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Examensstress

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Absolutes Tief

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Absolutes Tief

Beitrag von Wolle123 erstellt am: 31. Mär 2017, 19:20 Uhr

Liebe Leidensgenossen,

Ich brauche mal den Rat und vor allen Dingen aufmunternde Worte von Leiten, die diese Zeit auch durchmachen.

Aktuell bin ich im 10.semester. Das Grundstudium habe ich in 2 Semestern durchgezogen, danach aber rapide abgebaut. Im hauptstudium habe ich so gut wie nichts mehr gemacht. Allerdings finanziere ich mir mein Studium auch komplett selbst und hatte immer zwei Jobs neben dem Studium und war politisch auch noch sehr aktiv. Dementsprechend waren auch meine Noten eher mittelmäßig. Aber: wenn ich iwo richtig gelernt habe, kamen auch immer super Ergebnisse raus. Vor 2 Jahren habe ich das Rep gemacht - dummerweise neben dem Schwerpunkt. Ergo: ich war beim Rep, habe aber nichts nachgearbeitet. Stattdessen habe ich eben den Schwerpunkt gemacht. Den hab ich mit 11 Punkten beendet, was mir nochmal nen richtigen Motivationsschub gegeben hat, weil es bei uns der schlechteste/Schwerste Schwerpunkt an der Uni ist.

Während des gesamten Studiums habe ich immer wieder den Spaß verloren, hab mich dann aber wieder reingekämpft. Seit august bereite ich mich jetzt wirklich konsequent aufs Examen vor. Und langsam aber sicher verzweifel ich. Ich muss alles von der Pieke auf machen - einiges hab ich nie im Studium gehört (insb. Zivilrecht). Ich komme super langsam voran (mache mir gerade überall Zusammenfassungen und löse Fälle dazu) und weiß nicht, wie ich es schaffen soll die Theorie durchzuackern und den Mist gleichzeitig noch auswendig zu lernen. Im klausurenkurs läuft es eher schlecht bis Mittel. Schaffe dort nie ne klausur ohne Hilfsmittel zu schreiben. Seit zwei Wochen bin ich echt down. Ich komme jeden Abend nach Hause und heule. Zivilrecht (ohne nebengebiete) und ÖR hab ich jetzt von der Theorie durch - im Kopf hab ich vieles noch lange nicht. Und wenn ich sehe, was ich noch machen muss (Strafrecht und nebengebiete + alles auswendig lernen) verzweifel ich und verliere komplett den Mut. Es macht mir gerade absolut keinen Spaß und ich denke mir immer nur, dass ich es eh nicht schaffe. Am liebsten würde ich alles hinschmeissen. Allerdings bin ich durch das Studium schon ziemlich verschuldet und ich möchte nicht, dsss das umsonst war. Außerdem habe ich für das Studium meinen Job mir 24 gekündigt, der wirklich gut bezahlt war, weil ich so überzeugt davon war. Zudem kommt gerade regelrechter Selbsthass dazu, dsss ich im Studium so wenig gemacht habe.

Ich glaube dass ich Verständnis für die Materie habe - aber gerade weiß ich nicht, wie das alles gehen soll. Hat jemand Tipps? Danke!!!

Wolle123

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Re: Absolutes Tief

Beitrag von Usersname erstellt am: 4. Apr 2017, 08:27 Uhr

Das klingt so, als würdest du grundlegend falsch arbeiten. Auswendig lernen musst und darfst du so gut wie nichts, das ist bei der Stoffmenge absolut nicht zu leisten und auch vollkommen der falsche Ansatz. Kein Wunder, dass du nur einen wachsenden Berg Bevorstehendes siehst und nicht das bereits Geleistete.

Wie viele Stunden pro Woche und Tag lernst du?

Wie regelmäßig schreibst du Klausuren? Wieviel der Lösung schlägst du nach?

Geh positiver ran: Mit 11 Punkten im Schwerpunkt hast du schon ne gute Basis. Um den Kopf frei zu bekommen, solltest du dir auch mal was Schönes gönnen.

Usersname

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Re: Absolutes Tief

Beitrag von Wolle123 erstellt am: 8. Apr 2017, 10:44 Uhr

Danke für deine Antwort!

Ich habe auch das Gefühl, dass ich grundlegend falsch lerne. Allerdings hab ich irgendwie auch keine Ahnung, wie ich es anders machen soll. Immobiliarsachenrecht mache ich bspw. gerade zum ersten mal im Studium, da muss ich mir natürlich erstmal die Theorie raufschäffeln. Ich gehe wöchentlich zum Klausurenkurs und schreibe momentan ÖR und ZR (Strafrecht lasse ich gerade noch außen vor). Da komme ich dann immer iwo zwischen 5-10 Punkten raus, allerdings schlage ich auch wahnsinnig viel während des Schreibens nach, weil ich absolut das Vertrauen in mich selbst verloren habe. Selbst bei nem § 823 gucke ich mit das Schema an. Gestern kam Nachbarschaftsrecht dran - hab ich vor kurzem zusammengefasst, war aber noch nicht in meinem Kopf. Ergo: habe dann die komplette Klausur mit meinen Notizen geschrieben.

Ich lerne täglich von 9-17 Uhr - manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Rechtsgebiete, die ich theoretisch durchgenommen und zusammengfasst habe, gehe ich danach anhand von Fällen durch (aus dem Rep, Schwabe, Hemmer...)

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich dsa komplette juristische Denken verloren habe. Sobal dich einen Fall lese schlage ich sofort in meinen Unterlagen nach und beginne gar nicht mehr selbst zu denken.

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Re: Absolutes Tief

Beitrag von bahami erstellt am: 9. Apr 2017, 17:55 Uhr

Das Problem mit den Hilfsmitteln bei Klausuren hatte ich auch.
Bringt dir nichts und macht dich nur weiter fertig, glaub mir. Denn die Musterlösungen sind zu perfekt und entsprechen selten dem, was in einer Klausur geschrieben wird. Also setzt man sich zu hohe Erwartungen und wird noch unsicherer.

Dieses Ding mit der Unsicherheit und trotzdem etwas schreiben/antworten, zieht sich durch das ganze Examen. Das musst du einfach machen.
Falls es ein Trost ist: Ich hab vor dem dem Stex nur 3 Klausuren "frei" geschrieben, hat am Ende trotzdem ganz gut geklappt.

Bei mir hat es geholfen, einfache Fälle in meinem Kopf zu bilden, bzw. zu Lösen. Ich lag dann Nachts im Bett rum und dachte über mögliche Konstellationen des § 243 StGB nach oder habe den Jungbullen Fall immer wieder abgewandelt, um Bereicherungsrecht/Sachenrecht zu verstehen.
Mit Leuten Reden hilft auch, also über den Stoff erzählen den man gerade macht.

Zum Stoff allgemein:
Ich bin der Auffassung, dass wenn man kein Prädikat will/braucht, für das Erste Stex tatsächlich die "Basics" ausreichen. Wobei vorallem AT (Str, Verw, BGB) gemeint ist. Wenn das sitzt (Leider auch die schwierigsten Bereiche des Rechts m.E.) und man die Nerven behält, hat man sehr gute Chancen das Stex im Bereich Ausreichend/Befriedigend zu schaffen.

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Absolutes Tief

Beitrag von Väinämöinen erstellt am: 10. Apr 2017, 07:18 Uhr

Wobei man eines immer vor Augen haben muss:

Wer quasi geplant mit einem Ausreichend aus dem Ersten rausgeht, der hat die (oftmals prekäre) Anwaltskarriere schon sicher. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber in den meisten Fällen kommt es so. Die Hoffnung, mit einem einem "Gut" im Zweiten dann doch nicht auf mindestens 18 Punkte aus beiden Prüfungen zu kommen, realisiert sich wohl eher selten...

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Re: Absolutes Tief

Beitrag von bahami erstellt am: 11. Apr 2017, 10:40 Uhr

Väinämöinen hat geschrieben:Wobei man eines immer vor Augen haben muss:

Wer quasi geplant mit einem Ausreichend aus dem Ersten rausgeht, der hat die (oftmals prekäre) Anwaltskarriere schon sicher. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber in den meisten Fällen kommt es so. Die Hoffnung, mit einem einem "Gut" im Zweiten dann doch nicht auf mindestens 18 Punkte aus beiden Prüfungen zu kommen, realisiert sich wohl eher selten...


Da hast du natürlich recht. Bei unter 6p im Ersten sollte man m.E. auch überlegen ob Zweites an sich machbar ist. Man muss im Zweiten genauso das materielle Recht draufhaben wie im Ersten, und sich da krass zu verbessern ist relativ unrealistisch. (Viele vergessen wohl auch Einiges, weil das Materielle nicht wiederholt wird in den AGs.)

Ich hab mich absolut crashkursmäßig in relativ kurzer Zeit vorbereitet. Wer in richtung 9p will, wird in der Regel deutlich langfristiger und besser Lernen müssen. Merkte ich insb. in der Mündlchen, wo der 10p Kollege eben den Gesamtüberblick UND alles Mögliche an Detailwissen parat hatte.

Und es ist wohl richtig, dass die Anwaltskarriere mit ausreichend schwierig ist. Ich finde aber die Vorstellung die Qualifikation überhaupt zu haben und sich als Freiberufler selbständig machen zu können durchaus attraktiv, auch wenn es keinen goldenen Porsche gibt.
Nach 4 Jahren Großunternehmen neben dem Studium, finde ich das Angestellten-Dasein teilweise sklavisch und trivial. Entscheided natürlich jeder für sich.

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Beitrag von Kirsche86 erstellt am: 12. Apr 2017, 06:13 Uhr

Das man sich bei unter 6 Punkte überlegten sollte ob das zweite Examen machbar ist sehe ich anders. Ich kenne einige die ein schlechtes erstes Staatsex gemacht haben und im zweiten dann solide bis gute Ergebnisse heraus bekommen haben. Ebenso Gegenbeispiele.
Im zweiten Examen geht es viel pragmatischer und praktischer zu.

Lass dich nicht verunsichern!!

Gibt es bei euch an der Uni vll einen Repetentenkurs? An meiner damaligen Uni waren die dort wirklich sehr hilfsbereit und haben das eigene Lernverhalten zusammen mit den Studis analysiert und Fehlerquellen aufgezeigt.
Wichtig ist es mE sich klar zu machen, dass du nicht alles wissen kannst und auch keinesfalls wissen musst. Mit dem Gesetz arbeiten, Auslegungstechniken beherrschen, Argumentationsketten bilden und die Zusammenhänge verstehen ist weitaus wichtiger!

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Re: Absolutes Tief

Beitrag von Wolle123 erstellt am: 12. Apr 2017, 06:40 Uhr

Danke für eure aufmunternden Worte. Mein Ziel ist es, spätestens im September reinzugehen. Anders bekomme ich es auch mit der Finanzierung nicht mehr hin. Versuche selbst optimistisch zu sein, dass ich bis dahin noch viel packen kann.

Das 2. Examen spielt für ich momentan keine Rolle. Ich möchte unbedingt zurück ins Arbeitsleben. Habe vor dem Studium eine solide Ausbildung gemacht und in zwei der größten Unternehmen weltweit gearbeitet. Da wieder unterzukommen ist kein Problem. Nur fasse ich mir jetzt oft an den Kopf und denke mir, dsss ich das mit nem
Bachelor und ggf. Master schneller hätte haben können. Und einfacher!

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Absolutes Tief

Beitrag von Väinämöinen erstellt am: 12. Apr 2017, 20:59 Uhr

Kirsche86 hat geschrieben:Das man sich bei unter 6 Punkte überlegten sollte ob das zweite Examen machbar ist sehe ich anders.


Gesendet von meinem SM-G900F mit Tapatalk




Ich habe nicht geschrieben, dass es nicht machbar ist. Wer unter 6 Punkte im ersten hat wird nur mit hoher Wahrscheinlichkeit Anwalt werden MÜSSEN. Ausnahmen, die im Zweiten dann durch die Decke gehen oder eben anders unterkommen gibt es natürlich.

Nur viele klammern sich eben bis zur letzten Sekunde an die Hoffnung, nach 6 Punkten im ersten dann 11,5 im Zweiten zu machen und doch noch alle Türen offen zu haben. Das sollte man nicht tun. Wer weniger als 6 Punkte im Ersten hat, der muss sich ernsthaft fragen, ob der Anwaltsberuf das Richtige ist. Verneint man das, sollte man das Erste nehmen und gehen...

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