Passwort vergessen?   
Aktuelle Zeit: 20. Okt 2017, 13:28 Uhr


Strafrecht

Du bist hier:   Startseite Der Examensstoff Strafrecht


2 Fragen zum Fahrlässigkeitsdelikt

Fachliches zum Examensstoff Strafrecht und Strafprozessrecht

2 Fragen zum Fahrlässigkeitsdelikt

Beitrag von Shizz erstellt am: 14. Nov 2016, 13:41 Uhr

Hallo,

ich hätte 2 Fragen zum Fahrlässigkeitsdelikt, die ich mir selbst leider nicht beantworten kann.

Frage 1

Wenn der subjektive Fahrlässigkeitsvorwurf (i.R.d. Schuld) aufgrund individueller Unkenntniss oder Unfähigkeit des Täters nicht besteht, dafür aber ein Übernahmeverschulden in Betracht kommt, muss ich dann eine neue Fahrlässigkeitsprüfung beginnen, bei der Anknüpfungspunkt die Übernahme der Aufgabe ist trotz Kenntnis des mangelnden Wissens oder prüfe ich das Übernahmeverschulden ausschließlich in der ursprünglichen FLK-Prüfung?

Frage 2

Wie geht ihr i.R.d. objektiven Zurechnung (bzw. Pflichtwidrigkeitszusammenhang) mit einem vorsätzlichen/fahrlässigen Dazwischentreter Dritter um? Welche Ansichten nennt ihr dort?

Ich hoffe jemand kann mir helfen.

Viele Grüße,
Shizz

Shizz

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 73


Re: 2 Fragen zum Fahrlässigkeitsdelikt

Beitrag von Xentronium erstellt am: 10. Dez 2016, 14:51 Uhr

Zur ersten Frage habe ich folgende Überlegungen:

Das Übernahmeverschulden ist ein Sonderfall der subjektiven Vorhersehbarkeit. Der Täter konnte erkennen, dass er die erforderlichen Fähigkeiten nicht hatte und es somit nicht unwahrscheinlich war, dass der konkrete Erfolg tatsächlich eintritt. Die Begründung der Schuld besteht also darin, dass der Täter bewusst durch fachlich mangelnde Qualifikation ein Risiko für das Leben/ die Gesundheit des Opfers schafft, welches subjektiv vermeidbar gewesen wäre.
Die Prüfung der Schuld hier abzuschließen bzw. eine neue Prüfung aufmachen ergibt m.E. somit keinen Sinn.

Xentronium

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 5


Re: 2 Fragen zum Fahrlässigkeitsdelikt

Beitrag von Shizz erstellt am: 3. Jan 2017, 21:26 Uhr

Deine Schilderungen machen Sinn. Danke!

Folgefrage: Gibt es keine Bedenken aufgrund des Koinzidenzprinzips, nach dem der Zeitpunkt der Tat und der Schuld derselbe sein müssen, d.h. die Schuld zum Tatzeitpunkt vorliegen muss? Ähnlich wie bei der a.l.i.c. wäre das dann ja nicht der Fall beim Abstellen auf das Übernahmeverschulden.

Shizz

Rang: Erstlingsautor/-in
Erstlingsautor/-in
 
Beiträge: 73


Re: 2 Fragen zum Fahrlässigkeitsdelikt

Beitrag von Xentronium erstellt am: 10. Jan 2017, 11:37 Uhr

Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso du die a.l.i.c. auf selbiger Stufe wie das Übernahmeverschulden siehst.

Die alic betrifft doch das Problem der Strafbarkeitslücke, welche man durch vorverlegen der Schuld zu schließen versucht. Der Täter begeht eine zeitlich frühere Handlung durch die seine Schuld für spätere Taten ausgeschlossen ist. -> Jedoch Problem des Koinzidenzprinzipes, u.a. deshalb ist die alic ja auch umstritten.

Beim Übernahmeverschulden begeht der Täter jedoch zum Tatzeitpunkt die schuldhafte Handlung bei voller Schuldfähigkeit.
Bsp: Allgemeinarzt behandelt Patient, obwohl er weiß, dass ihm die notwendigen chirurgischen Kenntnisse fehlen. Wunde des Patienten verheilt durch die Fehlbehandlung nicht ordnungsgemäß und muss operiert werden. Arzt hatte die subjektiven Kenntnisse nicht, hätte es also nicht besser machen können. Aber es war für ihn subjektiv vorhersehbar.
Also Übernahmeverschulden -> fahrlässige Körperverletzung. Tatzeitpunkt ist hier die Behandlung des Patienten. Die Entscheidung, den Patienten trotz fehlender Kenntnisse zu behandeln, kann dabei auch schon Tage vorher getroffen worden sein, aber Tatsache ist, dass der Arzt an dieser Entscheidung auch bei Beginn der Behandlung festhält. Darin liegt der Schuldvorwurf. Also m.E. kein Problem des Koinzidenzprinzipes.

Ich hoffe ich habe dich richtig verstanden und wir reden nicht über verschiedene Dinge.

Xentronium

Rang: Jungpoet/-in
 
Beiträge: 5



Zurück zu Strafrecht

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Keine und 1 Gast