei so einer Klausur.
Lücken hat jeder, man muss nur auf die richtige Lücke setzen.
Wenn du Baurecht nicht vollkommen beherrschst und das kommt, dann kannst du ja mal gucken, wie weit du mit solchen Sprüchen wie "man kann nicht alles wissen" kommst.
Kleiner Tipp an dieser Stelle: Es interessiert niemanden.
Teilweise (nicht immer!) wird Spezialwissen abgefragt, das man nie im Leben haben kann. Das gilt dann als "deutlich überdurchschnittliche Leistung". Auch in diesen Klausuren gibt es Leute, die 16 Punkte schreiben, weil sie eben das Problem kannten. Es sind nicht viele, aber es gibt sie. Das ist reines Wissen und hat mit Methodik null zu tun. Ich persönlich bin, was solche Geschichten angeht, vor allem mit Blick auf gewisse Prüfungsskandale in gewissen Bundesländern auf jeden Fall skeptisch, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich kenne zudem nur Leute, die juristisch gesehen extrem unfähig sind, die mit diesem ganzen "juristische Methodik blablabla"-Gelaber rumschwadronieren. Diese mir bekannten Leute hatten im Examen Glück und nach einer etwas längeren Unterredung wird dann recht schnell klar, dass besagte Leute nicht einmal mehr den Leistungsbegriff im allgemeinen Schuldrecht verstanden haben und die Regelbeispiele des § 243 StGB für eigene Tatbestände halten. Es hört sich halt für Außenstehende sehr gut an, ferner wird das ja flächendeckend gepredigt, also übernimmt man den exakten Wortlaut einfach mal kurz. Dass diese Leute vor dem Examen teilweise vor Nervosität nur noch geheult/gekotzt haben und auch teilweise vom "unfairen Glücksspiel" geredet haben, wird dann seltsamerweise nach der Notenüberraschung recht schnell vergessen.
Ein Freund von mir stand in zwei Klausuren an der Uni vor dem letzten Versuch, er hat Jura verflucht und ist depressiv geworden. Tja, jetzt ist das Examen gar nicht mal so schlecht gelaufen und Jura macht auf einmal wieder extrem viel Spaß und es wird bereits der LLM geplant. Herrlich.

Methodisches Vorgehen ist im Examen wichtig, aber es ersetzt nicht das juristische Studium, Punkt, Ende, Aus.
Es wird aber munter weitergepredigt, warum bloß? Ich vermute da so langsam Schädigungsabsicht. Wundern würde es mich jedenfalls nicht, habe in den "Hausarbeitsphasen" an der Universität viele krasse Sachen erlebt, da fehlten dann auf einmal diverse Bücher und/oder Seiten. Aber das habe ich mir wohl auch nur alles eingebildet.

Es gibt nicht DIE eine Examensklausur, jede Klausur ist anders und muss einem auch erstmal liegen. Das ist nicht planbar, also hör auf, hier so einen Stuss zu erzählen und werde erstmal scheinfrei.
Ich kenne übrigens einen Prüfer (prüft im zweiten Stex) persönlich, ist keine freundschaftliche Beziehung, eher als Bekanntschaft einzustufen. Der gibt übrigens offen zu, dass man sich eben nicht gezielt auf jede einzelne Klausur vorbereiten kann. Aber 85 Prozent der Jurastudenten sind natürlich dumm.

Schlusswort: Das "Scheitern" im Examen (wie auch immer das für den einzelnen Studenten auch aussehen mag) kann tausend Ursachen haben. Ich streite auch gar nicht ab, dass es durchaus qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen Bearbeitungen geben kann, das aber pauschal auf Nervosität/Auswendiglernerei/fehlende juristische Methodik zu schieben, ist verfehlt.

Anzugträger

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 15


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Von0auf100! erstellt am: 19. Feb 2017, 10:40 Uhr

Nette Ausführungen. Habe alles fein säuberlich aufgesaugt aber mein Ziel bleibt trd bestehen! :biggrin:

Kenne da einfach zu viele meiner Freunde, welche teilweise 6 Wochen vor dem Examen im Partyurlaub eine Woche lang sich die Binde hinter den Ohren weggekippt haben und TROTZDEM im Freischuss 10 Punkte (BAYERN) geschrieben haben?
Huch, dass sind aber alles keine Genies, Mathe nach der 11.Klasse abgewählt und nur ein 2,6 Abitur? Komisch,Komisch...vielleicht liegt auch daran, dass nur 10% aller Absolventen "richtig lernen"?
Achtung, jetzt festschnallen, ich kenne sogar jemanden der ein VB geschrieben hat, obwohl er im ganzen Studium bspw. fürs Zivilrecht nur mit den Hofmann Skripten aus dem Netz gelernt hat? Und sonst nur mit den Fällen aus der Übung und später dann eben mit den Fällen aus dem Rep? Das ist doch mal wirklich abgefahrener Kram. Und trd im Examen 7,9,13 Punkte rausgehauen? Ohne jemals ein Lehrbuch oder sogar Kommentar (was manch Examenskandidat gerne macht) aufgeschlagen zu haben? :crazy:
Ich zähle jedenfalls auf die Meinung meiner Leute, diese haben es geschafft und wissen auch wie man es anstellen muss. Ohne große Panik mache, wie schlimm dass Examen doch sei ... aber natürlich verstehe ich auch Deine Sichtweise und bin jetzt auch nicht komplett blind und naiv bzgl. des Examens 8)

PS: In der Tat, habe ich Privat mehr als nur "Frauen . Saufen" um die Ohren gehabt(Todesfälle,Krankheiten,Insolvenz meines Vaters) aber deswegen mache ich mich trd nicht kirre. Im Gegenteil, wenn ich hier meine Private Geschichte komplett offen legen würde, würd manch einer mit den Ohren wacklen und mir eher Respekt zollen, dass ich überhaupt noch dabei bin, da viele andere schon lange aufgrund eines totalen Nervenzusammenbruchs abgebrochen hätten. Aber vielleicht liegt es ja daran, dass mir Jura Spaß macht? Und ich mein Studium, egal wie viel Steine mir Privat in den Weg gelegt werden, nicht wegschmeiße? Das könnte eventuell auch dafür sprechen :angel:


Freue mich jedenfalls, dass der Blog hier Anklang findet. Spätestens im Juni 2018 wisst ihr alle Bescheid .. bis dahin plädiere ich für etwas :contenance:


Beste Grüße

Von0auf100!

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 5


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Anzugträger erstellt am: 19. Feb 2017, 13:28 Uhr

Nun, grundsätzlich lässt sich sagen, dass in Jura "alles möglich" ist, das macht an sich die Unberechenbarkeit der ganzen Sache aus. Das kann (kann - nicht muss) im Einzelfall zu Unbilligkeiten führen, die schier unerträglich sein können.

Student Atze mit langen Haaren kann nach vier Wochen Dauersauferei im Examen besser abschließen als Brillenschlange Bernd, der sich über ein Jahr 16 Stunden am Tag den ganzen Spaß in die Birne getrommelt hat. Es muss eben nur das drankommen (und ganz wichtig: auch in der gelernten Art und Weise drankommen), was er sich zuvor ins Kurzzeitgedächtnis geschaufelt hat. Manche lassen ganze Rechtsgebiete weg und spezialisieren sich auf deren Lieblingsgebiete, sodass sie dort vertiefte Kenntnisse vorweisen können. Andere lernen alles, aber nichts richtig (was auch schwer sein dürfte) und geraten dann ins Schwimmen. Um Waffengleichheit herzustellen, sollte in JEDEM Fach eine Klausur geschrieben werden, dann gibt es sowas nämlich nicht, das wird aber nicht umsetzbar sein. Bis dahin bleibt es bei der schwachsinnigen Regelung, dass Jahre des Studiums an 6 Leistungsnachweisen (plus mündliche Prüfung) gemessen werden. Ich will hier aber keine Grundsatzdiskussion lostreten.

Noch weniger will ich dir deine Ziele wegdiskutieren, im Gegenteil, mir sind grundsätzlich Leute sympathisch, die dieses Studium nicht unbedingt "stromlinienförmig" absolvieren und auch an mehreren Fronten kämpfen müssen. Ich will dich hier nur warnen.

6 Wochen vor dem Examen im Partyurlaub und es ist trotzdem gut gelaufen? Ja und jetzt? Was hat denn diese eine Woche im Gesamtbild für Auswirkungen auf das Examen? Gar keine, wenn man vorher vernünftig gearbeitet hat. Das ist halt wieder typisch Mann, du kannst meinetwegen 2 Monate vor dem Examen jeden Tag durchsaufen, wenn du vorher 1 Jahr ambitioniert gearbeitet hast und auch sonst etwas gedankliche Beweglichkeit aufweist, dann wird das nicht die heftigsten Auswirkungen auf den Ausgang haben.

Genau dieses Verhalten (nicht deines) geht mir gehörig auf die Nerven. "Guckt mich an, ich habe voll wenig gemacht und das und das ist rausgekommen".
Es kann funktionieren, die Abschlussform Staatsexamen kann zu vielen Szenarien führen.
Ein weiterer Aspekt ist die Sache mit der Glaubwürdigkeit. Woher weißt du bitte, dass diese Personen nicht insgeheim im stillen Kämmerlein noch xtausend Sachen gelernt/durchgelesen haben? Das weißt du im Zweifel gar nicht und komm mir jetzt nicht mit so Sprüchen wie "aber ich kenne den, der ist voll locker drauf blablabla".
Ich kenne solche Leute. Komischerweise waren diejenigen, die diesbezüglich immer am lautesten waren zielgerichtet die Leute, die die Nacht zuvor durchgelernt haben. Im Nachhinein ist es immer cool, mit der eigenen Faulheit zu kokettieren, es kann einem ja auch keiner das Gegenteil beweisen. In den seltensten Fällen ist man mit den Leuten allerdings über den Zeitraum von einem Jahr jeden Tag 24- Stunden zusammen und kann daher mit Sicherheit sagen, welches Lernverhalten diese Leute tatsächlich an den Tag gelegt haben. Von daher: Glaub bitte nicht alles, was Student Atze mit langen Haaren da von sich gibt, vielleicht will er dich auch einfach nur verarschen.

Ich weiß schon ganz genau, in welche Richtung das hier gehen soll. "Jura muss man anwenden können, daher nur Fälle lösen und tausend Klausuren schreiben blablabla". Der Blick auf die konkrete Anwendung ist wichtig, das Durcharbeiten von Standardfallbüchern gibt aber nicht die Sicherheit, die erforderlich ist, damit man von "DER Lernmethode" sprechen kann.
Das Wichtigste von allem ist Wissen. Ganz einfach. Das erfordert aber vor allem in Bezug auf die Standardsachen mühsames Skripten-/Karteikartenwälzen. Die ominöse "juristische Methodik" ist notwendig, aber nicht unbedingt hinreichend.
Ich kann mir schon denken, wie du dir die Sache ausmalst. Alles hinreichend geübt und "im Fall" gesehen zu haben, ist aber in Anbetracht der Stofffülle und der damit verbundenen Kombinationsmöglichkeiten einfach nicht möglich.
Im Examen musst du die Probleme erstmal erkennen. Das erfordert allerdings ein gewisses Maß an Grundwissen. Das wiederum ist harte Arbeit.

Meine "Sichtweise" bezüglich des Examens ist nicht durchweg negativ. Ich sage an sich auch nicht, dass es unbedingt schlimm ist. Ich zeige nur auf, dass es schief gehen kann (warum auch immer) und dass man deswegen nicht gleich ein Volltrottel ist, der einfach schlecht gelernt hat.

Ich würde dir nur empfehlen, etwas kritischer an die ganze Sache heranzugehen und mal die ein oder andere Äußerung zu hinterfragen.

Anzugträger

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 15


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Von0auf100! erstellt am: 19. Feb 2017, 15:03 Uhr

In dem Punkt gebe ich dir natürlich voll und ganz Recht, was Klausuren und die jeweilige Kampagne anbelangt.
Ich mein, man kann der totale Sachenrechts Crack sein und "auf einmal" kommt zweimal vertragl und eine reine Arbeitsrechtklausur dran.
Dann sieht man eben sehr alt aus und es interessiert einem hinter her keine Sau wie was genau man kann. Am Ende steht auf dem "Wisch" eben nur die Note. Ende.
Was aber zb ein Kumpel im Examen und in der Vorbereitung wirklich nicht explizit gelernt hat, waren Streitstände auswendig zu lernen.
Er ist immer nach dem Schema: Links,rechts, vermittelnde Ansicht verfahren und hat da meist auch "durch eigenes denken" die richtigen Ansichten getroffen.

Ich denke die Balance wird es ausmachen. Versuchen,so gut es geht alles abzudecken, dort aber auch Schwerpunkte zu setzen zb anhand der Jahresberichte und der dort aufgeführten Statistiken was,wann,wie oft geprüft wurde.

Und natürlich brauchts auch eine gute Portion Glück. In der jeweiligen Woche besonders mental und körperlich fitt zu sein etc. pp.

Im Nachhinein wird es doch schwer sein, es genau an der EINEN Sache festzumachen.So wohl die eine Partei(Leute mit 9punkten aufwärts) als auch die andere Partei (durchgefallen oder nicht Wunschnote) haben da ihr ganz persönliches Fazit rund um Studium und Examen.

Aber ich bedanke mich für deine ausführlichen Worte und werde sie mir zu Herzen nehmen. Ich hoffe für Dich, dass dein 2.Versuch besser verläuft und wünsch Dir dabei alles gute! :thumbup:

Von0auf100!

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 5


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von bahami erstellt am: 19. Feb 2017, 15:55 Uhr

Juristen gönnen sich aber auch wirklich nie was gutes lol XD

Wobei der Kollege dahingehend recht hat dass es Terror wird, und diejenigen die am Ende meinen es wäre alles cool und locker gewesen, in der Regel Geschichten erzählen die sie selber gerne glauben würden/tun.
Ich hab 7 schriftlich mit 3 Monaten Terrorlernen mit Schwerpunkt auf die Basics und in die Breite Lernen, locker und gesund war es wahrlich nicht.
Im Examen gefragt wird meiner Erfahrung nach grds. in die Breite, wobei Spezialwissen duchaus vorausgesetzt wird, so waren bei mir von 7 Klausuren 2 nur mit Spezialwissen in die Tiefe für 4p+ zu lösen.

Aber egal, gib alles und hol dir deine Punkte. Ich würde aus Prinzip auf dich wetten. Im Sinne der Aktion: Juristen für Juristen, positive vibes und Mitfreude :heart:

bahami

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 64


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von MrWatkins erstellt am: 19. Feb 2017, 18:21 Uhr

Anzugträger hat geschrieben::roll:

Zu deiner Person: Das, was du da betreibst, ist aktives Vermeidungsverhalten. Du hast eigentlich schon lange keine Lust mehr auf Jura, es fehlt nur der Mut, dir das einzugestehen. Das muss dir nicht unbedingt selber bewusst sein, es wird bei dir aber unterschwellig mitschwingen.

Wenn man im zehnten Semester noch nicht einmal scheinfrei ist, dann ist etwas gehörig schief gelaufen. Das hat auch nichts mit "Frauen, Parties und meiner unfassbaren Faulheit hahaha" zu tun. Es kommt zwar immer scheinbar cool rüber, wenn man die Keule mit den "Frauen, Parties und meiner unfassbaren Faulheit hahaha" auspackt, glaubwürdiger wird das alles aber dadurch nicht. Mit "Frauen und Parties" befasst man sich abends und schon gar nicht den ganzen Tag, mit einem vernünftigen Zeitmanagement ist das auch bei normalem Ablauf des Studentenalltags drin.

Die oben genannten Hindernisse machen maximal einen Unterschied von zwei Semestern aus, du bist aber bereits fünf Semester über der normalen Semesteranzahl für die sog. "Scheinfreiheit". Wirklich jeder Jurastudent, den ich kenne, hatte (zumindest anfangs) diesen Biss, die Uni so schnell wie möglich abzureißen, um dann zeitnah das Examen zu absolvieren. Diesen Biss hast du nicht, sonst würdest du im zehnten (!) Semester nicht noch an der Uni rumkrebsen (sowas habe ich bisher nur bei Leuten erlebt, die ernsthafte gesundheitliche/private Probleme hatten).
Lass mich raten: Du bist schlecht in Mathe und da man mit Jura ja "alles machen" kann, wurde es eben dieser Studiengang.

Jetzt wirst du gepackt vom falschen Ehrgeiz, endlich mit diesen Strebern an der Uni gleichzuziehen, die schon seit Ewigkeiten fertig sind. Du wirst dir tausend Motivationsvideos auf Youtube (hinterlegt mit epischer Musik und vollgestopft mit esoterischem Rumgeblubber) reingepfiffen haben und denkst jetzt, dass man sich halt "einmal im Leben zusammenreißen muss", dann ist der Erfolg hinterher garantiert.

Außerdem wirst du dir unzählige Beiträge á la "Die perfekte Examensvorbereitung/Party Party Ehrgeiz und Vollbefriedigend" durchgelesen haben, die folgende Quintessenz aufweisen: "Es kommt ausschließlich auf die juristische Methodik an, alles ist logisch herleitbar, alles steht im Gesetz, Rechtsprechung ist unwichtig, Meinungsstreits braucht man nicht und generell wird Detailwissen einfach überbewertet und ist komplett überflüssig. Ein Tag in der Woche reicht zur Wiederholung des GESAMTEN Examensstoffes vollkommen aus und das JPA will garantiert nicht die fünfte Meinung zur Definition des gefährlichen Werkzeuges in § 250 I Nr. 1 a StGB hören, ferner kann man das alles recht locker angehen. Nebengebiete kann man vernachlässigen, da wird nur eine Kenntnis "im Überblick" verlangt."
Ach wie süß.

Die Realität kann (nicht MUSS!) anders aussehen. Plan aber ruhig alles durch und schreib schön brav deine Karteikarten, dann muss es ja klappen, man hat sich doch angestrengt und unfassbar viel getan sowie das nötige Quäntchen Cleverness mitgebracht. Die Millionen Absolventen vor einem waren halt einfach blöd und/oder faul, zudem waren sie extrem panisch und haben die juristische Methodik nicht beherrscht und zudem auswendig gelernt. Es ist ja alles planbar, man muss nur brav Probeklausuren schreiben und die Schwerpunktsetzung beherrschen.

Als jemand, der recht schnell mit guten Noten (ja, wörtlich zu nehmen) scheinfrei war (und das übrigens nicht an irgendeiner Spaßuni), durch keine einzige Probeklausur gefallen ist und trotzdem seinen Freischuss versiebt hat, kann ich über so eine Sichtweise mittlerweile nur noch lachen. Ich muss mir wohl eingebildet haben, dass Meinungsstreits eben doch abgefragt worden sind (auch ausgehend von den Erfahrungen mehrerer Bekannter bei mir). Zudem müssen sich meine Bekannten eingebildet haben, dass die strikte Einhaltung gewisser Schemata (ja, auch die unwichtigen Punkte sollten angesprochen werden) ebenfalls verlangt wird, macht man das nicht, gibt es auf die Finger. Komisch, mir wurde immer etwas anderes erzählt. Ebenfalls ist komisch, dass das JPA eben doch alle fünf Meinungen zum gefährlichen Werkzeug in ".." hören will. Weiterhin ist komisch, dass alle Examensklausuren, die ich geschrieben habe, vom Umfang her nicht einmal ansatzweise mit den "Originalklausuren" aus dem Uniklausurenkurs vergleichbar waren, die angeblich alle mal irgendwann im Examen gelaufen sind. Da wird man teilweise mit Klausuren konfrontiert, die jeden Rahmen sprengen. Du kannst der perfekte Dogmatiker sein und alles wunderbar verstanden haben, wenn du gewisse Aufbauschemata + Definitionen + STREITS nicht auswendig ausspucken kannst, dann hast du ein gehöriges Problem, dir fehlt die Zeit nämlich an den wichtigen Stellen.
Von der Rechtsprechungsthematik will ich hier gar nicht anfangen, das würde den Rahmen sprengen.
Dass man auch unter anderem mit Klausuren konfrontiert wird, mit denen man alleine aufgrund der undeutlichen Formulierung im Sachverhalt (die x-tausend Interpretationen zulassen kann - nochmal: Kann und nicht muss!) erstmal drei Stunden rein gar nichts anfangen kann, liegt natürlich auch im Bereich des Unmöglichen.
Vor allem die Klausuren im Strafrecht lassen sich ja mit ausreichend Klausurenpraxis perfekt planen, es ist ja jetzt nicht so, dass jede Strafrechtsklausur eigene Gliederungsprobleme aufweist.
Ferner kann man das Leben nicht planen, in einer einjährigen Vorbereitungsphase kann vieles passieren (ich hatte übrigens einen Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule und andere spaßige Sachen).

Auswendig muss hier gar nichts gelernt werden. Eigentlich. Man muss den ganzen Spaß nur inhaltlich voll draufhaben. Worauf läuft das also faktisch hinaus? Im Wortlaut muss man das nicht perfekt beherrschen, im Kern allerdings schon.
Wenn man dann an jemanden gerät, der gewisse Schlagwörter hören will, um seinen Haken setzen zu können, dann darf man da auch noch gewisse Sachen auswendig runterleiern. Also eigentlich muss man das schon alles auswendig können, es gibt nur keiner zu.
Juraklausuren (vor allem im Zivilrecht) sind meistens so aufgebaut, dass irgendwo im Sachverhalt eine Abweichung vom Normalfall zu finden ist, dieses Problem ist oft unbekannt und muss am Gesetzestext festgemacht werden und mit eigenen Argumenten
gelöst werden. Das setzt allerdings voraus, dass man den Normalfall erstmal kennt.
Wenn ich nicht weiß, dass es in § 3587 VI 1 2. Fall (beliebiges Gesetz hier einfügen) einen Ausschlussgrund zu § 3352 gibt, dann habe ich ein Problem. Zudem sind manche Rechtsbereiche eben NICHT rein systematisch und logisch erschließbar, das muss man einfach kennen, inklusive aller Ausschlussgründe, Punkt. Du hast in der Klausur nicht die Zeit, da groß rumzuexperimentieren.

"Man kann nicht alles wissen". Das ist ein cooler markiger Spruch und er trifft auch zu, alles zu wissen ist vollkommen unmöglich. Ferner ist es vollkommen unmöglich, alles gleichmäßig zu beherrschen, auch wenn gerne etwas anderes behauptet wird. Besagter markiger Spruch ist aber nur solange "cool", bis es einen eben selber trifft. Da wird man dann mit reinem Arbeitsrecht in einer Klausur konfrontiert, die zudem noch die Kenntnis gewisser Urteile voraussetzt. Viel Spaß mit der juristischen Methodik bei so einer Klausur.
Lücken hat jeder, man muss nur auf die richtige Lücke setzen.
Wenn du Baurecht nicht vollkommen beherrschst und das kommt, dann kannst du ja mal gucken, wie weit du mit solchen Sprüchen wie "man kann nicht alles wissen" kommst.
Kleiner Tipp an dieser Stelle: Es interessiert niemanden.
Teilweise (nicht immer!) wird Spezialwissen abgefragt, das man nie im Leben haben kann. Das gilt dann als "deutlich überdurchschnittliche Leistung". Auch in diesen Klausuren gibt es Leute, die 16 Punkte schreiben, weil sie eben das Problem kannten. Es sind nicht viele, aber es gibt sie. Das ist reines Wissen und hat mit Methodik null zu tun. Ich persönlich bin, was solche Geschichten angeht, vor allem mit Blick auf gewisse Prüfungsskandale in gewissen Bundesländern auf jeden Fall skeptisch, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich kenne zudem nur Leute, die juristisch gesehen extrem unfähig sind, die mit diesem ganzen "juristische Methodik blablabla"-Gelaber rumschwadronieren. Diese mir bekannten Leute hatten im Examen Glück und nach einer etwas längeren Unterredung wird dann recht schnell klar, dass besagte Leute nicht einmal mehr den Leistungsbegriff im allgemeinen Schuldrecht verstanden haben und die Regelbeispiele des § 243 StGB für eigene Tatbestände halten. Es hört sich halt für Außenstehende sehr gut an, ferner wird das ja flächendeckend gepredigt, also übernimmt man den exakten Wortlaut einfach mal kurz. Dass diese Leute vor dem Examen teilweise vor Nervosität nur noch geheult/gekotzt haben und auch teilweise vom "unfairen Glücksspiel" geredet haben, wird dann seltsamerweise nach der Notenüberraschung recht schnell vergessen.
Ein Freund von mir stand in zwei Klausuren an der Uni vor dem letzten Versuch, er hat Jura verflucht und ist depressiv geworden. Tja, jetzt ist das Examen gar nicht mal so schlecht gelaufen und Jura macht auf einmal wieder extrem viel Spaß und es wird bereits der LLM geplant. Herrlich.

Methodisches Vorgehen ist im Examen wichtig, aber es ersetzt nicht das juristische Studium, Punkt, Ende, Aus.
Es wird aber munter weitergepredigt, warum bloß? Ich vermute da so langsam Schädigungsabsicht. Wundern würde es mich jedenfalls nicht, habe in den "Hausarbeitsphasen" an der Universität viele krasse Sachen erlebt, da fehlten dann auf einmal diverse Bücher und/oder Seiten. Aber das habe ich mir wohl auch nur alles eingebildet.

Es gibt nicht DIE eine Examensklausur, jede Klausur ist anders und muss einem auch erstmal liegen. Das ist nicht planbar, also hör auf, hier so einen Stuss zu erzählen und werde erstmal scheinfrei.
Ich kenne übrigens einen Prüfer (prüft im zweiten Stex) persönlich, ist keine freundschaftliche Beziehung, eher als Bekanntschaft einzustufen. Der gibt übrigens offen zu, dass man sich eben nicht gezielt auf jede einzelne Klausur vorbereiten kann. Aber 85 Prozent der Jurastudenten sind natürlich dumm.

Schlusswort: Das "Scheitern" im Examen (wie auch immer das für den einzelnen Studenten auch aussehen mag) kann tausend Ursachen haben. Ich streite auch gar nicht ab, dass es durchaus qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen Bearbeitungen geben kann, das aber pauschal auf Nervosität/Auswendiglernerei/fehlende juristische Methodik zu schieben, ist verfehlt.


Hallo Anzugträger!

Ich habe die Diskussion hier aufmerksam verfolgt und auch deine lange Reaktion sehr interessiert gelesen.. zum Teil zustimmend, zum Teil aber auch schockiert.
Ohne dem TE hier die Aufmerksamkeit und den Fokus stehlen zu wollen, habe auch ich mich nach 18 Monaten der Vorbereitung sehr darauf eingestellt, dass ich im Examen in zwei Wochen eben doch größtenteils mit Methokdik weiter zu kommen. Sieht man den ganzen Berg, steht zuvor oder auf ihm, kommen die Gedanken so oft, wie soll man das nur alles schaffen. Es ist so unermäßlich viel, dass Auswendiglernen zu nichts führt. Schemata sind wichtig, einzelne Definitionen und die Ahnung, welche Thematik umstritten sind, wobei der Sachverhalt das auch oft andeutet (=Schwerpunkt). Trotzdem kommt schnell die Einstellung, man kann niemals alles wissen, man muss versuchen, die jur. Methodik zu verstehen und anwenden zu können. Ich habe in 18 Monaten inkl Schwerpunkt alle Themenbereiche abgedeckt und durchgearbeitet, trotzdem einzelne Problemfelder, ich hoffe trotz allem Gelernten sehr, dass ich es schaffe, dass das Examen kein persönliches Stalingrad wird. Würde ich nicht in zwei Wochen schreiben sondern erst in einem halben Jahr, mir würden jetzt die Ideen ausgehen wie ich mich noch weiter vorbereiten soll, ausser meine Mitschriften, meine Skripte und Zusammenfassungen doch "auswendig" zu lernen. Genauso wenig finde ich, überragend zu sein, alles kann nichts muss, aber wie es ausgeht, steht leider in den sternen.

MrWatkins

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 73


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Anzugträger erstellt am: 22. Feb 2017, 12:37 Uhr

Diese Diskussion entwickelt sich in eine Richtung, die ich nie einschlagen wollte, deswegen sehe ich mich leider genötigt, hier (wohl leider nochmal ausführlich) zu antworten.

Selbstverständlich gönne ich dem Threadersteller, dass er seine Ziele erreicht, sonst würde ich mich hier nicht so ausführlich zu Wort melden. Ich weiß mit meiner Zeit durchaus besseres anzufangen, als wildfremde Leute aus dem Internet mit meinen "Erfahrungswerten" zu versorgen. Ich will in erster Linie vermeiden, dass er hinterher so blöd dasteht wie ich das jetzt tue.

@ MrWatkins: Mach dich locker. Du hast dich vernünftig vorbereitet, der Rest liegt nicht mehr in deiner Hand. Du wirst in Examensklausuren (meistens) nicht mit diesem Hörmalwerdahämmertschwachsinn konfrontiert. Das wird bei dir schon laufen. Du bekommst eine Abweichung vom Normalfall, die du erkennen und mit eigenen Argumenten lösen sollst. Dafür ist aber nunmal Wissen erforderlich, der Normalfall muss bekannt sein. Ich habe hier nirgendwo behauptet, dass die Methode egal ist, sie ersetzt nur nicht das juristische Studium. Ich weiß daher auch nicht, was du mir mit deinem Beitrag jetzt sagen willst, "ich denke, dass.." ist eben nur eine Vermutung von dir und kann "echte" Erfahrungswerte (die ich leider habe sammeln dürfen) nunmal nicht wegdiskutieren. Es muss bei dir nicht so laufen und wird es vermutlich auch nicht.
Zu der Geschichte mit der Schwerpunktsetzung schreibe ich weiter unten noch etwas.
In diesem Sinne: Viel Erfolg und geh erhobenen Hauptes rein!

@ Von0auf100!: Meinungsstreits nicht auswendig lernen und sich selbst zusammenreimen? Genau hier setzt mein Problem an. Ich bin genau so vorgegangen und habe im Endeffekt gegen Leute "verloren", die eben auswendig gelernt und dadurch wertvolle Zeit gespart haben.
Ich bin übrigens auch mit der Einstellung reingegangen, dass ich mir Definitionen selber bastele und die gar nicht aktiv lerne. Leider bin ich damit auf die Fresse geflogen.
Was mich an der Aussage deines Freundes am meisten stört ist allerdings folgender Aspekt: Durch diese Äußerung wird suggeriert, dass er quasi kein wirkliches Lernen im klassischen Sinne betrieben hat. Das ist aber grob falsch. Er wusste immerhin, dass es an der entsprechenden Stelle ein Problem gibt und hat sich die Ansichten dann ausgedacht. Das ist aber auch WISSEN und dem vorausgegangen ist ein nicht unbedingt unerheblicher Lernaufwand, ganz gleich, wie er das nun darstellt. Was ich dir damit sagen will: Lass dich bitte nicht verarschen und sieh zu, dass du "an sovielen Problemen wie möglich schon einmal vorbeigekommen bist".

"Es wird schwer sein, alles genau an der EINEN Sache festzumachen" --> Ja, das stimmt. Ich will auch keinesfalls in den Chor derer einstimmen, die behaupten, dass das hier alles REINES Glück wäre, das ist zu einfach und man würde sich damit nur selbst belügen. Pauschalaussagen sind komplett unangebracht, ganz egal, welchen Standpunkt man nun vertreten mag.

Bei mir spielten mehrere Sachen eine Rolle. Zum einen mein katastrophaler Gesundheitszustand, habe mir den ganzen Spaß auf Schmerzmitteln gegeben (und war dementsprechend benebelt) und durfte 50 % meiner Examensvorbereitung auf dem Bauch lernend verbringen, weil ich einfach nicht lange sitzen/stehen konnte (hinzu kamen noch private Probleme, murphy's law lässt grüßen), einen gewissen Einfluss wird das auch gehabt haben. Wie groß dieser Einfluss im Endeffekt gewesen ist, kann ich aber nicht wirklich einschätzen.

Mein wohl größtes Problem ist aber in erster Linie, dass ich "zu genau" arbeite und mich damit teils selbst blockiere, zudem habe ich mit dem Prüfungsmodus an sich die meisten Probleme, von den "guten Noten" (wie auch immer die jetzt aussehen mögen für den Einzelnen) kann ich mich wohl eh verabschieden. Ich möchte einmal kurz verdeutlichen, wie genau sich dies äußert:

Wenn mir jemand sagt, dass 2 + 2 immer vier ist, dann ist 2 + 2 für mich auch immer vier und nicht nach Belieben einmal 6 oder gar 1000. Wenn man mir seit Semester 1 einbläut, dass man "ein Gutachten zu schreiben habe" und man mir dann verbal dafür auf die Fresse haut, dass man eben selbiges macht, dann ist das für mich nicht akzeptabel. Wenn im Sachverhalt Informationen zu gewissen Delikten stehen, die man vorher immer in Gutachtenmanier hat verarbeiten müssen aber beispielsweise der Strafantrag fehlt, dann greife ich das eben auf und schreibe so etwas wie "Der Strafantrag müsste noch gestellt werden". Als Quittung bekommt man dann ein "Doch aber darauf kommt es doch gar nicht an!" (ja, übrigens in genau derselben sprachlichen Gewandtheit)".

In einer Klausurbesprechung habe ich mal einen Prof. darauf hinweisen müssen, dass Anknüpfungspunkt für die strafrechtliche Bewertung die Handlung des Einzelnen sei (ich hatte eine Handlung geprüft, die er nicht geprüft hätte, obwohl im SV eben stand "A sagte zu F .....). Er antwortete mir mit den bestechenden Worten "Aber wollen sie das wirklich lesen?". Als ich ihn dann darauf hingewiesen habe, dass im Bearbeitervermerk stand, dass man zu allen aufgeworfenen Rechtsfragen gutachterlich Stellung nehmen sollte, erwiderte er darauf "Ja, ich will das aber nicht lesen".. Herrlich so etwas, einfach herrlich. An sich stört mich das nicht wirklich, man soll nur nicht immer so tun, als ob es in Jura nur auf analytische Denkweise ankommen würde und man sich dem Klischee des Juristen in der Gesellschaft entsprechend eben immer streng an Regeln halten würde. Ende vom Lied: In der Musterlösung wurde diese Handlung trotzdem geprüft. Soll man da lachen oder weinen?

Das gleiche Elend hat man übrigens mit dieser ewigen Anprüferei von nicht einschlägigen Ansprüchen im Zivilrecht. Was man wie anprüft/anprüfen soll ist übrigens von der Laune desjenigen abhängig, der sich die geistigen Ergüsse am Ende durchliest. Im Endeffekt geht es in einer Juraklausur darum, die Sachverhaltsangaben alle an der richtigen Stelle zu "verwerten". In einer Schuldrechtklausur im Studium habe ich eine invitatio ad offerendum kurz erwähnt (sie war im Sachverhalt deutlich erkennbar) um dann auf das Datum des eigentlichen Vertragsschlusses einzugehen, das hatte ein Freund von mir auch gemacht. Bei mir wurde das honoriert, angeblich hätte ich damit Systemverständnis eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bei besagtem Freund stand einfach nur "Irrelevant, setzen sie Schwerpunkte, es kommt darauf nicht an!" drunter. Tjoa, was soll man jetzt also machen? Solche Entscheidungen können übrigens genau dann kriegsentscheidend sein, wenn man Zeitmangel hat (also immer). Führe ich das jetzt an oder lasse ich es weg? Das ist entgegen der dargestellten Meinung in diesem Forum (und woanders) ausgehend von der ex-ante Perspektive nicht immer vorhersehbar.

Anderer Leckerbissen: "Ich sehe nicht ein, soviel Geld für xy zu bezahlen, das hätte ich für weniger Geld bei B haben können" --> Ich habe eine Minderung angenommen, da ich aus diesem Sachverhaltsfetzen meinte herauslesen zu können, dass eben noch nicht bezahlt worden ist und folglich kein Rückgewährschuldverhältnis zwecks Rückabwicklung des Vertrages ausgelöst werden soll. Erwartet wurde jedoch, dass man diese Erklärung als Rücktrittserklärung auslegt, weil "der juristische Laie so etwas doch nicht wissen kann!". Aha.
Es ist auch lustig, wenn man gewisse Definitionen in mehreren Standardwerken/Kommentaren immer anders sieht. Dass dadurch das komplette Ergebnis verändert wird, scheint diesen Juristen nicht bekannt zu sein. Es macht z.B. einen großen Unterschied, ob man das Erfordernis der feindlichen Willensrichtung bei der Heimtücke bereits in die Definition einbaut oder es als zusätzliche Meinung bei der restriktiven Auslegung aufführt, das machen die Jungs bei der Uni anders als die Typen aus meinem Rep. Wem soll ich jetzt glauben?

Amüsant ist im Übrigen auch dieser fragwürdige Merksatz in Bezug auf die Drittschadensliquidation: "Einer hat einen Anspruch aber keinen Schaden, der andere einen Schaden aber keinen Anspruch". Jetzt gibt es Leute, die prüfen den "Schaden" auf der anspruchsbegründenden Seite, andere verorten ihn auf Rechtsfolgenseite. Dass das erhebliche Auswirkungen auf diese dämliche Eselsbrücke hat, musste ich einem Dr. iur. ganze 3 Minuten erklären, als Antwort bekam ich ein "So habe ich das ja noch nie betrachtet!".

Ein ähnliches Problem hat man bei der Verwendung des Gutachtenstils. Manche Leute subsumieren gar nicht richtig (die Subsumtion erfolgt immer unter Bezugnahme auf die Definition) und schreiben einfach direkt das Ergebnis hin oder lassen stumpf Obersätze weg und schließen sprachliche Klammern, die aufgemacht worden sind, nicht. Dadurch haben diese Leute mehr Zeit als jemand, der einen vernünftigen Gutachtenstil aufweist. Ob das geahndet wird oder nicht, ist dabei pure Glückssache und auch davon abhängig, ob der jeweilige Korrektor den Gutachtenstil selber verstanden hat.
Dies führt mich zu dem Punkt der Schwerpunktsetzung: Schwerpunkte sind grundsätzlich da zu setzen, wo die Subsumtion "nicht rund läuft". Dort sitzt in der Regel das Problem.
Wenn ich nun jedoch in einer Strafrechtsklausur mit vier (!) Tatkomplexen konfrontiert werde, in denen im Endeffekt 5 bekannte Mörderstreits aus dem Strafrecht abgefragt werden und von normalem Diebstahl + mehreren Qualifikationen über Dreiecksbetrug bis hin zu Mord und Verkehrsdelikten alles vertreten ist und der SV zudem noch vollgestopft ist mit anderen tausend kleinen Baustellen und bekannten kleineren Problemen, dann ist von Anfang an klar, dass man einfach nicht fertig wird. Dann wird man vor die Frage gestellt, was man wie in welcher Breite wo abhandelt. Man streift alles irgendwie oder lässt es weg (oder wird halt nicht fertig) um sich dann "Zu knapp! Wieso? Das müssen sie ausführen! Blablablabla das fehlt! Nicht bearbeitet, warum?" einzufangen. Ganz toll finde ich ja auch folgende Stilblüte: "Die Klausur war in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu schaffen. Wer sich hier nicht traut, Unwichtiges kurz abzuhandeln, wird das Nachsehen haben". Dass in der vorliegenden Klausur aber nichts unwichtig ist, wird außer Acht gelassen.
Dasselbe gilt für die unsägliche FFK-Problematik. Gelange ich an einen Praktiker und mache da "ein Fass auf", dann bekomme ich auf die Finger, denn er betrachtet alles durch die Brille der "praktischen Verwertbarkeit". Der Prof. will das allerdings lesen. Was mache ich jetzt also? Nehme ich die zweite Variante, verliere ich Zeit. Ich liebe die ex-ante Perspektive.

Wenn dann zu allem Überfluss auch noch das Schriftbild bewertet wird, dann kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, was das mit der Juristerei zu tun hat. Für Außenstehende ist das ganze recht einfach, durchgefallen oder schlechte Note = zu doof, um auf die rechtliche Lösung zu kommen. Dass man in einer Juraklausur nicht nur sagen muss, wie etwas ist, sondern auch darauf eingehen muss, wie etwas nicht ist, aber sein könnte, wenn man Merkmal x und y unter dem Blickwinkel der Koalitionsfreiheit und der Scharia auslegt, kann man keinem vernunftbegabten Menschen vermitteln.

Halten wir also fest: Mein Hauptproblem ist und bleibt der Prüfungsmodus. Wenn oben stehende Beispiele Hauptvoraussetzung für die berühmte "juristische Denkweise" sind, dann muss ich gestehen, dass ich sie nicht habe. Das ist in meinem Fall besonders tragisch, weil ich Jura eigentlich sehr mag und mich auch extrem umfassend und in einer von gewissen Kommilitonen nie erreichten Tiefe mit dem Stoff auseinandergesetzt habe.

Ich habe hier (falls das falsch rübergekommen sein sollte) nicht gegen das Jurastudium an sich in ewiger Schwarzsehermanier hetzen wollen, um dem Threadersteller seine Ziele auszureden, nur weil ich es selber "nicht geschafft habe". Ich wollte nur aufzeigen, dass es unfassbar viele Unsicherheitsfaktoren gibt, die dazu führen können, dass auch intelligente Leute "versieben".

Mich regt es nur auf, dass ich nach der ganzen Plackerei am Ende schlechter dastehe, als ein Kommilitone von mir, der seine Zwischenprüfung erst im 9. Semester geschafft, lange Haare hat und Rammsteintshirts trägt sowie sich einen Leguan als Haustier hält.

Nocheinmal zusammengefasst: Bitte immer kritisch hinterfragen, was auch "Freunde" von sich geben. In meiner Repgruppe war ein Typ, dem man direkt angesehen hat, dass er zum Spaß Steuererklärungen in seiner Freizeit formuliert. Der hatte den ganzen Stoff im Übrigen nicht zum ersten Mal gehört, der konnte jedes Schema auskotzen. Als es um die gute alte Studienzeit ging, hat besagte Person behauptet, "früher als man noch unwissend war die Hausarbeit nur mit dem Palandt geschrieben zu haben". Ich habe damals jemanden gekannt, der genau das getan hat und durchgefallen ist. Diese vorgeschobene Lockerheit ist eben oft nur eines, nämlich vorgeschoben.

Ich wünsche dir abschließend viel Erfolg im März 2018, ich würde dir die Wunschnote von ganzem Herzen gönnen, einen anderen Eindruck wollte ich hier nie vermitteln.
So ausführlich werde ich hier hoffentlich nicht mehr schreiben müssen.
Um es mit den Worten von Asitoni zu sagen: "Peace out, ich bin draußen"

Anzugträger

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 15


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Knusper_Kotte erstellt am: 22. Feb 2017, 16:00 Uhr

Kenne da einfach zu viele meiner Freunde, welche teilweise 6 Wochen vor dem Examen im Partyurlaub eine Woche lang sich die Binde hinter den Ohren weggekippt haben und TROTZDEM im Freischuss 10 Punkte (BAYERN) geschrieben haben?
Huch, dass sind aber alles keine Genies, Mathe nach der 11.Klasse abgewählt und nur ein 2,6 Abitur? Komisch,Komisch...vielleicht liegt auch daran, dass nur 10% aller Absolventen "richtig lernen"?
Achtung, jetzt festschnallen, ich kenne sogar jemanden der ein VB geschrieben hat, obwohl er im ganzen Studium bspw. fürs Zivilrecht nur mit den Hofmann Skripten aus dem Netz gelernt hat? Und sonst nur mit den Fällen aus der Übung und später dann eben mit den Fällen aus dem Rep? Das ist doch mal wirklich abgefahrener Kram. Und trd im Examen 7,9,13 Punkte rausgehauen? Ohne jemals ein Lehrbuch oder sogar Kommentar (was manch Examenskandidat gerne macht) aufgeschlagen zu haben? :crazy:


Ich würde das an deiner Stelle etwas kritischer hinterfragen. Es sieht halt einfach cool aus, wenn man seinen Kumpels erzählt, man hätte das Examen im Vorbeigehen gerissen. Solche Leute kenne ich auch, die ihre Vorbereitung kleinreden. Außerdem kommt es darauf an, was man die ganze Vorbereitung gemacht hat - wenn man 1,5 Jahre gelernt hat, kann es ganz heilsam sein, kurz vor dem Examen einen Erholungsurlaub einzulegen. ;-)

Mich regt es nur auf, dass ich nach der ganzen Plackerei am Ende schlechter dastehe, als ein Kommilitone von mir, der seine Zwischenprüfung erst im 9. Semester geschafft, lange Haare hat und Rammsteintshirts trägt sowie sich einen Leguan als Haustier hält.


Total off topic, aber ich musste sehr lachen bei dem Satz. :biggrin:

Auf jeden Fall hoffe ich, dass das beim Examen heraus kommt, was du dir wünschst. :thumbup:

Knusper_Kotte

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 49


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von CarpeDiem2 erstellt am: 22. Feb 2017, 17:53 Uhr

Da muss ich meinem Vorredner zustimmen. Kenne selbst eine ganz persönlich.

Über die ganze Examensvorbereitung lang hat sie gejammert und geweint. Nach Verkündung des Ergebnisses mit 5 Punkten, hat sie gesagt "Es ist alles so einfach, verstehe nicht, weshalb andere es sich so schwer machen". Würde ich sie nicht kennen, hätte ich es ihr fast geglaubt.

Bei so einer Rede hätte ich erst mal mehr als 5 Punkte erwartet und zweitens liegt es wohl in der Natur gewisser Leute, im Nachhinein alles kleinzureden.

CarpeDiem2

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 22


Re: Von 0 auf 100

Beitrag von Taco erstellt am: 24. Feb 2017, 15:34 Uhr

Anzugträger hat geschrieben:Diese Diskussion entwickelt sich in eine Richtung, die ich nie einschlagen wollte, deswegen sehe ich mich leider genötigt, hier (wohl leider nochmal ausführlich) zu antworten.

Selbstverständlich gönne ich dem Threadersteller, dass er seine Ziele erreicht, sonst würde ich mich hier nicht so ausführlich zu Wort melden. Ich weiß mit meiner Zeit durchaus besseres anzufangen, als wildfremde Leute aus dem Internet mit meinen "Erfahrungswerten" zu versorgen. Ich will in erster Linie vermeiden, dass er hinterher so blöd dasteht wie ich das jetzt tue.

@ MrWatkins: Mach dich locker. Du hast dich vernünftig vorbereitet, der Rest liegt nicht mehr in deiner Hand. Du wirst in Examensklausuren (meistens) nicht mit diesem Hörmalwerdahämmertschwachsinn konfrontiert. Das wird bei dir schon laufen. Du bekommst eine Abweichung vom Normalfall, die du erkennen und mit eigenen Argumenten lösen sollst. Dafür ist aber nunmal Wissen erforderlich, der Normalfall muss bekannt sein. Ich habe hier nirgendwo behauptet, dass die Methode egal ist, sie ersetzt nur nicht das juristische Studium. Ich weiß daher auch nicht, was du mir mit deinem Beitrag jetzt sagen willst, "ich denke, dass.." ist eben nur eine Vermutung von dir und kann "echte" Erfahrungswerte (die ich leider habe sammeln dürfen) nunmal nicht wegdiskutieren. Es muss bei dir nicht so laufen und wird es vermutlich auch nicht.
Zu der Geschichte mit der Schwerpunktsetzung schreibe ich weiter unten noch etwas.
In diesem Sinne: Viel Erfolg und geh erhobenen Hauptes rein!

@ Von0auf100!: Meinungsstreits nicht auswendig lernen und sich selbst zusammenreimen? Genau hier setzt mein Problem an. Ich bin genau so vorgegangen und habe im Endeffekt gegen Leute "verloren", die eben auswendig gelernt und dadurch wertvolle Zeit gespart haben.
Ich bin übrigens auch mit der Einstellung reingegangen, dass ich mir Definitionen selber bastele und die gar nicht aktiv lerne. Leider bin ich damit auf die Fresse geflogen.
Was mich an der Aussage deines Freundes am meisten stört ist allerdings folgender Aspekt: Durch diese Äußerung wird suggeriert, dass er quasi kein wirkliches Lernen im klassischen Sinne betrieben hat. Das ist aber grob falsch. Er wusste immerhin, dass es an der entsprechenden Stelle ein Problem gibt und hat sich die Ansichten dann ausgedacht. Das ist aber auch WISSEN und dem vorausgegangen ist ein nicht unbedingt unerheblicher Lernaufwand, ganz gleich, wie er das nun darstellt. Was ich dir damit sagen will: Lass dich bitte nicht verarschen und sieh zu, dass du "an sovielen Problemen wie möglich schon einmal vorbeigekommen bist".

"Es wird schwer sein, alles genau an der EINEN Sache festzumachen" --> Ja, das stimmt. Ich will auch keinesfalls in den Chor derer einstimmen, die behaupten, dass das hier alles REINES Glück wäre, das ist zu einfach und man würde sich damit nur selbst belügen. Pauschalaussagen sind komplett unangebracht, ganz egal, welchen Standpunkt man nun vertreten mag.

Bei mir spielten mehrere Sachen eine Rolle. Zum einen mein katastrophaler Gesundheitszustand, habe mir den ganzen Spaß auf Schmerzmitteln gegeben (und war dementsprechend benebelt) und durfte 50 % meiner Examensvorbereitung auf dem Bauch lernend verbringen, weil ich einfach nicht lange sitzen/stehen konnte (hinzu kamen noch private Probleme, murphy's law lässt grüßen), einen gewissen Einfluss wird das auch gehabt haben. Wie groß dieser Einfluss im Endeffekt gewesen ist, kann ich aber nicht wirklich einschätzen.

Mein wohl größtes Problem ist aber in erster Linie, dass ich "zu genau" arbeite und mich damit teils selbst blockiere, zudem habe ich mit dem Prüfungsmodus an sich die meisten Probleme, von den "guten Noten" (wie auch immer die jetzt aussehen mögen für den Einzelnen) kann ich mich wohl eh verabschieden. Ich möchte einmal kurz verdeutlichen, wie genau sich dies äußert:

Wenn mir jemand sagt, dass 2 + 2 immer vier ist, dann ist 2 + 2 für mich auch immer vier und nicht nach Belieben einmal 6 oder gar 1000. Wenn man mir seit Semester 1 einbläut, dass man "ein Gutachten zu schreiben habe" und man mir dann verbal dafür auf die Fresse haut, dass man eben selbiges macht, dann ist das für mich nicht akzeptabel. Wenn im Sachverhalt Informationen zu gewissen Delikten stehen, die man vorher immer in Gutachtenmanier hat verarbeiten müssen aber beispielsweise der Strafantrag fehlt, dann greife ich das eben auf und schreibe so etwas wie "Der Strafantrag müsste noch gestellt werden". Als Quittung bekommt man dann ein "Doch aber darauf kommt es doch gar nicht an!" (ja, übrigens in genau derselben sprachlichen Gewandtheit)".

In einer Klausurbesprechung habe ich mal einen Prof. darauf hinweisen müssen, dass Anknüpfungspunkt für die strafrechtliche Bewertung die Handlung des Einzelnen sei (ich hatte eine Handlung geprüft, die er nicht geprüft hätte, obwohl im SV eben stand "A sagte zu F .....). Er antwortete mir mit den bestechenden Worten "Aber wollen sie das wirklich lesen?". Als ich ihn dann darauf hingewiesen habe, dass im Bearbeitervermerk stand, dass man zu allen aufgeworfenen Rechtsfragen gutachterlich Stellung nehmen sollte, erwiderte er darauf "Ja, ich will das aber nicht lesen".. Herrlich so etwas, einfach herrlich. An sich stört mich das nicht wirklich, man soll nur nicht immer so tun, als ob es in Jura nur auf analytische Denkweise ankommen würde und man sich dem Klischee des Juristen in der Gesellschaft entsprechend eben immer streng an Regeln halten würde. Ende vom Lied: In der Musterlösung wurde diese Handlung trotzdem geprüft. Soll man da lachen oder weinen?

Das gleiche Elend hat man übrigens mit dieser ewigen Anprüferei von nicht einschlägigen Ansprüchen im Zivilrecht. Was man wie anprüft/anprüfen soll ist übrigens von der Laune desjenigen abhängig, der sich die geistigen Ergüsse am Ende durchliest. Im Endeffekt geht es in einer Juraklausur darum, die Sachverhaltsangaben alle an der richtigen Stelle zu "verwerten". In einer Schuldrechtklausur im Studium habe ich eine invitatio ad offerendum kurz erwähnt (sie war im Sachverhalt deutlich erkennbar) um dann auf das Datum des eigentlichen Vertragsschlusses einzugehen, das hatte ein Freund von mir auch gemacht. Bei mir wurde das honoriert, angeblich hätte ich damit Systemverständnis eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bei besagtem Freund stand einfach nur "Irrelevant, setzen sie Schwerpunkte, es kommt darauf nicht an!" drunter. Tjoa, was soll man jetzt also machen? Solche Entscheidungen können übrigens genau dann kriegsentscheidend sein, wenn man Zeitmangel hat (also immer). Führe ich das jetzt an oder lasse ich es weg? Das ist entgegen der dargestellten Meinung in diesem Forum (und woanders) ausgehend von der ex-ante Perspektive nicht immer vorhersehbar.

Anderer Leckerbissen: "Ich sehe nicht ein, soviel Geld für xy zu bezahlen, das hätte ich für weniger Geld bei B haben können" --> Ich habe eine Minderung angenommen, da ich aus diesem Sachverhaltsfetzen meinte herauslesen zu können, dass eben noch nicht bezahlt worden ist und folglich kein Rückgewährschuldverhältnis zwecks Rückabwicklung des Vertrages ausgelöst werden soll. Erwartet wurde jedoch, dass man diese Erklärung als Rücktrittserklärung auslegt, weil "der juristische Laie so etwas doch nicht wissen kann!". Aha.
Es ist auch lustig, wenn man gewisse Definitionen in mehreren Standardwerken/Kommentaren immer anders sieht. Dass dadurch das komplette Ergebnis verändert wird, scheint diesen Juristen nicht bekannt zu sein. Es macht z.B. einen großen Unterschied, ob man das Erfordernis der feindlichen Willensrichtung bei der Heimtücke bereits in die Definition einbaut oder es als zusätzliche Meinung bei der restriktiven Auslegung aufführt, das machen die Jungs bei der Uni anders als die Typen aus meinem Rep. Wem soll ich jetzt glauben?

Amüsant ist im Übrigen auch dieser fragwürdige Merksatz in Bezug auf die Drittschadensliquidation: "Einer hat einen Anspruch aber keinen Schaden, der andere einen Schaden aber keinen Anspruch". Jetzt gibt es Leute, die prüfen den "Schaden" auf der anspruchsbegründenden Seite, andere verorten ihn auf Rechtsfolgenseite. Dass das erhebliche Auswirkungen auf diese dämliche Eselsbrücke hat, musste ich einem Dr. iur. ganze 3 Minuten erklären, als Antwort bekam ich ein "So habe ich das ja noch nie betrachtet!".

Ein ähnliches Problem hat man bei der Verwendung des Gutachtenstils. Manche Leute subsumieren gar nicht richtig (die Subsumtion erfolgt immer unter Bezugnahme auf die Definition) und schreiben einfach direkt das Ergebnis hin oder lassen stumpf Obersätze weg und schließen sprachliche Klammern, die aufgemacht worden sind, nicht. Dadurch haben diese Leute mehr Zeit als jemand, der einen vernünftigen Gutachtenstil aufweist. Ob das geahndet wird oder nicht, ist dabei pure Glückssache und auch davon abhängig, ob der jeweilige Korrektor den Gutachtenstil selber verstanden hat.
Dies führt mich zu dem Punkt der Schwerpunktsetzung: Schwerpunkte sind grundsätzlich da zu setzen, wo die Subsumtion "nicht rund läuft". Dort sitzt in der Regel das Problem.
Wenn ich nun jedoch in einer Strafrechtsklausur mit vier (!) Tatkomplexen konfrontiert werde, in denen im Endeffekt 5 bekannte Mörderstreits aus dem Strafrecht abgefragt werden und von normalem Diebstahl + mehreren Qualifikationen über Dreiecksbetrug bis hin zu Mord und Verkehrsdelikten alles vertreten ist und der SV zudem noch vollgestopft ist mit anderen tausend kleinen Baustellen und bekannten kleineren Problemen, dann ist von Anfang an klar, dass man einfach nicht fertig wird. Dann wird man vor die Frage gestellt, was man wie in welcher Breite wo abhandelt. Man streift alles irgendwie oder lässt es weg (oder wird halt nicht fertig) um sich dann "Zu knapp! Wieso? Das müssen sie ausführen! Blablablabla das fehlt! Nicht bearbeitet, warum?" einzufangen. Ganz toll finde ich ja auch folgende Stilblüte: "Die Klausur war in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu schaffen. Wer sich hier nicht traut, Unwichtiges kurz abzuhandeln, wird das Nachsehen haben". Dass in der vorliegenden Klausur aber nichts unwichtig ist, wird außer Acht gelassen.
Dasselbe gilt für die unsägliche FFK-Problematik. Gelange ich an einen Praktiker und mache da "ein Fass auf", dann bekomme ich auf die Finger, denn er betrachtet alles durch die Brille der "praktischen Verwertbarkeit". Der Prof. will das allerdings lesen. Was mache ich jetzt also? Nehme ich die zweite Variante, verliere ich Zeit. Ich liebe die ex-ante Perspektive.

Wenn dann zu allem Überfluss auch noch das Schriftbild bewertet wird, dann kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, was das mit der Juristerei zu tun hat. Für Außenstehende ist das ganze recht einfach, durchgefallen oder schlechte Note = zu doof, um auf die rechtliche Lösung zu kommen. Dass man in einer Juraklausur nicht nur sagen muss, wie etwas ist, sondern auch darauf eingehen muss, wie etwas nicht ist, aber sein könnte, wenn man Merkmal x und y unter dem Blickwinkel der Koalitionsfreiheit und der Scharia auslegt, kann man keinem vernunftbegabten Menschen vermitteln.

Halten wir also fest: Mein Hauptproblem ist und bleibt der Prüfungsmodus. Wenn oben stehende Beispiele Hauptvoraussetzung für die berühmte "juristische Denkweise" sind, dann muss ich gestehen, dass ich sie nicht habe. Das ist in meinem Fall besonders tragisch, weil ich Jura eigentlich sehr mag und mich auch extrem umfassend und in einer von gewissen Kommilitonen nie erreichten Tiefe mit dem Stoff auseinandergesetzt habe.

Ich habe hier (falls das falsch rübergekommen sein sollte) nicht gegen das Jurastudium an sich in ewiger Schwarzsehermanier hetzen wollen, um dem Threadersteller seine Ziele auszureden, nur weil ich es selber "nicht geschafft habe". Ich wollte nur aufzeigen, dass es unfassbar viele Unsicherheitsfaktoren gibt, die dazu führen können, dass auch intelligente Leute "versieben".

Mich regt es nur auf, dass ich nach der ganzen Plackerei am Ende schlechter dastehe, als ein Kommilitone von mir, der seine Zwischenprüfung erst im 9. Semester geschafft, lange Haare hat und Rammsteintshirts trägt sowie sich einen Leguan als Haustier hält.

Nocheinmal zusammengefasst: Bitte immer kritisch hinterfragen, was auch "Freunde" von sich geben. In meiner Repgruppe war ein Typ, dem man direkt angesehen hat, dass er zum Spaß Steuererklärungen in seiner Freizeit formuliert. Der hatte den ganzen Stoff im Übrigen nicht zum ersten Mal gehört, der konnte jedes Schema auskotzen. Als es um die gute alte Studienzeit ging, hat besagte Person behauptet, "früher als man noch unwissend war die Hausarbeit nur mit dem Palandt geschrieben zu haben". Ich habe damals jemanden gekannt, der genau das getan hat und durchgefallen ist. Diese vorgeschobene Lockerheit ist eben oft nur eines, nämlich vorgeschoben.

Ich wünsche dir abschließend viel Erfolg im März 2018, ich würde dir die Wunschnote von ganzem Herzen gönnen, einen anderen Eindruck wollte ich hier nie vermitteln.
So ausführlich werde ich hier hoffentlich nicht mehr schreiben müssen.
Um es mit den Worten von Asitoni zu sagen: "Peace out, ich bin draußen"


Ich kann nur sagen: Amen!!!
"Zu genau arbeiten"! Wie oft stand ich mir schon selbst im Weg, weil ich zu sehr über ein Problem nachdachte oder noch schlimmer " es weiter dachte", was nur für Verwirrung sorgt!

Ich habe bei Alpmann eine Klausur geschrieben. In einem kompletten Absatz ging es um eine Verhandlung Minderjähriger, bei der zu einem "Liebhaberpreis" Comics verkauft werden sollten.

Also prüfe ich vorweg, ob nicht dort schon eine Einigung gegeben sein könnte und lehne wegen fehlender essentialia negotii ab-wieso sonst sollte der "Liebhaberpreis" so drin stehen. Ergo kurz angeprüft und abgelehnt und dann auf den richtigen Vertragsschluss eingegangen.

Klausur zurückerhalten-Kommentar zu dem ersten Teil "überflüssig"- meine Lösung hat sich hingegen mit der Lösung des Falls 1:1 gedeckt.

Ich finde, es ist so schwer, die Balance zu halten zwischen "Konstruiere keine Probleme" und "Das ist ein fallentscheidendes, leicht zu übersehendes Problem und Weichstellung in der Klausur".

Taco

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 73


Nächste

Zurück zu Examensstress

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Keine und 1 Gast